Ungebrochene Liebe
Im Kanton Solothurn sind erstmals mehr als 170'000 Autos zugelassen

Die Kurve zeigt nur nach oben: Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Autos auf Solothurns Strassen. 2017 waren erstmals über 170'000 Pkw zugelassen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Werkstätten viel mehr Arbeit haben.

Lucien Fluri
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Noch nie waren so viele Autos zugelassen wie heute.

Noch nie waren so viele Autos zugelassen wie heute.

Oliver Menge

Es brummt auf den Solothurner Strassen. Noch nie waren so viele Autos zugelassen wie heute. 171'754 Autos zählte man im vergangenen Jahr im Kanton, wie kürzlich veröffentlichte Daten des statistischen Amtes zeigen. Das sind 1953 mehr als noch 2016.

Seit 1971 wird die Zahl der Fahrzeuge im Kanton gezählt. Und bisher ist der Bestand noch jedes Jahr gewachsen. Kein einziges Mal gab es eine Stagnation oder einen Rückgang der Autos im Kanton – anders als etwa bei den Rollern.

Warum das so ist? Konkrete Antworten gibt es nicht. Kenneth Lützelschwab, Chef der Solothurner Motorfahrzeugkontrolle, nennt neben dem allgemeinen Wunsch nach Mobilität und dem Bevölkerungswachstum einen möglichen Grund: Innerhalb einer Familie gibt es, auch aufgrund der Berufstätigkeit, mehr Fahrzeuge. Und nicht zuletzt hat das Alter des Fuhrparks zugenommen – trotz relativ konstanter oder gar sinkender Zahlen bei den Neuzulassungen: Das Durchschnittsfahrzeug im Kanton ist 9 Jahre alt, 2016 waren es noch 8 Jahre.

Nur in ganz wenigen Gemeinden ist die Zahl der Autos – im Vergleich zum Vorjahr – rückläufig. So etwa in der Stadt Solothurn. Allerdings auf hohem Niveau: Im Vergleich mit 2012 sind in der Kantonshauptstadt heute mit den 9888 Autos trotzdem viel mehr im Verkehr als vor fünf Jahren.

Die Qualität der Autos ist besser

Immer mehr zugelassene Autos heisst nicht zwangsläufig immer mehr Arbeit für die Garagisten. «Wir arbeiten heute pro Jahr deutlich weniger Stunden an einem einzelnen Auto als früher», sagt Thomas Jenni, Geschäftsführer des kantonalen Autogewerbeverbandes. Der Grund dafür: Die Qualität der Autos habe zugenommen, sagt Jenni, der ein Beispiel macht: Als er selbst die Lehre machte, lag der Serviceintervall beim VW Käfer bei 2500 Kilometern. «Heute sind es 30'000 Kilometer. Es braucht deshalb Stückzahlen», so Jenni.

Gerade für kleinere Betriebe wird der Werkstattbereich zudem wichtiger. Denn beim Neuwagenverkauf geht der Trend hin zur Konzentration auf grössere Betriebe. «Die Hersteller machen grosse Auflagen, was die Ausstellungsräume betrifft. Es braucht eine gewisse Grösse, um dies finanzieren zu können», so Jenni. Kleinere Betriebe würden sich deshalb eine Nische suchen.

Dass die Autos heute langlebiger sind, kann noch an einem anderen Umstand ausgemacht werden: Während die Zahl der Autos im Kanton gestiegen ist, ist die Zahl der Neuzulassungen leicht gesunken: 2017 zählte das Bundesamt für Statistik 8528 neue Inverkehrsetzungen im Kanton, 78 weniger als noch im Jahr zuvor. Überhaupt sind die Neuzulassungen heute auf einem tieferen Niveau als in den vergangenen Jahren – vor allem wenn man noch das Bevölkerungswachstum mit betrachtet. So gab es 1990 10'502 Neuzulassungen, fast 2000 mehr als 2017.

Vorbereiten auf die Elektroautos

Wo geht der Trend hin? Automatisiertes Fahren, Car-Sharing, Elektromobilität? Beim Autogewerbeverband bereitet man sich auf alle diese Szenarien vor. «Wir müssen aktiv sein. Wir bereiten uns in der Ausbildung vor», sagt Geschäftsführer Thomas Jenni. Er ist überzeugt, dass der Wunsch nach individueller Mobilität hoch bleibt. Ob mit Benzin-, Diesel- oder Elektroantrieb. «Der Wandel kommt. Aber es dauert vielleicht etwas länger als angenommen», sagt Jenni. Denn weder sei die Infrastruktur für den Strom vorhanden noch die gesetzliche Grundlage für das automatisierte Fahren.

Auch bei den Solothurner Behörden rechnet man offenbar nicht mit einem Stopp des Aufwärtstrends. Vergangenes Jahr hat die Motorfahrzeugkontrolle einen Auftrag für neue Kontrollschilder vergeben. SO 200'000 ist in nicht allzu ferner Zukunft auf Solothurner Strassen unterwegs.

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