Er war ein Star der Lüfte, der erste Solothurner Pilot Theodor Borrer. Doch seine Fliegerkarriere dauerte nur sieben Monate. Am 22. März 1914 schlug das Schicksal unerbittlich zu. Seine Maschine demontierte während eines Schaufluges in der Nähe von St. Jakob bei Basel und der erst 19-jährige Borrer verstarb augenblicklich.

Wo heute Abertausende von Fussballfans ihren FC Basel feiern, fand am 22. März 1914 ein Schaufliegen statt. Theodor Borrer, der erste Solothurner Pilot, war am 10. Februar 1914 mit seinem Flugzeug von Solothurn nach Basel umgezogen, wo er auf der St. Jakobwiese jeden Sonntag Schau- und Rundflüge veranstaltete. Zuvor hatte er mit seinen aviatischen Taten national und international Schlagzeilen gemacht, vor allem mit seiner Teilnahme an militärischen Manövern im September 1913 und mit dem Sieg beim nationalen Flugwettbewerb zwei Monate später.

An der Basler Flugschau mit dabei war der französische Pilot Jean Montmain. Er galt als tollkühner Akrobatikflieger. Die Leute gaben sich 1914 nicht mehr zufrieden mit der Vorführung von reinem Kurvenfliegen in der Horizontalen. Das Ausnützen der dritten Dimension mit Sturzflügen und Loopings brachte den Zuschauern den Kitzel. Montmain flog solche Kunststücke bei St. Jakob vor, was den Ehrgeiz von Borrer herausforderte. Er wolle die «Ehre des Vaterlands» retten, soll er gesagt haben, bevor er zu seinem letzten Flug aufstieg. Montmain habe ihn noch gewarnt, heisst es, da Borrers Hanriot-Flugzeug nicht für die Belastungen von Akrobatik-Manövern ausgelegt war.

Der junge Solothurner startete an diesem Sonntag, 22. März, um 17.15 Uhr zum dritten Mal und führte zuerst über dem «Wolfsbahnhof», wie die Solothurner Zeitung schrieb, gelungene Spiralflüge aus. Nach dem Umkreisen des Flugplatzes ging es dann weiter in südlicher Richtung, um über dem Wald zwischen Muttenz und Münchenstein einzudrehen und zu einem Sturzflug anzusetzen. Plötzlich klappten die Flügel aber nach oben und die Hanriot stürzte mit ihrem Piloten senkrecht ab.

Auf der abschüssigen Wiese des Hofes Rütihard, der heute noch existiert, und genau gegenüber dem Birs-Stauwehr, bohrte sich die Maschine in den Boden. Borrer zeigte noch kurz einige Lebenszeichen, schloss aber sogleich für immer die Augen. Den schrecklichen Absturz mit ansehen musste sein Vater, der «mein Tedi, mein Tedi!» schluchzte. Aber kaum jemand kümmerte sich um ihn, die Tausenden von Zuschauern eilten weg in Richtung der Absturzstelle. Die Leiche des jungen Piloten wurde unter den Trümmern hervorgezogen und in das Bauernhaus Rütihard gebracht, wo der Vater, gestützt von zwei starken Männern, seinem toten Sohn begegnen musste.

Zwei Tage später fand in Solothurn unter sehr grosser Anteilnahme der Bevölkerung die Beisetzung statt. Der Trauerzug zog unter den Klängen des Trauermarsches von Chopin, gespielt von der Stadtmusik und von der Filarmonica Italiana, zum Friedhof St. Katharinen. Auch Akrobatikflieger Jean Montmain nahm an der Beerdigung teil. Dieser sollte seinen Pilotenkollegen nicht einmal ein Jahr überleben: Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er in Frankreich Militärflieger, stürzte aber am 15. Januar 1915 ab. Sein Grab ist auf einem Friedhof bei Dünkirchen heute noch erhalten – wie auch jenes von Theodor Borrer in Solothurn.

Die Frage bleibt für immer offen, wie sich die Karriere des Solothurners weiterentwickelt hätte. Ob er, nach Absolvierung der Rekrutenschule, wohl auch in das Pilotenkorps der per 1. August 1914 neu gegründeten Schweizer Fliegertruppe aufgenommen worden wäre?

Mit diesem Beitrag schliessen wir die Serie über Flugpionier Theodor Borrer ab. Beiträge erschienen am 3., 13. und 31. August und am 8. Dezember 2013. Als primäre Quelle dienten zeitgenössische Ausgaben der Solothurner Zeitung.