Auf die Arbeitslosenquote hat der starke Franken bisher keinen wesentlichen Einfluss. Gemäss der am Dienstag veröffentlichten Zahlen stagniert die Quote im Kanton Solothurn bei 2,5 Prozent – obwohl 27 Personen mehr arbeitslos geworden sind.

Das könnte sich bald ändern: Für die zweite Jahreshälfte geht das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) davon aus, dass es mehr Arbeitslose geben wird. «Die Überbewertung des Schweizer Frankens trifft die Solothurner Wirtschaft nach wie vor hart», sagt Marc Huggenberger, stellvertretender AWA-Leiter auf Anfrage. Es werde wohl vermehrt zu Arbeitsplatzreduktionen oder Verlagerungen von Produktionsstätten ins Ausland kommen. Bis anhin seien solche Massnahmen im Kanton Solothurn noch ausgeblieben.

Export bereits eingebrochen

Wieso aber im Herbst? «Die Auftragsbücher der Unternehmen sind derzeit noch gefüllt», sagt Huggenberger. Doch bald seien diese abgearbeitet. «Und wegen des starken Frankens ist es schwierig, an neue Aufträge im Euroraum heranzukommen.»

Laut Huggenberger leidet vor allem die Exportindustrie; allen voran die Bereiche Maschinen, Apparate und Elektronik. Eine konjunkturelle Abschwächung sei nun zu spüren, sagt er. Bis Ende Jahr könnte die durchschnittliche Arbeitslosenquote an die 3-Prozent-Marke herankommen.

Bei der Solothurner Handelskammer teilt man diese Einschätzung. Starker Franken und politische Unsicherheit schlagen aufs Geschäft. Der Export sei dieses Jahr bereits um gut fünf Prozent zurückgegangen, sagt Christian Hunziker, Projektleiter bei der Handelskammer. Die Frage sei, wie lange die Firmen noch mit zu tiefen Margen weitermachen könnten.

Laut Hunziker ist der exportorientierte Kanton Solothurn überdurchschnittlich betroffen. Dies werde sich in einer höheren Arbeitslosenquote niederschlagen. Allerdings rechnet er nicht mit Schliessungen. Gefährdet seien eher einzelne Stellen.

Erwin Fischer, Präsident des Industrie und Handelsverband Grenchen und Umgebung, sagt: «Es nicht rosig aus.» Insbesondere nicht für die Maschinenindustrie und Unternehmen, die in die Euro-Zone liefern. Viele Betriebe hätten bereits Massnahmen ergriffen: Auslagerungen, Einkäufe im Ausland – oder sie versuchen, ihr Export-Geschäft in Ländern ohne Euro aufzubauen.