Auf einen Kaffee mit...

Im Bipperlisi hat es gefunkt – 70 Jahre später haben sie 30. Urgrosskinder

Hans und Rita Stampfli, die 30-fachen Urgrosseltern, vor ihrem Eigenheim in «Hopperste» (Hubersdorf). Hier haben sie ihre neun Kinder grossgezogen.

Hans und Rita Stampfli, die 30-fachen Urgrosseltern, vor ihrem Eigenheim in «Hopperste» (Hubersdorf). Hier haben sie ihre neun Kinder grossgezogen.

Auf einen Kaffee mit … Rita und Hans Stampfli. Seit 70 Jahren sind die beiden verheiratet. Kürzlich sind die Hubersdörfer zum 30. Mal Urgrosseltern geworden. «Familie bedeutet uns viel», sagen sie.

Sie sind ganz unkompliziert. «Ich bin der Hans», sagt der 92-jährige Hans Stampfli. «Und ich bin Rita», schiebt seine Gattin sogleich nach. Wir sind zu Besuch an der Hauptstrasse in Hubersdorf. Hier, in ihrem Haus, leben seit über 60 Jahren Hans und Rita Stampfli. Die beiden haben heuer einiges zu feiern: Rita wurde im März 90, am 1. Mai feierte das Ehepaar seinen 70. Hochzeitstag und bald, am 3. Dezember, wird Hans 92. Vor allem aber ist in diesen Tagen ein Ereignis angestanden, das wohl kaum eine andere Familie feiern kann: Mitte Oktober ist Eliane zur Welt gekommen, das 30. Urgrosskind. Ja, 30-fache Urgrosseltern sind die beiden «Hopperster» inzwischen.

Wie das kommt? Hans und Rita hatten schon früh ihr erstes Kind, neun wurden es insgesamt, und das gab später 15 Enkel. Und die haben nun eben auch schon 30 eigene Kinder. «Fruchtbar oder furchtbar» sei die Familie eben, erklärt Hans mit einem Lachen. Man könne da fast den Überblick verlieren bei so vielen Familienmitgliedern, scherzt Rita Stampfli.

Ein Jahr lang hat er sie gesucht

Hans und Rita Stampfli sitzen auf einem roten Sofa in ihrem Wohnzimmer, über ihnen hängt, gerahmt, das Hochzeitsbild aus dem Jahr 1948. Wie bleibt man so lange zusammen? «Nur die Liebe», sagt Hans. Das sei das Einzige, was gezählt habe. «Wir haben uns einfach gern.»

Keine 100 Meter von ihrem heutigen Haus entfernt ist Rita Stampfli aufgewachsen. Kennen gelernt haben sich die beiden an einem Anlass. Viel haben sie beim Tanz nicht miteinander gesprochen. Und als der 18-jährige Schreinerlehrling Hans dann doch etwas länger mit ihr reden wollte, da war sie weg. Mehr als ein Jahr lang haben sie sich nicht mehr gesehen, obwohl er oft «z Tanz» ging in der Hoffnung, sie zu finden.

Es half dann der Zufall. Im «Bipperlisi», dem Zügli zwischen Solothurn und Niederbipp, trafen sie sich wieder und liessen sich nicht mehr aus den Augen. «Da fiel das ‹Zwänzgi›», sagt Hans. «Wir haben praktisch nicht mehr voneinander gelassen.» Er sei beim Haus ihres Vaters «fänsterle» gegangen, sagt Hans. «Er kam mich suchen», erzählt Rita, noch immer mit Freude in den Augen. Sie fasst ihn am Arm und fragt mit schelmischem Blick: «Haben wir uns noch gern?» – «Sicher», antwortet er. Jeden Abend gehen sie zusammen zu Bett. «Aber wir passen nicht mehr in eines.»

Mit Pickel und Schaufel gearbeitet

Im Mai 1948 haben sie geheiratet, er war 22, sie 20. Im September schon kam der erste Sohn, der heute auch schon 70 ist. Es folgten fünf weitere Knaben und drei Mädchen. Natürlich sei es mit neun Kindern nicht ganz einfach gewesen, sagt Hans. Pfundweise Brot kauften sie ein. In 5- und 3-Liter-Chessi holten die Kinder die Milch in der Chäsi. «Wir mussten manchmal das Geld zusammenkratzen», sagt er.

Die Grube für ihr Haus haben Hans und Rita Stampfli selbst ausgehoben, von Hand, mit Schaufel und mit Pickel auf einem Stück Land. Ihr Vater hat ihnen das Stück Land gegeben. Von Hand. Der Schreiner hat selbst viel gemacht. Er arbeitete mehrere Jahre im Attisholz, später arbeitete er als Möbelverkäufer bei Manor, Coop und der Migros, wo er den Aufstieg zum Abteilungsleiter schaffte.

«Familie bedeutet uns viel. Der Zusammenhalt ist gross», sagt Hans. Fast «all bott» sei ein Fest, ergänzt Rita. Zu Taufen, Kommunionsfeiern und zu Geburtstagen werden sie, die Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern, eingeladen.

Und Weihnachten? Rita Stampfli lacht. Alle an einem Ort zu versammeln, das sei eigentlich gar nicht möglich, nicht nur wegen des Termins. «Wir müssten ja einen grossen Saal mieten.» Von ihrem Sofa aus blicken sie auf ein Foto über dem Fernseher, auf dem ganz viele Leute drauf sind: An ihrem 60. Geburtstag gelang es, alle Familienmitglieder zusammenzubringen. «Der schlimmste Tag in den 70 Jahren war, als unsere älteste Tochter gestorben ist», erzählt der Familienmensch Hans Stampfli wehmütig.

Das Alter hat die beiden nicht ganz in Ruhe gelassen. Ihre beiden Töchter helfen ihnen im Alltag. «Das müssen wir unbedingt erwähnten», sagt Hans. «Wir sind ihnen sehr dankbar dafür.» Hans und Rita Stampfli lächeln. Bald haben sie wieder etwas zu feiern. Auf dem Couchtisch liegt das Foto, das die beiden stolzen Urgrosseltern mit dem jüngsten Familiennachwuchs zeigt. Urgrosskind Nummer 31 hat sich schon angekündigt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1