Grenchen

Im Velodrome poltert es: Das 24-Stunden-Schlemmen mit Massensturz

Beim ersten 24-Stunden-Rennen im Grenchner Velodrome wurde gefeiert. Die Party war von einem Massensturz getrübt worden, welcher aber nichts Ernsthaftes war. Jeder Fahrer musste im Rennen nebst den Schlemmpausen 200 bis 250 Kilometer zurücklegen.

Doping für Feinschmecker: Kaum hat das 24-Stunden-Rennen im Grenchner Velodrome begonnen, lässt Andrea Ferrigato die Korken knallen. Er öffnet eine Flasche «Lupulus Just Fabulus», offeriert Käse aus Parma, Salami aus dem Veneto und ein Glas dieses belgischen Biers, das wie ein Champagner in der Flasche fermentiert wird.

«Es ist nie zu früh, um ein Fest zu beginnen», sagt der frühere Radprofi, der heute zur venezianischen «Sacra Confraternita dei Ciclisti» gehört, und gönnt sich einen grossen Schluck des edlen Gebräus mit 8,5 Alkoholprozent – womit er bereits bei jedem Dopingtest hängen bliebe. Aber so etwas ist zum Glück an diesem Wochenende im Velodrome nicht geplant.

Plötzlich poltert und donnert es durchs Velodrome. Doch diesmal bedeutet der Lärm nichts Gutes. Um 21 Uhr kommt es zu einem Massensturz. Das eine oder andere «Achti» im Rad ist die Folge, und der Luterbacher Beni Scheller, ein erfahrener Radrennfahrer, der für Olympia Biel an den Start gegangen war, muss wegen schmerzhafter Prellungen und Hautverbrennungen aufgeben. «Zum Glück nichts Ernsthaftes», sagte Steven Junkerer, der Organisator des 24-Stunden-Rennens. «Solche Stürze gibt es manchmal am Anfang eines Rennens, wenn die Fahrer noch aufgeregt sind, oder ganz gegen Schluss, wenn sie wirklich müde sind.»

Pasquale Horlacher, früher ambitionierter Amateur, hat Respekt vor solchen Stürzen. «Wenn man auf der Holzbahn rutscht, gibt das Verbrennungen, die lange wehtun können. Am besten fährt man angriffig und gibt alles, dann passiert am wenigsten. Wenn man in einer Gruppe gemütlich mitfährt, wird man eingelullt, die Konzentration lässt nach, und dann kommt es zu Stürzen.»

Zwölf Stunden später dreht sich noch immer alles im Kreis – aber es ist Morgen geworden. Die Fahrerbox-Nachbarn von Thömus Racing Team schauen mittlerweile fast ein wenig neidisch rüber zum 24-Stunden-Schlemmen der Confraternita Veneta. «Vielleicht nehmen wir die Sache etwas zu ernst», sagt Pasquale Horlacher mit einem Blick, der verrät: Noch geht das Rennen 10 Stunden, noch ist nicht aller Tage Abend ... Dann sattelt Horlacher sein Bahnvelo, ohne Bremsen, dafür mit Starrlauf, wie es sich gehört, legt gleich einen furiosen Zwischenspurt hin und holt eine Runde auf das führende Team Thalmann auf.

Rund 1000 Kilometer legt jedes Team zurück, was zwischen 200 und 250 Kilometer pro Fahrer bedeutet. «Ich bin selber begeisterter Bahnfahrer», erklärt Steven Junkerer, warum er das 24-Stunden-Rennen im Velodrome zu einer festen Institution entwickeln will. «Ich habe schnell gespürt, dass das Interesse bei den Fahrern gross ist, und wir haben auch rasch Sponsoren gefunden.» Und wie gross ist der sportliche Wert des 24-Stunden-Rennens? «Es ist ein sehr anspruchsvolles Hobbyrennen, aber das Wichtigste ist, dass die Fahrer Spass haben.»

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