Hygiene
Im Kanton sind jetzt Chlorgasanlagen in den Badis verboten

Die Anlagen zum Desinfizieren von Badewasser sind im Kanton nicht mehr erlaubt, hat die Solothurner Lebensmittelkontrolle beschlossen. Ihre Inspektoren haben auch sonst viel zu tun.

Sven Altermatt
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Zuletzt liessen noch die Schwimmbäder in Messen, Grenchen (Bild) und Zuchwil ihr Wasser mit Chlorgas desinfizieren.

Zuletzt liessen noch die Schwimmbäder in Messen, Grenchen (Bild) und Zuchwil ihr Wasser mit Chlorgas desinfizieren.

Oliver Menge

Es verätzt die Schleimhäute und ist ab einer gewissen Menge sogar tödlich: Chlorgas ist gleichwohl gefährlich wie nützlich. In Schwimmbädern wird es nämlich gerne zur Desinfektion des Badewassers eingesetzt. Doch jetzt ist die Zeit der Chlorgasanlagen wohl definitiv abgelaufen – zumindest im Solothurnischen: Die kantonalen Behörden werden entsprechende Anlagen fortan wie angekündigt nicht mehr genehmigen.

Trinkwasserversorgung: Verunreinigungen in zwei Gemeinden

Die Lebensmittelkontrolle inspizierte im vergangenen Jahr auch 50 Trinkwasserversorgungen und 18 Bäder. Von 300 untersuchten Trinkwasserproben wurden 8 Proben beanstandet. In zwei Gemeinden kam es zu Trinkwasserverunreinigungen; die Lebensmittelkontrolle unterstützte die lokalen Behörden und überwachte die Korrekturmassnahmen. In beiden Fällen sei von den Verantwortlichen «sehr gute Arbeit geleistet worden», so die kantonale Behörde in ihrem Jahresbericht. «Die vorliegenden Probleme konnten zeitnah und nachhaltig gelöst werden.» Welche Gemeinden betroffen waren, macht sie derweil nicht publik. (szr)

Das geht aus dem soeben publizierten Jahresbericht 2015 der Solothurner Lebensmittelkontrolle hervor; sie ist für die Kontrolle der Bäder zuständig. Zu gross sei das Gefährdungspotenzial, das von den Anlagen ausgehe. Kommt es zu einem Störfall, sind Badegäste und Umwelt bedroht. Mittlerweile werden auf Solothurner Boden jedoch ohnehin keine Chlorgasanlagen mehr betrieben, wie die Lebensmittelkontrolle bestätigt. Die letzte Anlage wurde 2015 ersetzt. Zuletzt liessen noch die Schwimmbäder in Messen, Grenchen und Zuchwil ihr Wasser mit Chlorgas desinfizieren.

In der Grenchner Badi kam es im September 2013 zu einem Zwischenfall, als eine geringe Menge Gas austrat. Dass damals nichts Schlimmes passiert ist, lag an den hohen Sicherheitsvorkehrungen. Eine Alarmglocke überwachte die luftdicht abgeschlossenen Räume, eine Sprinkleranlage band das ausgetretene Chlorgas sofort.

Behörde schliesst einen Kiosk

Der Jahresbericht der Lebensmittelkontrolle zeigt: Ein grosser Teil der Betriebe, die mit Lebensmittel arbeiten, erfüllt seine Aufgaben gut. Allerdings gab es auch Ausnahmen bei den 1663 Inspektionen und Betriebskontrollen. Die Inspektoren mussten einen Betrieb sogar vorübergehend schliessen. Betroffen war ein Kiosk, der «sukzessive zu einem Verkaufsgeschäft mit Fleischverkauf und einer Küche für Take-away» ausgebaut worden sei. Um welchen Betrieb es sich handelt, wird nicht bekannt gegeben.

35 Prozent ...

... betrug im Jahr 2015 die Beanstandungsquote im Bereich Lebensmittel.

Selbst bei grösseren Mängeln herrscht für die Behörden Schweigepflicht. In der Schweiz müssen die Betriebe grundsätzlich nicht ausweisen, ob die Lebensmittelkontrolle mit ihnen zufrieden ist oder nicht. Ein Vorstoss aus den Kreisen der Solothurner SP, der diesbezüglich mehr Transparenz forderte, scheiterte diesen Sommer im Kantonsrat.

Schlagcreme statt Schlagrahm

Im vergangenen Jahr mussten die Inspektoren wiederum viele täuschende Angaben und Anpreisungen beanstanden. Auf Pizzen wurde sogenannte «Pizza-Auflage» statt Schinken verwendet, statt Schlagrahm wurde Schlagcreme aufgetischt, konventionelles Fleisch wurde als «Bio» angepriesen.

Die Beanstandungsquote im Bereich der Lebensmittel lag bei 35 Prozent, ähnlich wie in den Vorjahren. Die meisten Rügen gab es erneut wegen Fehlern bei der Herkunftsdeklaration von Fleisch.