Bekim B., einer der Täter im Doppelmordfall von Oensingen im 2012, war im Dezember 2016 vom Solothurner Obergericht verurteilt worden. Er befindet sich seit fast fünf Jahren im vorzeitigen Strafvollzug.

Sein Vater Demo B. befand sich aber stets auf freiem Fuss. Zur Verhandlung vor dem Obergericht legte er ein Arztzeugnis vor – und weilte im Kosovo in den Ferien. Deshalb trat er seine Freiheitsstrafe von 17 Jahren bisher auch nicht an.

Doppelmord von Oensingen: Mutmasslicher Mörder in den Ferien

Doppelmord von Oensingen: Mutmasslicher Mörder in den Ferien (Dezember 2016)

Erneut wurde der Doppelmord von Oensingen verhandelt. Erstaunlicherweise ist einer der Täter gar nicht erst erschienen. Kann er der Strafe entkommen?

In den letzten Monaten wurde der 54-Jährige per internationalen Haftbefehl gesucht. Nun wurde er offenbar festgenommen. Wie sich «Blick» auf das türkische Nachrichtenportal Indeks Online beruft. Die kosovarische Polizei bestätigte gegenüber der Boulevardzeitung, dass am Mittwoch eine Person «mit den entsprechenden Initialen» verhaftet worden sei. Das zuständige Bundesamt für Justiz bestätigt am Donnerstagnachmittag die Festnahme. 

Wie geht es nun weiter mit B.? «Da es sich um einen kosovarisch-schweizerischen Doppelbürger handelt, ist eine Auslieferung grundsätzlich nicht möglich», sagt Brigitte Ehrbar, stellvertretende Abteilungsleiterin des Straf- und Massnahmenvollzugs beim Amt für Justizvollzug des Kantons Solothurn auf Anfrage. Der Kosovo wie auch die Schweiz und andere Staaten würden eigene Staatsangehörige nicht ausliefern.

Doppelmörder von Oensingen verhaftet

Doppelmörder von Oensingen verhaftet

Der 54-Jährige wurde letztes Jahr vom Gericht in seiner Abwesenheit zu 17 Jahren Haft verurteilt. Nun verhaftete die Polizei den Mörder im Kosovo.

Möglich sei hingegen, dass der Kosovo stellvertretend für die Schweiz das Schweizer Urteil vollziehen könne. Die entsprechenden Schritte – wie beispielsweise das Übersetzen des Urteils – seien eingeleitet worden.

Familienzwist 

Vater und Sohn hatten im Sommer 2012 auf einem Bauernhof in Oensingen im Familienzwist mit einer anderen Familie kosovarischer Herkunft einen Mann erschossen und einen weiteren angeschossen.

Noch in der Tatnacht hatten sich die beiden Tatverdächtigen der Polizei gestellt. Während der Sohn nach der Untersuchungshaft gleich in den vorzeitigen Strafvollzug antrat, kam der Vater nach knapp acht Wochen schon wieder auf freien Fuss. 

Das Obergericht bestätigte am 16. Dezember 2016 die vom Amtsgericht verhängten Strafen für die beiden Männer. Der Sohn muss wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung 20 Jahre ins Gefängnis, sein Vater wegen Mordes 17 Jahre, so lautete das Urteil. (ldu)

Vater und Sohn haben geschossen

Vater und Sohn haben geschossen (März 2015)

Amtsgerichts-Urteil zum Doppelmord von Oensingen: Vater und Sohn des Mordes und der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen. Beide müssen eine lange Haftstrafe antreten.