Kanton Solothurn
Im Kampf gegen das Corona-Virus stehen die Risikogruppen im Zentrum

Der Kanton Solothurn will eine Überlastung von Spitälern und Arztpraxen verhindern und gibt den Alters- und Pflegeheimen Empfehlungen für Massnahmen ab.

Rebekka Balzarini
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Der Kanton will eine Überlastung der Spitäler unbedingt vermeiden.

Der Kanton will eine Überlastung der Spitäler unbedingt vermeiden.

Hanspeter Bärtschi

Im Kanton Solothurn hat sich bisher eine Person nachweis-lich mit dem Corona-Virus Covid-19) Infiziert. Die Frau befindet sich momentan daheim in Quarantäne. Der Kanton rechnet damit, dass sich in den nächsten Tagen und Wochen mehr Menschen mit dem Virus anstecken. Das gab er am Montag
an einer Medienkonferenz im Solothurner Rathaus bekannt. Mittlerweile geht es laut Kantonsarzt Lukas Fenner nicht mehr darum, das Virus einzudämmen. Die Ausbreitung soll aber verlangsamt werden, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Kanton übernimmt Empfehlungen vom Bundesrat

Für die Bevölkerung im Kanton gelten die gleichen Regeln wie sie der Bund am letzten Freitag verabschiedet hat: Hygienemassnahmen wie Händewaschen oder Abstand halten sind strikt zu befolgen, auf Händeschütteln ist zu verzichten. Wer sich krank fühlt, soll laut Kantonsarzt Lukas Fenner daheim bleiben und erst nach telefonischer Anmeldung eine Arztpraxis oder Notfallstation aufsuchen.

Wer sich krank fühlt, wird nun nicht mehr automatisch auf das Corona-Virus getestet. Nur wenn eine Person starke Atemwegssymptome entwickelt oder zu einer Risikogruppe gehört, wird sie genauer untersucht.

Die grösste Risikogruppe in der Schweiz ist die ältere Bevölkerung. Sie ist besonders gefährdet, dass eine Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Entsprechend wichtig ist es laut Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner, dass die Alters- und Pflegeheime im Kanton Massnahmen treffen. Grundsätzlich schreibt der Kanton den Zentren nicht vor, wie sie mit dem Corona-Virus umzugehen haben. «Wir wollen keine Hektik auslösen, sondern Sicherheit geben», erklärt Schaffner. Grundsätzlich seien die Alters- und Pflegeheime gut vorbereitet, da auch die normale Grippe oder Noroviren für betagte Menschen ein höheres Risiko darstellen.

Einige Empfehlungen des Kantons sind aber verbindlich. So müssen die Alters- und Pflegeheime die Rückverfolgbarkeit von Personen, welche sich im Heim aufhalten, sicherstellen. Spezielle Massnahmen gelten für Heime, welche ein öffentliches Restaurant oder ein öffentliches Café führen. Der öffentliche Bereich ist strikt vom internen Bereich des Heims abzutrennen. Laut Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner führt der Kanton auch Kontrollen durch, um die Umsetzung dieser Massnahmen zu prüfen.

Zentren ergreifen unterschiedliche Massnahmen

Die Alters- und Pflegeheime im Kanton gehen unterschiedlich streng mit den Empfehlungen des Kantons um. Im Demenz-Zentrum Forst in Solothurn gelten bis auf weiteres strenge Regeln, um die Bewohnerinnen und Bewohner im Zentrum zu schützen. Seit vergangenem Freitag sind die Häuser des Zentrums für externen Besuch geschlossen. Vom Besuchsverbot ausgenommen sind direkte Angehörige und Ärzte, allerdings müssen diese vor jedem Besuch einen Verbindungsnachweis erbringen. So steht es auf der Webseite des Demenz-Zentrums.

Pakete und Briefe nimmt das Personal am Haupteingang entgegen, und externe Dienstleister wie Physiotherapeuten oder Coiffeure erhalten nur noch in «in dringenden Fällen und nach umfassender Prüfung der Notwendigkeit» Zutritt. Auch für die Mitarbeitenden der Pflegezentren wurden Weisungen erlassen. So sollen sie Reisen in betroffene Gebiete meiden und sich in der Freizeit strikt an die Regeln des Bundesamtes für Gesundheit halten.

Etwas weniger streng geht es in den Alters- und Pflegezentren der GAG Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu zu und her. In den Zentren in Egerkingen, Oensingen und Niederbuchsiten hat die Leitung bisher keine strengen zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen angeordnet. Das sagt Barbara Schenker, die Bereichsleiterin Betreuung und Pflege und Mitglied der Geschäftsleitung. «Wir setzen die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit um und haben die Informationszettel dazu an verschiedenen Orten aufgehängt», sagt Schenker. Etwa beim Eingang und an den Liften. «Das Wichtigste ist, dass die Händehygiene korrekt angewendet wird. Allerdings war Handhygiene bei uns schon immer sehr wichtig.»

Ein Besuchsverbot ist in den Zentren bis jetzt kein Thema, obwohl alle grösseren Anlässe in den Zentren abgesagt wurden. «Ein Besuchsverbot führen wir ein, wenn es das Bundesamt für Gesundheit rät, denn das Pflegepersonal kommt ja auch von aussen und es kann nicht im Betrieb wohnen», sagt Schenker. «Und es macht die Bewohnenden in unseren Zentren nicht glücklich, wenn sie isoliert sind.» Auch Ausflüge dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner nach wie vor unternehmen. «Eine Bewohnerin fragte mich letztens, ob sie in den Gäupark gehen könne. Ich habe ihr aber geraten, sich bei dem Besuch nicht ins Gesicht zu fassen und sich danach gründlich die Hände zu waschen.»