Demo B.
Im Kosovo verhaftet: Doppelmörder von Oensingen wird nicht ausgeliefert

Die beiden Täter im Doppelmord von Oensingen wurden 2016 verurteilt. Der Vater weilte bei der Urteilsverkündung aber im Ausland. Jetzt wurde er im Kosovo gefasst. Der Mann wird aber nicht an die Schweiz ausgeliefert.

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Vater und Sohn im März 2015 bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Vor dem Obergericht erschien der Vater nicht. (Archiv)

Vater und Sohn im März 2015 bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Vor dem Obergericht erschien der Vater nicht. (Archiv)

Tele M1

Bekim B., einer der Täter im Doppelmordfall von Oensingen im 2012, war im Dezember 2016 vom Solothurner Obergericht verurteilt worden. Er befindet sich seit fast fünf Jahren im vorzeitigen Strafvollzug.

Sein Vater Demo B. befand sich aber stets auf freiem Fuss. Zur Verhandlung vor dem Obergericht legte er ein Arztzeugnis vor – und weilte im Kosovo in den Ferien. Deshalb trat er seine Freiheitsstrafe von 17 Jahren bisher auch nicht an.

In den letzten Monaten wurde der 54-Jährige per internationalen Haftbefehl gesucht. Nun wurde er offenbar festgenommen. Wie sich «Blick» auf das türkische Nachrichtenportal Indeks Online beruft. Die kosovarische Polizei bestätigte gegenüber der Boulevardzeitung, dass am Mittwoch eine Person «mit den entsprechenden Initialen» verhaftet worden sei. Das zuständige Bundesamt für Justiz bestätigt am Donnerstagnachmittag die Festnahme.

Wie geht es nun weiter mit B.? «Da es sich um einen kosovarisch-schweizerischen Doppelbürger handelt, ist eine Auslieferung grundsätzlich nicht möglich», sagt Brigitte Ehrbar, stellvertretende Abteilungsleiterin des Straf- und Massnahmenvollzugs beim Amt für Justizvollzug des Kantons Solothurn auf Anfrage. Der Kosovo wie auch die Schweiz und andere Staaten würden eigene Staatsangehörige nicht ausliefern.

Möglich sei hingegen, dass der Kosovo stellvertretend für die Schweiz das Schweizer Urteil vollziehen könne. Die entsprechenden Schritte – wie beispielsweise das Übersetzen des Urteils – seien eingeleitet worden.

Familienzwist

Vater und Sohn hatten im Sommer 2012 auf einem Bauernhof in Oensingen im Familienzwist mit einer anderen Familie kosovarischer Herkunft einen Mann erschossen und einen weiteren angeschossen.

Noch in der Tatnacht hatten sich die beiden Tatverdächtigen der Polizei gestellt. Während der Sohn nach der Untersuchungshaft gleich in den vorzeitigen Strafvollzug antrat, kam der Vater nach knapp acht Wochen schon wieder auf freien Fuss.

Das Obergericht bestätigte am 16. Dezember 2016 die vom Amtsgericht verhängten Strafen für die beiden Männer. Der Sohn muss wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung 20 Jahre ins Gefängnis, sein Vater wegen Mordes 17 Jahre, so lautete das Urteil. (ldu)

Schiesserei in Oensingen fordert zwei Todesopfer
9 Bilder
Auf diesem Platz wurde geschossen
Der Tatort am Morgen danach
Eine Person wurde mit Schussverletzungen ins Spital gebracht
Das Gebiet wurde während der Nacht grossräumig abgesperrt
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Die Spurensicherung nahm sogleich ihre Arbeit auf
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Helles Flutlicht beleuchtete den Tatort

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Hanspeter Bärtschi