Sie sind alleine. Ganz alleine. Sie sind hier fremd. Asylsuchende Kinder, die Hunderte Kilometer Weg hinter sich haben. Im Kanton leben sie ohne Eltern oder Geschwister meist im Asyl-Durchgangszentrum. Sie haben Namen, aber im Fachjargon nennt man sie nur UMA, «unbegleitete minderjährige Asylsuchende». 32 leben derzeit im Kanton Solothurn. 12 Jahre alt ist der Jüngste.

Was für Geschichten hinter den jungen Gesichtern stecken, ob sie auf Booten im Mittelmeer waren, das weiss David Kummer vom Amt für Soziale Sicherheit meist nicht. Kummer ist verantwortlich dafür, dass die jungen Asylsuchenden eine Unterkunft haben. Basel, Zürich oder die Waadt haben spezielle Wohnheime. Diese gibt es im Kanton Solothurn nicht. 20 der 32 minderjährigen Asylsuchenden wohnen im Asyl-Durchgangszentrum in Selzach. Wer bald 18 ist, wird auch schon mal in normalen Asylunterkünften untergebracht. 12 leben in Unterkünften in Gemeinden, in Wohngemeinschaften oder in Pflegefamilien. «Wir schauen, ob sie vielleicht einen Onkel oder eine Tante in der Schweiz haben», sagt Kummer. «Je jünger ein UMA ist, umso eher braucht es einen familiären Rahmen.»

Spezielles Programm, spezielle Klasse

Eine spezielle Betreuung ist so oder so vorgesehen, auch aufgrund traumatischer Erlebnisse. In Selzach gibt es für sie ein spezielles Programm. An vier Halbtagen besuchen die UMA in Solothurn eine eigens eingerichtete Klasse, in der sie auch Deutsch lernen. Im Durchgangszentrum haben sie eine Vertrauensperson, die ihnen zur Seite gestellt wird. Sobald sie in die Gemeinden kommen, wird der Kinder- und Erwachsenenschutz eingeschaltet.

Integration hat hohen Stellenwert

Noch nicht 15 Jahre alt ist eines von fünf Mädchen im Kanton. Seine Eltern hat es bei der Flucht in Algerien verloren. Es ist aus Eritrea, wie die meisten der UMA: 22 der insgesamt 32 Kinder und Jugendlichen stammen aus dem ostafrikanischen Land – wie das auch bei den erwachsenen Asylsuchenden der Fall ist. Und wie bei diesen hat auch die Zahl der unbegleiteten jugendlichen Asylsuchenden stark zugenommen. 2009 zählte der Kanton 11 UMA, heute sind es fast dreimal so viele. Vier stammen aus Afghanistan, zwei aus Somalia.

«Im Schnitt sind sie 16 oder 17 Jahre alt», sagt David Kummer. «Speziell ist sicher: Sie bleiben in der Regel hier, bis sie volljährig sind», so Kummer. «Beruf und Integration haben in den ersten Monaten einen höheren Stellenwert als bei erwachsenen Asylsuchenden.» Die Asylgesuche Minderjähriger werden prioritär behandelt. Ausschaffungen oder Abschiebungen ins Schengen-Erstaufnahmeland sind grundsätzlich auch bei Minderjährigen nicht ausgeschlossen. Derzeit allerdings stammen die meisten aus Eritrea. Sie können aufgrund der Lage im Heimatland in der Schweiz bleiben.