Rosetta ist wütend. Die 18-Jährige hat ihren Job verloren. Nun ist sie erneut auf das Leben im Wohnwagen mit ihrer alkoholabhängigen Mutter zurückgeworfen. Sie versucht, ihre Mutter von einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik zu überzeugen. Doch diese wehrt sich und läuft davon. Der eindrückliche Kinofilm «Rosetta» zum Thema Alkoholsucht bildete den Auftakt zur diesjährigen Filmreihe über Sucht, Depression und psychische Gesundheit. 

Mit welchen Herausforderungen sehen sich Betroffene und Angehörige von Alkoholsucht konfrontiert? Im anschliessenden Podium berichteten die Tochter einer alkoholkranken Mutter, eine ehemals alkoholkranke Mutter und eine Fachperson der Perspektive Region Solothurn-Grenchen authentisch und offen über ihre Erfahrungen mit der Krankheit. 

Die Angehörige Miriam beschrieb eindrücklich, wie sie oft das Gefühl hatte, im Schlamm zu stecken, alleine zu sein mit der Krankheit ihrer Mutter. Als Kind litt sie sehr unter der Umkehr der Hierarchien: die älteste Tochter, die sich nicht auf ihre Mutter verlassen kann, sondern sich um diese kümmern muss.

Auch heute hängt Miriam noch ihrer verpassten Kindheit nach. Sie versucht deshalb ganz bewusst, in ihrem Leben als Erwachsene Unbeschwertheit zu leben. Carmen war lange Jahre alkoholkrank. Zum ersten Mal trat sie an diesem Podium mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Keine allgemeinen Aussagen seien möglich, formulierte sie nachdrücklich, denn jede alkoholsüchtige Person habe ihre eigene Geschichte. Sie brauchte erst einen Tiefpunkt im Leben, bevor sie aus dem Teufelskreis ausbrechen konnte. Dabei waren die Unterstützung der Familie und der Austausch in Selbsthilfegruppen* für sie zentral.

Franziska, Fachberaterin Sucht, bestätigte, dass es bei alkoholkranken Menschen besonders schwierig sei zu merken, wann die Situation «kippt». Denn Alkohol sei – im Gegensatz zu illegalen Drogen – in der Gesellschaft akzeptiert. Alkoholsucht ist jedoch eine Krankheit und keine Willenssache. Aus diesem Grund braucht es eine gezielte und auch individuelle Unterstützung, so Franziska. Wichtig sei, dass sowohl Betroffene wie auch Angehörige diese Unterstützung* unbürokratisch erhalten. Kein Mensch soll in der Situation ausharren müssen. 

Gefragt nach ihren Wünschen für die Zukunft, hofft Miriam, dass man zukünftig in Gesellschaft Wasser trinken kann, ohne sich erklären zu müssen. Carmen wünscht sich eine weitere Enttabuisierung der Alkoholsucht, ohne jedoch mit dem Finger auf Betroffene zu zeigen. 

Mit der Filmreihe 2018 beleuchten vier Solothurner Organisationen die Themen Sucht, Depression und psychische Gesundheit: Die Veranstaltungen geben den Menschen und ihren Geschichten hinter der Krankheit ein Gesicht. In den trialogischen Gesprächen diskutieren Betroffene, Angehörige und Fachpersonen über die Aussagen des Films und berichten über ihre eigenen Erfahrungen. (mgt)

Organisiert durch: Kontaktstelle Selbsthilfe, den Kanton, die betriebliche Gesundheitsförderung Iradis und die Perspektive.

 

*Unterstützung finden Betroffene und Angehörige bei der Perspektive Region Solothurn-Grenchen oder bei der Kontaktstelle Selbsthilfe Solothurn.