Vor einigen Wochen wurde sie noch als Kandidatin für den Münchner Modepreis gehandelt, nun ist sie zu Besuch in ihrer Heimatstadt Solothurn und berichtet von ihren Erlebnissen. Flurina Vögeli (25), Absolventin der Deutschen Meisterschule für Mode/Design. Sie wurde zusammen mit weiteren sechs Kandidatinnen und Kandidaten für den Modepreis vorgeschlagen, erzählt die junge Frau.

Leider hat sie nicht den Hauptpreis bekommen, doch Flurina Vögeli ist trotzdem zufrieden. «Dieser Preis wurde am 9. März erst zum zweiten Mal ausgerichtet, entsprechend unbekannt ist er noch», erzählt sie. «Ich konnte fünf Teile meiner Abschlusskollektion präsentieren.» Den ersten Preis konnten der einzige männliche Kandidat und ihr Schulkollege Felix Richter entgegennehmen.

Grundlagen in Olten geholt

Seit Sommer letzten Jahres hat Flurina Vögeli ihre Modedesigner-Ausbildung in München beendet. «Ich wollte einen Beruf ergreifen, der mir auch nach 50 Jahren noch Spass macht», begründet sie ihre Wahl für diese Branche. Zunächst habe sie in der Schule für Mode und Gestalten Olten ihre Grundausbildung zur Bekleidungsgestalterin absolviert. «Das war keine einfache Zeit», erinnert sie sich. Doch wusste sie, dass die Mode ihre Profession ist. «Rückblickend sehe ich heute, wie solide diese Grundausbildung war. Sie hilft mir heute noch – bei meiner täglichen Arbeit.»

Nach der Ausbildung in Olten folgte die Meisterschule in München. Heute ist sie ausgebildete Modegestalterin, Modellmacherin mit Schwerpunkt Entwurf und Schneidermeisterin mit Schwerpunkt Dame. Derzeit arbeitet sie bei einer Münchner Jung-Designerin mit eigenem Label als Schnittmacherin. «Es ist nicht einfach, in diesem Metier eine Anstellung zu finden», weiss Flurina. Sie habe Glück gehabt, dass sie mindestens bis zum Sommer dieses Jahres einen Arbeitsplatz gefunden hat.

Dennoch sei die Tätigkeit als Schnittmacherin sicher nicht ihr Wunschjob nach all den Ausbildungen, sagt sie. «Doch man muss geduldig sein, das habe ich inzwischen gelernt. Und trotzdem immer bereit für Neues sein, denn es können sich immer mal wieder Türen öffnen.» Sich in der Szene bekannt zu machen, Kontakte zu knüpfen ist also wichtig. Und so erzählt sie: «Vor kurzem habe ich in München die Tochter von Sonja de Lennart, der Erfinderin der Capri-Hose, kennen gelernt».

Ihr Traumziel ist aber, sich mit dem eigenen Modelabel selbstständig zu machen, obwohl sie weiss: «Modedesign wollen derzeit viele machen. Es ist ein regelrechter Hype darum».

Tragbar oder nichttragbar?

Ihre eigene Mode bezeichnet sie als sportlich, zeitlos mit einer gewissen künstlerischen Aussage. «In meiner Abschlusskollektion wollte ich beispielsweise unsere europäische Kultur mit der afrikanischen verbinden.» Diese Kollektion nannte sie «social branding». Sie vergleicht darin die hierarchischen Strukturen Afrikas und deren visuelles Erscheinungsbild mit der westlichen Welt von heute. Flurina Vögeli ist überzeugt, dass es in der Mode nicht nur um Models oder um ein bestimmtes Design gehen soll. «Mode ist mehr. Mode ist ein Kommunikationsmittel.»

Immer stehe sie bei ihren Entwürfen vor der Entscheidung «tragbar oder «nichttragbar». Ihre Vorbilder sind die eigentlichen Mode-Künstler Iris van Harpen oder Yohji Yamamoto, der von sich jedoch sagt, dass er Schneider sei und nicht Künstler.
Solothurn ist Heimat

Flurina Vögeli lebt in München und es gefällt ihr dort gut. «Durch Kollegen habe ich auch eine Wohnung gefunden, was in der bayrischen Hauptstadt gar nicht einfach ist.» Doch Solothurn ist und bleibt ihre Heimat. «Ich bin hier zur Schule gegangen und mit einem Bruder und einer Schwester aufgewachsen. Glücklicherweise kann ich sagen, dass uns unsere Eltern in unseren Berufsentscheidungen stets unterstützt haben.»

Flurinas Schwester ist die erfolgreiche Illustratorin und Künstlerin Antonia Vögeli. Auch sie habe der jüngeren Schwester immer wieder Mut gemacht, ihren Traumberuf zielstrebig zu verfolgen.