Fahrprüfung
Im Kanton Solothurn fallen so viele durch die Theorie-Prüfung wie nirgends sonst

Im Kanton Solothurn schaffen knapp 65 Prozent die theoretische Führerprüfung. Das ist die tiefste Quote der Schweiz und das Schlusslicht für Solothurn. Bei der praktischen Prüfung sieht es besser aus.

Lea Durrer
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Der Weg zum Lernfahrausweis ist für manche lang.

Der Weg zum Lernfahrausweis ist für manche lang.

Keystone

Sind die Solothurner Anwärter auf einen Lernfahrausweis zu faul zum Lernen? «Das tönt zwar ein bisschen hart, man könnte es aber so sagen», sagt Kenneth Lützelschwab, Vorsteher des Strassenverkehrsamts des Kanton Solothurn. Er bezweifelt aber, dass es am IQ liegt, dass der Kanton Solothurn bei der Theorie-Prüfung so schlecht abschneidet. Vielmehr könne es an den nicht existierenden Schranken liegen. «Jeder kann so oft zur Prüfung antreten, bis er sie bestanden hat.» Man müsse halt einfach immer wieder die 30 Franken Gebühr bezahlen. Und das sei für viele heute wohl kein Problem.

Was ist die Erfolgsquote?

Die Erfolgsquote bei den Führerprüfungen der Kategorien A/B (Personenwagen und Motorräder) ergibt sich aus allen absolvierten theoretischen bzw. praktischen Führerprüfungen. Wiederholungsprüfungen sind in diesen Zahlen eingeschlossen. (mgt)

Seine Theorie mag durchaus stimmen, gibt es heute doch in vielen anderen Kantonen ab einer gewissen Anzahl absolvierter Prüfungen eine zeitliche Sperre. Erst nach deren Ablauf kann die theoretische Prüfung wieder angegangen werden. Das Erfolgsrezept für eine bessere Quote? Kein Thema für Lützelschwab. Eine Änderung des Systems oder auch eine Erhöhung der Gebühr im Kanton Solothurn kommt für ihn nicht in Frage.

Erfolgsquote bei theoretischer Prüfung

Kanton Prozent
Obwalden 77,6
AI 77,1
Tessin 76,6
...  
Aargau 68,7
Waadt 68,6
Genf 67,9
Solothurn 64,6

Fakt ist: Die neusten von der asa (Vereinigung der Strassenverkehrsämter) erhobenen kantonalen Erfolgsquoten zeigen, dass in keinem anderen Kanton so viele bei der Theorie-Prüfung durchgefallen sind wie hier. Jeder oder jede Dritte, die zur Prüfung antritt, kann keinen Erfolg verbuchen. Schweizweit liegt die durchschnittliche Erfolgsquote bei 71,5 Prozent. Für Solothurn bleibt das Schlusslicht - genauso wie im Jahr zuvor. Schwarz malen will Lützelschwab aber nicht. «Es gab eine kontinuierliche Verbesserung in den letzten Jahren.» Dies, obwohl es nicht mehr reiche, alles auswendig zu lernen. «Heute muss man mehr verstehen», so Lützelschwab. Publiziert seien nur rund 80 Prozent aller Fragen, die bei der Theorie-Prüfung abgefragt würden.

Sprachliche Probleme

Die vergleichsweise tiefe Erfolgsquote sei teilweise auch sprachlich bedingt, vermutet der Vorsteher des Strassenverkehrsamts. Manche hätten Probleme, weil sie die Prüfung nur in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch absolvieren könnten. Bis 2006 konnte die theoretische Prüfung noch auf Albanisch, Türkisch, Serbokroatisch, Spanisch und Portugiesisch abgelegt werden. Damals entschied der Regierungsrat für eine bessere Integration der Ausländer die Sprachen auf die drei Amtssprachen plus Englisch zu begrenzen. «Mit den vier Sprachen, die wir anbieten, decken wir sicherlich den grössten Teil ab», sagt Lützelschwab.

Im letzten Jahr stand dann eine Neuerung für die Mofa-Fahrer an. Bei der Aktualisierung der Theorieprüfung per 1. Januar 2012 wurden Struktur und Bildmaterial angepasst. Seither müssen die Prüflinge 30 Fragen beantworten, wobei es zu jeder Frage eine oder teilweise auch zwei richtige Antworten gibt. 81 von 90 Punkten müssen geholt werden. «Zu Beginn gab es ziemlich Wind», erinnert sich Kenneth Lützelschwab. Mittlerweile habe es sich aber etabliert, dass die gleiche Systematik angewendet werde wie bei der Theorie-Prüfung für Motorräder und Autos.

Praktisch veranlagt?

Die theoretische Prüfung ist das eine, die praktische das andere. Hier zeigt sich, dass die Lernfahrer im Kanton Solothurn im Vergleich zu anderen Kantonen eher praktisch veranlagt sind. 63,4 Prozent der Motorradfahrer und 65,4 Prozent der Autofahrer schafften die Prüfung (Vorjahr 63 bzw. 69 Prozent). Damit ist die Quote bei den Autofahrern stabil geblieben, während die der Motorradfahrer im Vergleich zu 2011 um fast 4 Prozent gesunken ist. Die Kategorie Motorräder schafft es damit im schweizweiten Vergleich auf Rang 16, die Autos auf Rang 17.

Was braucht es denn heute, um eine praktische Führerprüfung erfolgreich abzulegen? «Es muss sich ein Automatismus entwickeln», so Lützelschwab. «Wenn die Grundfahrtechnik im Fluss ist, kann man sich auf alles andere konzentrieren.»