Vermögensverteilung
Im Kanton Solothurn besitzen zwei Prozent mehr als die Hälfte

Die vom französischen Ökonomen Thomas Piketty kritisierte ungleiche Vermögensverteilung ist auch im Kanton Solothurn Realität. Im Vergleich zu Steueroasen wie beispielsweise Nidwalden allerdings in viel kleinerem Ausmass.

Franz Schaible
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Auch im Kanton Solothurn sind die Vermögen ungleich verteilt – 3111 Millionäre besitzen 51,6 Prozent der Vermögen

Auch im Kanton Solothurn sind die Vermögen ungleich verteilt – 3111 Millionäre besitzen 51,6 Prozent der Vermögen

Aargauer Zeitung

Mit seinem Buch «Das Kapital im 21. Jahrhundert» sorgt der französische Ökonom Thomas Piketty für Furore. Es gibt wohl kaum eine Zeitung, ein Magazin, eine TV- und Radiostation, welche das Buch nicht besprochen hat. Sehr kritisch oder sehr lobend. Pikettys These in Kürze lautet: Je grösser die Vermögensunterschiede sind, desto stärker wachsen sie. Die Verteilung des Vermögens wird also immer ungleicher oder wer viel hat, hat immer mehr. Ohne zu werten, die Aussage ist Grund genug, nüchtern zu schauen, wie es sich im Kanton Solothurn verhält.

Und siehe da, auch im Solothurnischen ist das Vermögen sehr ungleich verteilt – und die Schere wächst. Basierend auf den Daten der Eidgenössischen Steuerverwaltung besassen 1991 1,7 Prozent der Steuerpflichtigen oder 1806 Solothurnerinnen und Solothurner 40,8 Prozent des veranlagten Reinvermögens (Bruttovermögen abzüglich aller ausgewiesenen Schulden wie Hypotheken, aber vor Berücksichtigung der Sozialabzüge). 2010 besassen 2 Prozent der Steuerpflichtigen 51,6 Prozent aller Vermögen; also mehr, als die restlichen 98 Prozent zusammen. Laut der Statistik für das Jahr 2010 zählte der Kanton 3111 Vermögensmillionäre, die über fast 10,9 Milliarden Franken Reinvermögen verfügten.

Wie ungleich das Vermögen verteilt ist, verdeutlicht ein detaillierter Blick in die Zahlen der Eidg. Steuerverwaltung für das Jahr 2010. Demnach besassen 73 Prozent der Steuerpflichtigen oder 114 000 Solothurner 713 Millionen Franken. Das sind nur gerade 3,4 Prozent des gesamten, veranlagten Reinvermögens von 21 Milliarden Franken im Kanton. Demgegenüber stehen 118 Superreiche mit einem Vermögen von je über 10 Millionen Franken. Diese 0,08 Prozent aller Steuerpflichtigen vereinen insgesamt mit 4,2 Milliarden Franken einen Fünftel aller Vermögen auf sich. Im Kanton Bern sind die Vermögen in etwa ähnlich verteilt.

Im interkantonalen Vergleich zeigt sich, dass die Vermögensunterschiede im Kanton Solothurn unterdurchschnittlich gross sind. Das krasseste Beispiel liefert der Kanton Nidwalden. Dort besitzen die 2190 Vermögensmillionäre oder 8,3 Prozent aller Steuerpflichtigen sage und schreibe fast 20 Milliarden Franken oder 84 Prozent der gesamten veranlagten Vermögen. Noch «eindrücklicher» ist die Vermögenskonzentration auf die Superreichen mit je über 10 Millionen Franken. Die Statistik sagt, dass 191 Einwohner im Kanton Nidwalden über 62 Prozent der deklarierten Vermögen verfügen.

Auch im Vergleich zur Gesamtschweiz sind die Solothurner Vermögen ausgeglichener verteilt. Der Anteil der Vermögensmillionäre beträgt im Kanton Solothurn wie erwähnt 2 Prozent, landesweit aber 4,8 Prozent. Und die «Superreichen» vereinen in Solothurn 20 Prozent aller Reinvermögens auf sich, schweizweit sind es 26 Prozent. Zwar ist die Aussagekraft der Zahlen der Steuerverwaltung eingeschränkt, weil beispielsweise die Pensionskassengelder nicht inbegriffen sind. Fakt ist aber, dass die Vermögenswerte ungleich verteilt sind.

Thomas Piketty will die ungleiche Verteilung sowohl beim Vermögen (wie beim Einkommen) mit provokativen Besteuerungsvorschlägen lösen. Ihm schwebt unter anderem eine globale, progressive Vermögenssteuer – bis zu 10 Prozent jährlich für Milliardäre – vor, gekoppelt mit einer extrem progressiven Einkommenssteuer. Im Kanton Solothurn gelten für die Vermögenssteuer folgende Sätze: Sie beträgt 0,75 Promille von den ersten 50 000, 1 Promille von den nächsten 50 000 und 1,25 Promille von den übernächsten 50 000 Franken. Ab 150 000 Franken beträgt der Vermögenssteuersatz fix 1,0 Promille.

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