Es hätte eine Imagekampagne für den Lehrerberuf werden sollen. Bereits hatten die vier Nordwestschweizer Kantone 40 000 Franken für ein Marketingprojekt gegen den Lehrermangel ausgegeben. Doch dann, Anfang 2012, wurde das 2010 begonnene Projekt abgeblasen. Der Grund für den unerwarteten Stopp: Den beteiligten Lehrerverbänden war das vermittelte Berufsbild zu positiv.

«Einige Verbände waren sehr zurückhaltend mit einer Unterstützung, weil sie selber für eine Verbesserung der Anstellungsbedingungen kämpften», begründet Alexander Hofmann, bis Anfang 2013 Gesamtprojektleiter des Bildungsraumes, den Stopp.

Bekannt geworden ist das erst jetzt, und eher zufällig: In der Stellungnahme des Solothurner Regierungsrates zum überparteilichen Auftrag zum Thema «Desinteresse der Männer am Lehrerberuf» wird das Ende des Projektes beiläufig erwähnt. «Die Lehrerverbände der Kantone lehnten die Vorschläge aus gewerkschaftlichen Gründen mehrheitlich ab», heisst es in der Stellungnahme des Regierungsrates.

Arbeitsbedingungen als Grund

Martin Adam, Koordinator des Bildungsraumes Nordwestschweiz, ergänzt: Es sei für die Lehrer sicher schwierig, hinter einer Kampagne zu stehen, bei welcher ein super Bild des Berufs gezeichnet werde, während gleichzeitig Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen offen seien.

Klar ist aber auch: Von Anfang an war das Gespräch mit den Interessenverbänden gesucht worden, und anfänglich unterstützten diese das Vorhaben.

Lieber ein realistisches Bild

Warum haben die Lehrer interveniert? Grundsätzlich Zweifel an der Wirkung von Werbekonzepten, wenn sie alleine dastehen, hat Roland Misteli, Geschäftsführer des Solothurner Lehrerverbandes LSO. «Die Wirkung von Plakaten, Broschüren und Inseraten verpufft schnell.» Für Misteli sind die Aussagen falsch, die Lehrer hätten die Werbekampagne aus gewerkschaftlichen Gründen abgelehnt.

«Man kann nicht nur die Werbetrommel rühren, sondern muss auch konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation ergreifen.» Gerade diese Massnahmen hätten gefehlt. «Viele Neueinsteiger verlassen den Beruf wegen der Rahmenbedingungen nach wenigen Jahren wieder. Das ist nicht sehr effizient», sagt Misteli.

Anders sieht den Einfluss von Werbung die Pädagogische Hochschule: «Die Zahl der Studierenden hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt», sagt Christian Irgl, Leiter Marketing und Kommunikation der Hochschule. Darin spiegle sich die Attraktivität der Studiengänge. «Und sicher auch, dass die Bemühungen im Bereich Marketing erfolgreich sind.»

Immerhin betonten die Verantwortlichen, dass das Projekt indirekt doch noch etwas gebracht habe: «Die PH konnte die im Vorprojekt entworfenen Ideen und Instrumente übernehmen», sagt Alexander Hofmann. Teile des verworfenen Konzeptes seien in ein neues Projekt eingeflossen. Allerdings: Die PH, die am Projekt beteiligt ist, macht seit Jahren selbst Imagekampagnen.

Warum haben die Bildungsdepartemente überhaupt begonnen, Marketing zu betreiben, wenn dies bereits die Fachhochschule tut? Das Projekt sei parallel zur Werbung der Pädagogischen Fachhochschule gelaufen, weil die Kantone dem Problem so mehr Gewicht hätten geben wollen, sagt Martin Adam.