Solothurn

Im Haus der Kunst wird traditionelle japanische Kunst gezeigt – modern

Das Haus der Kunst St. Josef in Solothurn präsentiert die japanischen Künstler Atsuo Hukuda und Shuhei Fukuda.

Zum zweiten Mal nach 2017 geben sie Einblick in ihr Schaffen, die beiden japanischen Künstler Atsuo Hukuda und Shuhei Fukuda. Ihre künstlerische Haltung ist geprägt von der Tradition und der Kultur der Generationen prägenden und vertiefenden Kunstschule «Ryuhu».

Dazu gehört auch jener bildnerische Stil, dessen Hauptmerkmal die Arbeit mit Gold- und Silberblättern für eine flache Hintergrundierung ist, die mit Tusche kalligrafisch ausgearbeitet wird. Und Atsuo Hukuda und Shuhei Fukuda zeigen nun, wie diese alte Bildtradition einen respektvollen modernen Charakter erhält.

Der Sohn setzt die Tradition in Umkehr fort

Der Hauptraum des Hauses der Kunst in der ehemaligen Kirche St. Josef wird vom 23-jährigen Shuhei Fukuda, Sohn des Atsuo Hukuda, sparsam, aber wirkungsvoll bespielt. Er erweitert das tradierte Bildverständnis konsequent fort und erweitert dieses gleichzeitig radikal ins Konzeptuelle weiter. So wirken seine grossformatigen Arbeiten mit ihrer vordergründig silbernen Monochromie, den leicht durchschimmernden schwarzen Spuren auf den ersten Blick durch eine sublimierte Zurückhaltung.

Es ist der zweite Blick, die Auseinandersetzung mit den künstlerischen Absichten, der die Raffinesse dieser Bildabsichten eröffnet: Shuhei Fukuda dreht den traditionellen Bildprozess um, grundiert nun das alte Japanpapier mit schwarzer Kalligrafietusche und schichtet da–auf die Silberfolie, der ursprüngliche Bildträger wird so zum malerischen Bildmoment. Eine kontemplative Wirkung entsteht so, die durch eine allmähliche Oxidierung des Silbers in feine Nuancen gesteigert wird. In seinen kleinen Arbeiten – hier bilden verschiedenfarbige Tuschen den Bildgrund – erzeugt der junge Kunstschaffende mit Sulfitpulver und entsprechenden reaktiven und klimatischen Wirkungen subtil wandelbare Impressionen in den monochromen Silberfolienoberflächen.

Auch der 1958 geborene und in der Nähe Tokios lebende Atsuo Hukuda, ursprünglich ausgebildeter Bildhauer, hat sich intensiv mit diesen traditionellen japanischen Materialien beschäftigt und bewegt sich – wie sein Sohn – im Kontext uralter Bildkultur und konzeptueller Moderne. Im Chorraum entwickelt der japanische Künstler mit seinen in sich konzen­trierten, dennoch aufwendigen Arbeiten einen Ort spiritueller Momente. So arbeitet Atsuo Hukuda ganz traditionell mit reinen Naturpigmenten, die er in Lack gebunden mit dem Pinsel auf altem Japanpapier zu farbdichten, matt glänzenden Monochromien aufträgt und mit 16 Farben und 45 Blättern zu einem Mosaik meditativen Charakters vereint. Wobei jedes einzelne Blatt für sich und für eine in sich gekehrte Resonanz, einen individuellen Wert, steht. Mit Korallenpulver nuanciert er eine homogene Farbwirkung zu einem fragilen Rhythmus, der in der wandfüllenden Gesamtheit ein subtiles Empfinden entfaltet.

Oder er schichtet auf altem Japanpapier feines Silber in Pulver oder als Folien, die durch das aufgetragene Jod einen glänzenden Goldton annehmen, der im Lauf der Zeit und unter den Einflüssen des Lichts die Nuancen und damit die Erscheinung ändert. Alles wird rätselhaft betont durch die Materialität des Silberauftrags oder durch die pflanzlich-organischen Spuren, die auf dem handgeschöpften Papier zu erkennen sind.

Bis 5. April. Geöffnet Do–Fr, 17–20 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr.

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