Region Solothurn
Im Sportartikelladen weht eine steife Brise

Zahlreiche Wechsel in der ehemaligen Marbach-Intersport-Filiale in Solothurn und heute nur noch leere Räume: Solche Szenarien drohen auch zahlreichen Kleinunternehmen im Sportartikelverkauf.

Philipp Eng
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So wie Universal-Sport (Nachfolger von Marbach Sport) in Solothurn geht es einigen lokalen Sportgeschäften: Schliessung nach Umsatzeinbruch.

So wie Universal-Sport (Nachfolger von Marbach Sport) in Solothurn geht es einigen lokalen Sportgeschäften: Schliessung nach Umsatzeinbruch.

Hanspeter Bärtschi

Es gibt immer weniger lokale Sportgeschäfte, und die Gründe für deren Rückgang sind zahlreich. Zuoberst auf der Liste steht der Onlinemarkt. Bekanntlich lassen sich über das Internet Produkte aus aller Welt vergleichen, bestellen und kaufen. Die Relevanz des Preises habe sich ausserdem über jene der besten Qualität gestellt, wie der Zuchwiler «Stöckli»-Filialleiter Adrian Kjaer meint. Solange der Preis stimmt, nehme der Durchschnittskäufer im Internet auch schwächere Qualität in Kauf. Hinzu kommen die Grossverteiler wie Migros mit eigenen Fachmärkten wie «SportXX», welche mit grosser Sortimentsbreite beim Kunden punkten können und vom Rückgang der Kleingeschäfte profitieren.

Urs Brotschi, Geschäftsleiter von «Bro Sport» in Selzach, hat schon öfters erlebt, dass die Beratung im Fachgeschäft als kostenlose Dienstleistung in Anspruch genommen wird, die empfohlenen Produkte dann aber übers Internet gekauft werden. Unter anderem sei durch das Onlineshopping in seinem Betrieb in den letzten zehn Jahren ein Nachfragerückgang von fast 30 Prozent zu verzeichnen gewesen. Die Tendenz für Onlineshopping ist steigend und die Zahl der Filialen der kleineren Sportgeschäfte entsprechend rückgängig. Der Wettbewerb, den der freie Markt fordert, spielt offenbar nicht mehr.

Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, sind verschiedene Rezepte erarbeitet worden: Primär wird auf Nischenprodukte gesetzt. So wirbt «Bro Sport» mit einem kompetenten Service, einer eigenen Werkstatt und einer individuellen orthopädischen Anpassung von Skischuhen, sagt Geschäftsführer Urs Brotschi. Zur Spezialisierung auf gewisse Nischenprodukte werde vor allem das Sortiment gestrafft und gezielter auf gewisse Sportarten fokussiert. Dadurch versucht man, sich auf ein Teilgebiet zu konzentrieren, dieses aber stärker und besser auszuschöpfen, als dies beispielsweise beim Grossverteiler möglich ist. Auf den ausgebauten Onlinemarkt umzustellen, komme für Brotschi und sein Unternehmen nicht infrage. Geschäfte wie das seine versuchen, den persönlichen Kundenkontakt und die individuelle Betreuung hochzuhalten und über den potenziell grossen Markt im Internet zu stellen.

«Stöckli» füllt eine andere Marktlücke und spezialisiert sich auf die Skiproduktion. «Wir stellen als einzige Schweizer Marke Ski her», nennt Filialleiter Adrian Kjaer die Antwort «Stöcklis» auf Grossverteiler und Onlineshops.

Diese Spezialisierung sei sicher der richtige Weg, um sich als Kleinunternehmen in jeder Branche gegen die Grossen durchzusetzen oder zumindest mitzuhalten. «Die kleinen Betriebe müssen sich auf die Nischenproduktion spezialisieren. Natürlich wird dies auch von den Grossverteilern ein Stück weit gemacht, jedoch nicht in dieser Tiefe des jeweiligen Produkts, wie dies ein Kleingeschäft tun kann», gibt Andrea Bauer, Mediensprecherin der Migros, Auskunft. Die Nischenorientierung ist bestimmt ein guter Weg, um konkurrenzfähig zu bleiben.»