Uns Imkern geht es ja eigentlich gut», begrüsste Marcel Strub, Leiter der Fachstelle Bienen, gut 50 Imkerinnen und Imker auf dem Wallierhof. Keine Katerstimmung also an diesem Anlass, an dem der Morgen der Theorie gehörte, die am Nachmittag durch die Praxis ergänzt wurde. Anlass zu Sorge gibt in erster Linie das kalte Wetter und der damit einhergehende Verzug der Vegetation. Beeinflusst werden kann dieser Umstand nicht. Allerdings wird, sobald die Temperaturen dann in frühlingshafte Bereiche klettern, die Natur förmlich explodieren und ihre ganze Pracht in kürzester Zeit entfalten. Die Bienenvölker hingegen werden nicht in der Lage sein, das ganze Nahrungsangebot abzuernten. Die Völker sind nach der Winterpause noch nicht stark genug.

Grüne Wüste

Mitte Jahr, dann, wenn die Brut herangezogen ist und die Völker stark sind, fehlt oft das notwendige Angebot an Pollen- und Nektarspendern. Eine Trachtlücke tut sich auf, die künftig mit mehr Bienenweiden geschlossen werden soll. Auch soll der Artenvielfalt ein grösseres Gewicht beigemessen werden. Das Stichwort der grünen Wüste, also riesige Flächen mit Mais oder Raps, sind zwar für die Landwirtschaft wichtig, für die Bienen hingegen weniger interessant. Die Nahrungsvielfalt ist eine wichtige Voraussetzung für gesunde, widerstandsfähige Bienenvölker. Strub stellte eine ganze Anzahl einheimischer Pflanzen vor, die eine Bienenweide ausmachen können. Wichtig dabei, dass diese Pflanzen ein gutes Verhältnis zwischen Pollen und Nektar bereithalten.

Wertvolle Trachtpflanzen

Nur wenn die Bedürfnisse und Anliegen der Imker kommuniziert werden, können sie auch berücksichtigt werden. «Werdet aktiv!», rief Strub seine Imker auf. Die Landwirte stehen unter einem permanenten Druck, seien aber in der Regel offen für das Anliegen, etwas mehr für eine Pflanzenvielfalt besorgt zu sein. «Bietet Unterstützung an für anfallenden Mehraufwand», forderte Strub. Auch mit den Umweltkommissionen, die manche Gemeinden eingesetzt haben, sei das Gespräch zu suchen. Oft würden Pflanzmassnahmen ergriffen, die von falschen Voraussetzungen ausgehen, «mangelndes Fachwissen sowie unsere Erfahrungen können wir Imker dort einbringen», riet Strub. «Untersuchungen aus deutschen Kommunen zeigen, dass eine Bienenweide den geringeren Pflegeaufwand bedeutet als eine pflegeintensive Rasenfläche.»

Manuela Plattner, Imkerin aus Metzerlen macht vor, wie erfolgreiche Kommunikation aussehen könnte. «Ich schenke jedes Jahr den Landwirten in meiner Umgebung ein Glas Honig, um mich für ihre Arbeit zu bedanken. Das gleiche bei meinen Nachbarn, die in ihren Gärten bei der Pflanzenwahl an die Bienen gedacht haben, damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.» Beat Balzli, Imker aus Gempen, wusste von einem ökologischen Vernetzungsprojekt zu berichten, das von Dornach bis nach Himmelried reiche und den Bedürfnissen der Bienen Rechnung trage.

Von der Theorie zur Praxis

Am Nachmittag waren dann Gummistiefel angesagt, es ging ins Gelände. Jörg Hirt, Geschäftsleiter der Emme-Forstbaumschulen machte vor, wie Heckensträucher zu pflanzen sind. Ein Genuss, dem Profi zuzuschauen. «Am besten ihr haltet euch an einheimische Arten und lasst euch beraten», mahnte er. Carole und Martin Kündig, beide am Wallierhof tätig, stellten all die Sträucher, die der Garten des Landwirtschaftlichen Zentrums beherbergt vor und gaben Ratschläge zu im Handel erhältlichen Samenmischungen, die für Bienenweiden geeignet sind. «Wenn ihr Saatgut für eine Blumenwiese kauft, so ist der Anteil an Gräsern relativ hoch. Anders sieht es bei Blumenmischungen aus, zwar sind sie teurer, aber der Blumenanteil ist deutlich höher», so der Rat von Martin Kündig, Obergärtner und Ausbilder am Wallierhof.