Industrieverband
Im internationalen Wettbewerb sind nur Spitzenleistungen gut genug

«Die Solothurner Industrie nimmt Fahrt auf», begrüsste Josef Maushart zum Industrietag 2017. Der Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung Inveso blickt optimistisch in die Zukunft.

Ornella Miller
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Hanspeter Bärtschi

Ein «Paradebeispiel» für Mausharts Optimismus ist die Bellacher Werkzeugschleifmaschinenherstellerin Agathon AG, die der Inveso Gastrecht bot. Die Umfrage unter den Mitgliedern im September habe durchweg eine gute Situation und positive Zukunftserwartung gezeigt, berichtete der Verbandspräsident. Dass die Industrie nach dem Frankenschock wieder in die Gänge komme, sei besonders für den «Industriekanton» Solothurn wichtig.

Dass die Firmen nun auf gutem Weg seien, hätten sie vor allem ihrer Innovationskraft zu verdanken. «Wer heute in der Schweiz industriell tätig ist», so Maushart, «muss im internationalen Wettbewerb eine Spitzenleistung vollbringen. Allen heute erfolgreichen Unternehmen ist gemein, dass sie in den Prozessen und bei der Produktion innovativ und effizient sind.»

China technologischer Trendsetter

Maushart blickte auch auf die Herausforderungen der Zukunft. Die Konkurrenz durch China sei nun anders: «Wo früher Produkte kopiert wurden, werden heute gleich die Firmen gekauft.» China sei zum technologischen Trendsetter geworden und dort fände ein extrem schneller Wandel statt. «Eine starke eigene Präsenz in China wird zur Notwendigkeit.»

 Josef Maushart, Präsident Inveso 

Josef Maushart, Präsident Inveso 

Hanspeter Bärtschi

Die Globalisierung führe zur Entstehung immer grösserer Firmen. Das sei für kleinere Familienunternehmen besonders herausfordernd. Maushart sah jedoch auch Chancen. Die extreme Rationalisierung habe dazu geführt, dass die Lohnkosten nicht mehr der alleine entscheidende Faktor seien.

Gleichzeitig verschlechterten sich die Bedingungen in anderen Ländern. So stiegen die Löhne in Osteuropa im Zuge eines gewaltigen Arbeitskräftesogs aus Deutschland derzeit um jährlich 10 bis 15 Prozent. «In Deutschland ist das Potenzialwachstum erreicht, weil schlicht nicht genug Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.» Vieles spreche dafür, wieder in der Schweiz zu investieren. So auch die Steuersituation.

Im Windschatten der internationalen Steuerkonformität würden viele Kantone die Steuersätze für Unternehmen senken. Maushart sah, dass der geografische Umbau des Werkplatzes der nächste Schritt sein werde. «Ertragsstarke Firmen mit hohem Steueraufkommen könnten Hochsteuerkantone verlassen, während ertragsarme Firmen ohne Steuerbetrag bleiben.» Er nannte auch die Schmerzgrenze: «Ein Hochsteuerkanton dürfte alles über 13 Prozent sein.»

Agathon: Frankenschock als Chance

Die Gastgeberfirma Agathon AG hat vor kurzem die Nachfolgeregelung als inhabergeführtes Unternehmen geschafft. Ende 2014 übergab Walter Pfluger die Firma an den Betriebswirtschafter und früheren Geschäftsführer der Bystronic Laser AG Michael Merkle und an den Physiker Stephan Scholze.

Plädoyer für das Energiegesetz

Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss sprach am Inveso-Industrietag über die Teilrevision des kantonalen Energiegesetzes. Neubauten müssten höhere energetische Anforderungen erfüllen, doch bestehende Bauten würden keiner Pflicht-Änderung unterliegen. Betroffen seien Gebäudesanierungen (bei einer Sanierungsrate von einem Prozent).

Wichtig erscheint Wyss die Sicherstellung einer neutralen Beratung: «Man sollte das Beste erhalten, was auf dem Markt ist, nicht das, was gerade noch an Lager ist.» (omb)

Der 56-jährige Merkle erzählte lebendig, wie er nach dem Frankenschock gemeinsam mit der Belegschaft anpackte, um den erwarteten Umsatzrückgang wettzumachen. Deutlich wurde dabei, dass alle Mitarbeiter einbezogen wurden.

Sparmassnahmen in der gesamten Organisation wurden notwendig, die Produktionsprozesse optimiert, es wurde auf das Wesentliche fokussiert. Gleichzeitig wurde jedoch auch investiert, nämlich in die Bereiche Entwicklung, Markt und Vertrieb. «Die Mitarbeiter haben wahrgenommen, dass wir hier ein Problem haben, und haben gespart.» Das führte zu Resultaten. Es gab keine Entlassungen, nur natürliche Fluktuationen. Am Firmensitz in Bellach sind heute 200 Mitarbeitende und 15 Lernende tätig.

Die Firma Agathon AG hat inzwischen neue Marktsegmente erschlossen – vor allem in den USA, in China und Indien. Und, so Merkle: «Wir haben den Standort gesichert. Wir gingen nicht nach Ungarn.»

Als einen sehr wichtigen Erfolgsfaktor nannte er die Nähe zwischen Produktion und Forschung sowie Entwicklung. «Da liegen nur 50 Meter dazwischen, nicht 500 oder 5000 Kilometer.» Im Konkurrenzkampf sei etwas zentral: «Es geht um Schnelligkeit, nicht um den Preis.» Damit habe man die Nase vorn.