Ausbildung

Im Kanton Solothurn sind 375 Lehrstellen offen – Gastro- und Baubranche haben am meisten Mühe

Viele Betriebe haben nach wie vor Mühe, ihre offenen Lehrstellen zu besetzen.

Viele Betriebe haben nach wie vor Mühe, ihre offenen Lehrstellen zu besetzen.

Rund 85 Prozent der im Kanton Solothurn angebotenen Lehrstellen sind besetzt. Am meisten Mühe, Lehrlinge zu finden, hat man im Baugewerbe und der Gastronomie. So sind zum Beispiel noch 18 angehende Köche gesucht.

Zum Beginn des Schuljahres waren in der Lena-Datenbank (Lehrstellennachweis) immer noch fast 400 offene Lehrstellen im Kanton Solothurn verzeichnet, 375 genau. Gesucht sind etwa noch 18 angehende Köche oder Köchinnen, 16 Elektroinstallateure und 18  Detailhandelsfachleute. Von der demografischen Entwicklung mit steigenden Schülerzahlen, die in absehbarer Zeit wieder zu einer Verknappung des Lehrstellenangebots führen könnte (Ausgabe vom 12. August), ist also noch nichts zu spüren. Nach wie vor kämpfen die Betriebe um Lehrlinge und nicht umgekehrt.

Die meisten Lehrstellen sind im Bau- und im Baunebengewerbe (48), im Gastgewerbe (46) und in Berufen der Gebäudetechnik (39) unbesetzt geblieben. Körperliche Anstrengung und wenig attraktive Arbeitszeiten bei eher bescheidenen Verdienstaussichten sind nicht die Faktoren, die eine Berufslehre für Jugendliche besonders attraktiv machen. Man stelle fest, dass Jugendliche oft an einem Wunschberuf festhalten ohne Alternativen zu prüfen, wo es noch offene Lehrstellen gibt, sagt Patrick Seiler vom Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Sie nehmen es dann in Kauf, nach dem Schulabschluss noch ein Jahr mit einem Praktikum oder einem Berufsvorbereitungsjahr zu überbrücken.

Von einem sogenannten Brückenangebot machen dieses Jahr gemäss Schulstatistik im Kanton Solothurn 246 Jugendliche Gebrauch, die im Juli die obligatorische Schulzeit beendet haben. Das sind immerhin 10 Prozent der 2465 Schulabgänger. Ganz ohne Anschlusslösung, also weder mit einem Lehrvertrag in der Tasche noch dass sie ein Gymnasium oder eine Fachmittelschule besuchen oder in ein Brückenangebot wechseln würden, standen Ende Schuljahr 84 Jugendliche da, das sind 3,4 Prozent der Schulabgänger.

85 Prozent der Lehrstellen sind besetzt

Die Zahl von 375 offenen Lehrstellen mag hoch anmuten, und effektiv dürften es sogar noch etwas mehr sein, denn nicht alle Lehrbetriebe publizieren ihre Stellen im Lena. Das heisst aber noch nicht gerade, dass man nach dem Lehrstellenmangel Ende der 1990er-/Anfang 2000er-Jahre heute von der grossen Lehrlingskrise sprechen muss. Beim Berufsbildungsamt gingen bis Schuljahresbeginn 2215 Lehrverträge zur Genehmigung ein. Lehrbetriebe können Verträge noch bis Ende August einreichen. Somit könne man davon ausgehen, dass sich die Zahl der neuen Lehrverhältnisse gegenüber dem Vorjahr (2285) kaum verändert hat, erklärt der stellvertretende Abteilungsleiter Patrick Seiler. Aktuell seien rund 85 Prozent der angebotenen Lehrstellen besetzt.

Die berufliche Grundbildung bleibt denn auch der wichtigste Weg nach der obligatorischen Schulzeit. 55,3 Prozent der Schulabgänger treten dieses Jahr (Vorjahr 55,0) eine Berufslehre an, 26 Prozent besuchen eine weiterführende Schule. Auffallend ist hier der Geschlechterunterschied. Während sogar 62 Prozent der Knaben eine Berufslehre wählten und nur 19,5 Prozent ihre Bildung an einem Gymnasium oder einer Fachmittelschule weiterführen, liegt das Verhältnis bei den Mädchen bei 47,7 zu 34,1 Prozent. Mädchen (10,8 Prozent) nehmen auch etwas häufiger ein Brückenangebot in Anspruch als Knaben (9,2 Prozent).

Ausbildungsverpflichtung zeigt Wirkung

Während Baumeister, Gastronomen und andere oft Mühe haben, überhaupt einen Lehrling zu finden, präsentiert sich die Situation in den Gesundheitsberufen etwas anders. Hier war die Nachfrage nach Lehrstellen in den letzten Jahren meist grösser als das Angebot. Nach der kaufmännischen Lehre (dieses Jahr 281 besetzte Lehrstellen) ist die Lehre als Fachfrau/-mann Gesundheit mit 162 Lehrverträgen bereits die am zweithäufigsten gewählte Ausbildung. Offen geblieben sind (laut Lena) dieses Jahr lediglich fünf Lehrstellen. Dazu kommen 54 Verträge für eine Attestlehre als Assistent(in) Gesundheit und Soziales. Offensichtlich zeigt die bereits seit 2012 gesetzlich verankerte Ausbildungsverpflichtung Wirkung, die nun mit der sogenannten Ersatzvornahme auch wirklich durchgesetzt werden kann: Erfüllt ein Betrieb (Spital, Heim, Spitex-Organisation) das für ihn errechnete Soll an Ausbildungsplätzen nicht, kauft sie der Kanton anderswo ein und stellt die Abgeltung für den Lehrbetrieb dem säumigen Betrieb in Rechnung. Seit der Einführung der Ausbildungsverpflichtung stelle man eine Zunahme der Lernenden in den Berufen Fachfrau/-mann Gesundheit und Assistent(in) Gesundheit und Soziales fest, heisst es aus dem Berufsbildungsamt. Obwohl das auch dringend nötig ist – man rechnet bis 2030 mit einer Zunahme des Bedarfs an Fachpersonal in Gesundheitsberufen um über einen Drittel – ist man dort nicht nur begeistert von der Ausbildungsverpflichtung. Sie berge nämlich auch Gefahren: Wenn zum Beispiel eine offene Lehrstelle auf Biegen und Brechen besetzt werden muss und das Selektionsverfahren nicht seriös durchgeführt wird. Das könne dann zu einem Wechsel von der Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis in eine Attestlehre, einer Verlängerung der Lehrzeit oder im schlimmsten Fall zu einer Lehrvertragsauflösung führen.

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Autor

Urs Moser

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