Fotografie
Im Fotoklub Nude Art haben «Grüsel» keinen Platz

Kompromittierende Nackt-Selfies sorgen derzeit ziemlich für Furore. Doch es gibt noch eine andere Art von Nacktfotos. Nämlich die seriöse, künstlerisch gestaltete Aktfotografie. Urs Lüthi aus Balm ist Vereinsmitglied von Nude Art. Er gibt Auskunft über sein Hobby.

Fränzi Rütti-Saner
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Aktfotografie von Urs Lüthi aus der Serie POesie. Seine und Aktaufnahmen seiner Kollegen des Vereins Nude Art sind derzeit in Münsingen zu sehen.

Aktfotografie von Urs Lüthi aus der Serie POesie. Seine und Aktaufnahmen seiner Kollegen des Vereins Nude Art sind derzeit in Münsingen zu sehen.

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Nude Art ist ein Verein, der sich zum Ziel setzt, die Aktfotografie zu fördern. Warum ist ein solcher Verein nötig?

Urs Lüthi: Unser Verein wurde vor zehn Jahren gegründet. Einerseits sollen sich die Fotografen, die mit dabei sind, gegenseitig unterstützen, Networking betreiben und sich kennenlernen. Andererseits sind auch Models bei uns dabei, die nur mit seriösen Aktfotografen zusammenerarbeiten wollen. Darüber hinaus ist es unser Vereinsanliegen, die Aktfotografie aus der Schmuddelecke hinauszutragen und sie als anerkannte künstlerische Disziplin zu etablieren.

Müssen also besondere Anforderungen erfüllt werden, um bei Nude Art mitmachen zu können?

Ja. Wer bei uns Mitglied werden will, darf nichts Pornografisches in seinem Portefeuille aufweisen. Wir führen ein strenges Aufnahmeverfahren durch. Wer das Aufnahmegesuch einreicht, verpflichtet sich, unsere Satzungen einzuhalten. Übrigens gilt das auch für die Models.

Das tönt ja sehr streng. Und das in der Zeit der Nackt-Selfies?

Allerdings. Doch wir sind keine moralische Instanz. Aktfotografie an sich ist eine Gratwanderung. Wir achten mit unseren Aufnahmen darauf, nicht einfach voyeuristische Bedürfnisse zu befriedigen. Obwohl uns das wohl am meisten Zuspruch brächte.

Wie haben Sie persönlich zur Aktfotografie gefunden?

Ich hatte mich damals eigentlich für einen Porträtfotografiekurs angemeldet. Doch der fand dann nicht statt. Anstelle davon war noch ein Platz beim Aktfotokurs frei. So zufällig kam ich dazu.

Und was ist das Faszinierende daran?

Menschen – Frauen und Männer – sind immer wieder anders. Ein «Gebiet» das an sich bekannt ist, das aber immer wieder neu gesehen werden kann.

Wie kommt man als Fotograf denn eigentlich zu den Models?

Bei uns melden sich viele Models auf unserem Internetportal. Es gibt aber auch Kollegen, die Frauen auf der Strasse ansprechen. Das habe ich selbst aber noch nie gemacht.

Ich stelle mir eine Sitzung mit einem Akt-Model ziemlich anstrengend vor.

Ein gutes Bild ist immer ein Gemeinschaftswerk von Model und Fotograf. Der Fotograf soll sich im Vorfeld überlegen, was er fotografieren will. Und das Model muss verstehen, was der Fotograf will. Dann ist es halt immer auch die spannende Auseinandersetzung zwischen Fotograf und Model. Die erotischste Situation entsteht aber eigentlich erst im Labor. Dann nämlich, wenn das Bild sich entwickelt. Ich bin eben der Letzte in unserem Verein, der noch analog fotografiert. Daher kenne ich diesen Moment noch.

Was sagen Sie Leuten, die sagen, Aktfotografen seien doch einfach nur versteckte «Glüschteler»?

Wie ich schon sagte: Bei uns kommen keine Grüsel in den Verein. Und ich denke, um ein guter Aktfotograf zu sein, muss man auch ein gewisses Alter aufweisen und über Erfahrung verfügen. Klar kämpfen wir immer wieder gegen solche Vorurteile an. Dann möchte ich aber auch noch sagen, dass der Akt als Kunstsujet so alt ist, wie die Menschheit. Schon in der Urzeit, in der Antike oder in der Renaissance wurde der Mensch nackt dargestellt. Auch die ersten Fotografien im 19. Jahrhundert waren Aktaufnahmen.

Wann ist Ihnen persönlich ein Bild gelungen?

Wenn es harmonisch ist. Wenn es mich ästhetisch anspricht und ich es gerne in meiner Wohnung hängen würde.

Und wer ist Ihr fotografisches Vorbild?

Der amerikanische Landschaftsfotograf Ansel Adams. Körper haben ja auch ziemlich viel mit Landschaften zu tun.

Ausstellung der Nude Art: Akt-Symphonie im Schloss Münsingen bis 31.8. www.nudeart.ch