Olten/Solothurn
«Im Jazz muss man sich exponieren»: Oltner Musikerin mit Frauen-Bigband auf Tour

Das International Female Musicians Collective ist ein europäisches Netzwerk von Jazzerinnen. Fabienne Hoerni ist eine der Mitgründerinnen. Sie erzählt, warum es nicht einfach ist, eine Bigband aus 16 Frauen zusammenzustellen.

Christof Ramser
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Zur Verfügung gestellt

Die Oltner Musikerin Fabienne Hoerni hat ein einzigartiges Ensemble zusammengestellt. Im International Female Musicians Collective (IFMC) spielen 16 etablierte Jazzmusikerinnen aus Deutschland, Dänemark, Frankreiche, Norwegen und der Schweiz zusammen auf der Bühne. Vor der Tour und den beiden Konzerten des IFMC in der Region sprachen wir mit Fabienne Hoerni über die aussergewöhnliche Formation.

Wie bringt man 16 Musikerinnen aus verschiedenen Ländern zusammen?

Fabienne Hoerni: Wir mussten früh mit der Planung beginnen und arbeiten seit einem Jahr an dem Projekt. Es war ein grosser Aufwand, bis alle Zusagen beisammen und die finanziellen Fragen geklärt waren. Für die Tour mussten sich alle Musikerinnen einen zweiwöchigen Block freihalten.

Sie spielen in dieser Formation nur mit Frauen. Wie kam es dazu?

Das IFMC basiert auf einem Vorgängerprojekt, in dem ebenfalls nur Frauen musizierten. Allerdings waren da ausschliesslich Schweizerinnen und in der Schweiz wohnhafte Musikerinnen vertreten. Leider gibt es hier immer noch wenige professionelle Musikerinnen, weshalb das Projekt personell und finanziell an Grenzen stiess. Wir fanden es spannend, eine Grossformation mit Frauen aus verschiedenen Ländern zusammenzustellen. Die Sängerin Julie Fahrer, die halbe Dänin ist, stellte den Kontakt zu Instrumentalistinnen in Dänemark her, von dort wurden Kontakte nach Norwegen geknüpft. Auf die französische Tenorsaxofonistin Christine Corvisier zum Beispiel bin ich im Internet aufmerksam geworden.

Tour ONE

Die Tour ONE des IFMC macht nächste Woche in der Region Halt: Am 17. Oktober am Tuesday Jazz im Alten Spital in Solothurn, am 20. Oktober in der Vario Bar in Olten. Informationen auf www.ifmcollective.com.

Warum gibt es vergleichsweise so wenig professionelle Jazzmusikerinnen?

Das hängt sicherlich auch mit gender-spezifischen Strukturen zusammen. Jazz ist ein Musikstil, der sehr solistisch ausgerichtet ist, die Improvisation steht im Vordergrund, man muss sich exponieren. Meiner Erfahrung nach fällt das Musikerinnen oft schwerer. Zudem fehlt es auch an weiblichen Vorbildern. Musikerinnen sind aus meiner Sicht beruflich oft nicht so gut vernetzt, dies möchten wir mit diesem Projekt von und mit Frauen verbessern.

Wie klingt die Musik des IFMC?

Wir spielen ausschliesslich Eigenkompositionen, die von der Saxofonistin Sarah Chaksad für die Tour komponiert wurden. Wir sind keine Bigband im Swing-Stil, sondern verfolgen eher eine europäische Ästhetik. Der Sound klingt nach einem zeitgenössischen Large Ensemble, rhythmisch vertrackt, aber mit poppigen Einflüssen. Die Musik ist auf jeden Fall sehr zugänglich.

Und wie stemmen Sie den Aufwand für das IFMC und die anstehenden zehn Konzerte?

Wir sind sechs Musikerinnen, die uns die Aufgaben wie Budget und Dossiers zusammenstellen, Flüge buchen, Übernachtung, Transport und Verpflegung für die Band organisieren untereinander aufteilen konnten. Wir haben einen Verein gegründet, um rechtlich abgesichert zu sein, wir sind AHV-pflichtig und es stellten sich Betriebshaftpflichtfragen. Für Jazzmusikerinnen ist die wirtschaftliche Lage ohnehin oft prekär, ohne die Unterstützung von Kultur-Ämtern wäre so eine Tour nicht zu bewältigen.

Reicht die kurze Zeit überhaupt für die Proben?

Wir haben fünf gemeinsame Probetage, das wird reichen. Die Noten erhalten die Mitglieder bereits vorher, zudem sind wir alle professionelle Musikerinnen, das ist unser Beruf, unsere Materie. Wir freuen uns nun sehr auf die Musik und die kommenden Konzerte.