Jubiläumsversammlung

Im Viehhandel sind Menschen- und Tierkenntnisse gefragt

Rolf Nützi, Präsident Solothurner Viehhändlerverband, bei seiner Ansprache.

Rolf Nützi, Präsident Solothurner Viehhändlerverband, bei seiner Ansprache.

Bei Problemen auf Bauernhöfen sofort aktiv werden: Dies die Botschaft von Nationalrat Andreas Aebi an der 100. Generalversammlung des Solothurner Viehhändlerverbands.

«Viehhändler ist einer der schönsten Berufe!» Davon ist Andreas Aebi, SVP-Nationalrat, Viehzüchter und Auktionator aus Alchenstorf, überzeugt. In seiner Festrede aus Anlass der 100. Generalversammlung des Solothurnischen Viehhändlerverbandes (SOVV) im Kantonsratssaal zu Solothurn erläuterte er die Gründe: «Viehhändler sind draussen in der Natur; sie haben mit Menschen und Tieren zu tun.» Ausserdem könnten sie wie Jodler, Jäger, Feldmauser und Journalisten nach der Pensionierung weitermachen, denn die Gesellschaft brauche sie als Dienstleister.

Die «ersten Wahrnehmer»

Aebi redete den Viehhändlern ins Gewissen: «Ihr seid erste Wahrnehmer im Tierschutzbereich, bei Krankheiten, bei physischer und psychischer Überlastung der Bauernfamilien, denn ihr verfügt über Menschen- und Tierkenntnisse.» Es sei wichtig, Bauern und Bäuerinnen aufgrund des gegenseitigen Vertrauens auf Probleme anzusprechen. Und in gewissen Fällen zu handeln, damit Unterstützung geboten werden könne.

Der Redner blickte zurück und in die Zukunft. Er beleuchtete die zwei Weltkriege und verschiedene Seuchenzüge und deren Einfluss auf die Landwirtschaft. Als aktuelle Probleme sieht er Einkaufstourismus und Schmuggel. «Wenn wir uns vor Augen führen, dass jeder 7. hier verdiente Franken ins Ausland geht», gab er zu bedenken, «sollten wir uns fragen, ob die Jungen hierzulande noch Arbeitsplätze finden werden und wie die Altersversicherung funktionieren wird.»

Aebi erläuterte die Vor- und Nachteile der 28 Freihandelsabkommen, welche die Schweiz unterzeichnet hat. «Kein Land hat mehr!» Schliesslich müsse uns der Protektionismus beschäftigen. Völker wollten wieder für sich sein und die Grenzen schliessen. «Vor zehn Jahren hatten wir eine intakte EU, keinen Brexit, kaum Migration», führte der Redner aus. Und jetzt, innert nur zehn Jahren, sei die Welt komplett verändert.

Regierungsrätin Esther Gassler hielt fest, der Viehhändlerverband sei nicht wegzudenken, weder aus dem landwirtschaftlichen noch wirtschaftlichen Leben des Kantons. Otto Humbel, Präsident des Schweizerischen Viehhändlerverbands – dieser feiert im Mai seinen 100. Geburtstag –, lobte die Solothurner als einen der aktivsten Kantonalverbände.

Die Zeit steht nicht still

Rolf Nützi, Präsident SOVV, sorgt sich um die schweizerische Landwirtschaft. «Angesichts des tiefen Milchpreises ist es kein Wunder, dass es in unserem Kanton Gemeinden gibt, wo keine Kuh mehr steht.» Für die Viehhändler bedeute das weniger Vieh, also weniger Arbeit. Metzger und Grossverteiler seien auf Importe angewiesen. Einem Teil der Konsumenten sei das egal, doch der grössere Teil bevorzuge einheimische Lebensmittel, weil sie Vertrauen hätten in die hiesige Landwirtschaft. «Das ist die Chance für unsere Bauernfamilien!», ist er sich gewiss.

Nützi riet seinen Kollegen, stets à jour zu sein, und zeigte auf, wie es sonst zum Nachteil geraten könne. Am Viehmarkt in Bulle wollte er eine Kuh kaufen, weil er sie als wertvoll einstufte. Ein Kollege bot mit. Gleichzeitig konsultierte der sein Smartphone, um alles über das Tier zu erfahren. Er ersteigerte das Tier, weil Nützi auf ein höheres Gebot verzichtete. «Hätte ich auch ein Smartphone gehabt, hätte ich auch weitergeboten, denn die Kuh ist laut Leistungsblatt wirklich spitze», erzählte er. Und schliesst daraus, dass es Zeit ist, sich von seinem alten Handy zu verabschieden.

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