Konzert

Im Weltschmerz mit den Kummerbuben

Zur Eröffnung der Konzertsaison trat des Sinfonieorchester des Tobs in der Attisholz Arena mit den Berner Kummerbuben auf.

Restlos ausverkauft war am Freitagabend das Cross-Overkonzert des Sinfonieorchesters des Theaters und Orchesters Biel Solothurn Tobs mit der Berner Mundart-Indie-Band Kummerbuben. Kein Wunder eigentlich, denn unter Corona-Bedingungen durften nur gut die Hälfte der sonst in der Attisholz-Arena Platz findenden Besucher sitzen. Abstandsregeln mussten eingehalten werden.
Es sei den Verantwortlichen der Tobs-Leitung hoch anzurechnen, dass solche Crossover-Musikproduktionen - hier also die Verschmelzung eines Sinfonieorchesters mit einer Mundart-Rockband - überhaupt möglich sei, sagte der quirlige Dirigent des Orchesters, Droujelub Yanakiew kurz nach dem Beginn des Programms. Doch eine Saisoneröffnung des Tobs-Sinfonieorchesters auf diese Art scheint nun schon eine erfolgreiche, wenn auch noch junge Tradition zu werden. Begeisterte im vergangenen Jahr die Bernerin Steff la Cheffe das Konzertpublikum in der Attisholz Arena, wurde man für dieses Jahr wieder in Bern fündig mit den Kummerbuben.

Gelungene Verschmelzung der Stile

Kein Zweifel: musikalisch war das eine vielschichtige, überraschende, äussert gelungene Verschmelzung. Die Kummerbuben-Songs wurden vom Orchester mit Verve und Leidenschaft intoniert, die Arrangements waren ausgeklügelt und oft wunderschön. Es zeigte sich, dass die Kummerbuben-Band mit den musikalischen Erfordernissen dieser Verschmelzung der Stile durchaus mithalten konnten, ja ihre Musikalität so vielleicht noch mehr zum Tragen kam, als dies beim puren Band-Sound möglich ist. Sänger Simon Jäggi zog naturgemäss die Blicke aller auf sich. Da hätte wohl sein ganz in Gold geschnittener Anzug nicht mal sein müssen. Er intonierte sicher, allerdings nicht allzu kräftig, so wie dies nun mal bei den Kummerbuben-Songs in ihrer ganz eigenen Art richtig und passend ist. Ein bisschen ist man immer an Nick Cave oder Tom Waits erinnert.

Die Sängerin Stephanie Szantos, welche im ersten Teil des Konzertes zunächst als Backgrund-Sängerin und dann beim Song «Supermond» Jäggi im Duett begleitete, zeigte, welche Stimme es braucht, um bei Sinfonieorchester- und Bandsound zu bestehen. Es war wirklich schade, dass - wer die Kummerbuben-Texte nicht schon vorher kannte - man Jäggis Verse, die für die Band prägend sind, leider nicht, oder nur bruchstückhaft verstehen konnte. Lag’s am Gesang oder an der Tonmischung?

Musikalische Stimmungsaufheller fehlten

So gab man sich dem tollen musikalischen Arrangements hin und konnte als Highlight den von Yanakiew sehr behutsam dirigierten «Valse triste» von Jean Sibelius (1865-1957) geniessen, der den zweiten Konzertteil einläutete.
Fazit: Hochtalentierte Musiker beider Sparten gaben sich ein musikalisch perfektes Stelldichein. Doch hätten nach der trüben und konzert-losen Coronazeit dem Programm ein paar musikalische Stimmungsaufheller gut getan.

Meistgesehen

Artboard 1