Warum sind Strassenbauten im Kanton Solothurn um 80 Prozent teurer als jene in Frankreich? Dies will Kantonsrat Hans Marti (SVP, Biberist) in einer Interpellation vom Regierungsrat wissen. «Muss der Strassenbau im Kanton Solothurn immer vergoldet werden?», lautet der Titel von Martis Vorstoss.

Konkreter Auslöser ist für den Interpellanten die kürzlich ausgebaute Kantonsstrasse zwischen Lohn und Ammannsegg. Marti nennt als Beispiel für einen sparsameren Strassenbau die D23 im französischen Leimental zwischen Biel-Benken und Rodersdorf. Diese sei «hinreichend sicher befahrbar und qualitativ einwandfrei». Jedenfalls könnten die massiven Mehrausgaben in der Schweiz «nicht mit blossen Lohnkosten erklärt werden».

Man könne nicht Äpfel und Birnen miteinander vergleichen, lautet sinngemäss die Antwort aus der Verwaltung: «Kostenvergleiche zwischen der Schweiz und dem Ausland zeigen häufig, dass der in der Schweiz beschränkte Raum, der Schutz des privaten Grundeigentums und strenge Umweltvorschriften als Gründe für die hohen Strassenbaukosten angeführt werden müssen.»

Die Regierung beziffert die Gesamtkosten für die Sanierung der Strasse zwischen Lohn und Ammannsegg mit rund 2,7 Mio. Franken pro Kilometer, davon 1,47 Mio. Franken für den reinen Strassenbau (ohne Trottoirs, Veloweg, Wasser und Strom). Weiter fragte Marti nach den «Kosten für die eingebauten Schikanen» wie Inseln, Kurven und Grünflächen. Mittelinseln würden zum Schutz abbiegender Fahrzeuge dienen und die Grünflächen stellten eine funktionale Notwendigkeit dar, antwortet die Regierung. Sie beziffert die entsprechenden Kosten mit 150'000 Franken.

Ein Vergleich der D23 im Leimental mit der sanierten Strasse in Lohn-Ammannsegg ist laut der Regierung auch bezüglich Frequenzen und Belastung nicht zulässig: Auf der D23 betrage die Verkehrsbelastung täglich rund 2800 Fahrzeuge, davon etwa 240 Lastwagen; in Lohn-Ammannsegg seien es rund 10'000 Fahrzeuge, davon 400 Lastwagen. Entsprechend sei hier ein viel soliderer Unterbau nötig gewesen. (ums.)