Wenn er jeweils vom Ausland in die Schweiz zurückkehre, falle ihm wiederholt etwas ganz besonders auf, berichtete «Auslandschweizer» Thomas Straubhaar an einem Anlass der Baloise Bank SoBa im vollbesetzten Landhaus.

«Die Bevölkerung ist sich zu wenig bewusst, dass wir in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen Ländern in einem Paradies leben.» So herrsche etwa praktisch Vollbeschäftigung.

«Das ist ein unglaubliches Privileg», sagte der renommierte Wirtschaftsprofessor mit Berner Oberländer Wurzeln. Ein Arbeitsplatz sei weltweit für alle Menschen das höchste Ziel, um genügend Einkommen für sich oder für die Familie zu generieren. Deshalb ist für ihn klar: «Die Lage in der Schweiz ist besser als die Stimmung.»

Euro-Raum bewegt sich aus Krise

Die konjunkturelle Lage in der Schweiz wird sich auch im laufenden Jahr positiv entwickeln. So bewege sich der Euro-Raum, nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt für die Schweiz, langsam aus der Krise.

«Selbst die Krisenländer Spanien und Italien weisen wieder ein Wachstum aus.» Die Arbeitslosigkeit bleibe zwar hoch, stabilisiere sich aber. Und die Euro-Staaten würden wieder wettbewerbsfähiger.

Das zeige sich an den seit der Krise 2009 deutlich steigenden Exporten von Gütern und Dienstleistungen, begründete der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts und Professor der Universität Hamburg seinen Optimismus für die Schweiz.

«Globalisierung geht Luft aus»

Doch macht Straubhaar auch Gefahren aus, gerade für so stark exportorientierte Nationen wie die Schweiz. So beobachtet er «eine Rückkehr des Protektionismus». Das volumenmässige Exportwachstum der Weltwirtschaft, gemessen in Anzahl verschiffter Container, liege aktuell tiefer als im langfristigen Trend von vor der Krise.

«Der Globalisierung geht langsam die Luft aus.» Die Vorteile des freien Welthandels für die Schwellenländer seien langsam ausgeschöpft, die Logik des abnehmenden Zugewinns führe zu einer verringerten Dynamik in diesen Ländern. So würde dort die Inlandproduktion verstärkt gefördert, um Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung zu schaffen. Dies gelte vor allem für standardisierte Massengüter.

Zwar habe die Globalisierung das Versprechen einer Annäherung der schwächeren an die stärkeren Volkswirtschaften zumindest teilweise erfüllt. Dagegen zeige eine Analyse, dass in den einzelnen Ländern diese Angleichung nicht stattfinde.

Im Gegenteil. «Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.» Das unerfüllte Versprechen in der Verteilungsfrage führe vermehrt zu politischen Krisenherden. Deshalb nehme eben der Protektionismus zu.

Das wirksamste Mittel dazu sei die Abwertung der Landeswährung, um die Importe zu verteuern und die Exporte zu verbilligen. Genau das habe zur aktuellen Währungskrise geführt.

«2013 war guter Aktienjahrgang»

Zurück in die Schweiz als Anlageland für Investoren. «2013 war ein guter Aktienjahrgang», meldete Rainer Wyss, Anlagechef der Baloise Bank SoBa. Der Aktienindex SPI legte 24 Prozent zu.

Und basierend auf den volkswirtschaftlichen Daten sehe auch die Zukunft gut aus. So werde die Wirtschaft - ähnlich wie im Euroraum - 2014 und 2015 deutlich je über zwei Prozent wachsen.

Gefahr drohe allenfalls von höheren Zinsen in den USA. Wyss: «Aber insgesamt ist 2014 das Gewinnpotenzial für Aktienanlagen intakt, wenn auch tiefer als im Vorjahr.»