Verkehrssicherheitszentrum Derendingen
Im Schleuderpark kann jeder die Grenzen seines Fahrzeugs erfahren

Was auf der Strasse böse enden könnte, kann auf dem Parcours des neuen TCS-Verkehrssicherheitszentrums in Derendingen gefahrenlos geübt werden.

Andreas Toggweiler
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Auf dem Parcours wird das Schleudern geübt.
11 Bilder
Überall steigen Wasserfontänen empor.
Das wird mitunter zu einer rutschigen Angelegenheit
Schleuderkurs des TCS in Derendingen
Blick aus dem Auto auf die Strecke.
Auf dem Parcours können mehrere Fahrer unterwegs sein.
Kugelstoss-Weltmeister Werner Günthör ist jetzt Töffausbildner
...ebenso wie Töffrennfahrer Jacques Cornu

Auf dem Parcours wird das Schleudern geübt.

Hanspeter Bärtschi

Marcel Loosli, Instruktor am TCS Verkehrssicherheitszentrum in Derendingen, tritt auf Gaspedal. Das Fahrzeug, eine Kombi-Limousine, nimmt Fahrt auf. Schon sind wir auf der Schleuderplatte, welche das Auto mit einem Ruck aus der Spur wirft. Mit einer beherzten Gegensteuerbewegung bringt Loosli den Volvo auf der nassen Fahrbahn wieder auf Kurs. «Im zweiten Durchgang werde ich bewusst zu wenig korrigieren», kündigt er an. Und schon folgt eine Pirouette und wir stehen verkehrt rum auf der Fahrbahn. Auf der Landstrasse eine äusserst brenzlige Situation. Hier, auf dem Parcours des neuen TCS-Zentrums geht es gefahrlos aus.

Doch nicht nur Autofahrer trainieren hier. Nebenan drehen Töfffahrer auf einem Geschicklichkeitsparcours ihre Runden, E-Bike Fahrer gewöhnen sich an ihr neues Fahrzeug und auf einer künstlichen Rampe übt sogar ein Gelenkbus Bremsmanöver.

«Wir können bis zu vier Kurse gleichzeitig auf dem Gelände durchführen», er klärt Clemens Stalder, Leiter des TCS-Zentrums. Noch kein Jahr in Betrieb, sei dieses schon recht gut ausgelastet durch Veranstaltungen aller Art. «Vom obligatorischen Weiterbildungskurs für Neulenker über Freiwilligen- und Firmenkurse bis zu Fahrzeugpräsentationen von Importeuren und gesellschaftlichen Events», umreisst Stalder das Spektrum.

Mehr Kursbesucher erwünscht

Am Freitag war der Schweizerische Verkehrssicherheitsrat (VSR) zu Gast und machte Werbung für Kurse der freiwilligen Weiterbildung im Strassenverkehr. Der VSR vertritt laut Geschäftsführer Stefan Ingold 198 Mitgliederorganisationen und deckt das ganze Mobilitäts-Spektrum ab - vom Fussgänger bis zum Schwerverkehr.

Im letzten Jahr haben laut Ingold 15 718 Fahrzeuglenkende einen Kurs des VSR besucht. «Das sind nicht wenige, aber wir möchten, dass es noch mehr sind. Denn im gleichen Zeitraum gab es 18148 Unfälle mit Personenschaden in der Schweiz», sagt Ingold. Dabei kamen 339 Menschen ums Leben.

«Muss zuerst etwas passieren?»

Sprunghaft zugenommen haben die Unfälle mit E-Bikes. 2012 starben acht Biker. E-Bikes werden laut Ingold oft von älteren Personen gekauft, die zum Teil jahrelang nicht mehr Velo gefahren sind. Das Risiko beim Fahren der schnellen und leisen Fahrzeuge werde oft unterschätzt. Das zeige sich auch darin, dass E-Bike Kurse wenig gefragt sind.

«Muss zuerst ein Unfall passieren, bevor die Verkehrsteilnehmer merken, dass Weiterbildung vielleicht doch angesagt wäre?», fragte Jacques Cornu an der Veranstaltung rhetorisch. Töfffahrer seien zwar in mehr als der Hälfte der Fälle nicht selber schuld an den Unfällen. Sie werden oft übersehen. Ein einwandfreies Beherrschen des Motorrades, beispielsweise für ein Ausweichmanöver, sei umso wichtiger. Der ehemalige Rennfahrer Cornu ist heute als Töff-Ausbildner tätig. Auch sein Sportlerkollege Werner Günthör, ehemaliger Weltmeister im Kugelstossen, ist begeisterter Motorradfahrer und gibt heute VSR-Weiterbildungskurse. Er betonte, dass Weiterbildung auch Spass machen könne und dass, wer sich auf dem Fahrzeug sicher fühle, auch mehr Fahrvergnügen habe.

Beiträge als «Zückerli»

Ein Kurs kostet 300 bis 400 Fr. Schon heute unterstützt der VSR freiwillige Weiterbildung finanziell mit bis zu 200 Fr. . Die Kosten werden aus einem Fonds finanziert, gespiesen aus den Stempelabgaben der Haftpflichtversicherungen. Das sind immerhin 20 Mio. Fr. jährlich, die für Belange der Verkehrssicherheit eingesetzt werden können. «Wir werden uns dafür einsetzen dass 2014 alle freiwilligen Weiterbildungen finanziell unterstützt werden, erklärt VSR Geschäftsführer Ingold. Der VSR verleiht den entsprechenden Kursen neu ein Qualitätslabel.

«Empfehlenswert»

BSU-Chauffeur Reto Pfister ist unterdessen von seiner Testfahrt mit einem Gelenkbus zurück. «Es war interessant, zu spüren, wie das Fahrzeug reagiert. Auf der Strasse kann man das nicht üben.» Ein solcher Kurs sei auf jeden Fall empfehlenswert, auch wenn die Busse heute mit vielerlei Hilfsmitteln ausgerüstet seien.