Feldbrunnen

Tochter eines weltberühmten Vaters: «Wollte nicht als ‹Kind von› wahrgenommen werden»

Sylvia Aebi-Duarte organisiert ein Konzert mit der Musik ihres Vaters, der Komponist war.

Sylvia Aebi-Duarte organisiert ein Konzert mit der Musik ihres Vaters, der Komponist war.

Sylvia Aebi, Wirtin in Feldbrunnen, blickt auf die Karriere des Komponisten John W. Duarte zurück.

Kinder berühmter Eltern pendeln beim Aufwachsen zwischen Haushalt und Glanz und Gloria, stehen in frühen Jahren oft mit im Rampenlicht. Als Tochter von John William Duarte – Gitarrist, Komponist, Musikpädagoge und Musikkritiker – blickt Sylvia Aebi auf spannende Erlebnisse zurück. Im Oktober wurde der 100. Geburtstag der 2004 verstorbenen Musikerpersönlichkeit weltweit gefeiert und in London gross zelebriert.

Sylvia Aebi selbst verliess die englische Metropole schon früh. Heute lebt sie in Rüttenen und betreibt mit ihrem Mann seit 2005 das Restaurant Pintli in Feldbrunnen-St. Niklaus. Dort will sie am 16. und 17. November mit einem Konzert das Jubiläum «100 Jahre John W. Duarte» feiern. Ein grosser Schritt für die eher zurückgezogene Frau, die sich bisher nie als Tochter eines populären Musikers outete.

John W. Duarte: English Suite, Op. 31 - 1. Prelude

Einen Grammy gewonnen – und nichts davon erzählt

«Ich wollte nicht als ‹Kind von› wahrgenommen werden, sondern ein eigenständiges Leben aufbauen», meint sie. Zumal sie erst spät erkannt habe, was für ein Lebenswerk ihr Vater geschaffen habe. Erst heute erfasse sie dessen Bedeutung, die Vielseitigkeit und Breite seines Schaffens, was er der Welt gegeben und hinterlassen habe.

Das Denken und Wirken ihres Vaters drehte sich ständig um die Musik. «Auch wenn er anwesend war, war er nicht immer da», lächelt sie nachsichtig. «Neue Kompositionen und Ideen erarbeitete er immer erst auf dem Klavier – hätte meine Mutter ihn nicht ins Bett geschickt, hätte er jede Nacht durchgearbeitet. Besuchte er Kollegen, kam es oft zu spontanen Jazz-Sessionen, wobei Vater nicht nur Gitarre, sondern auch Trompete und Kontrabass spielte.»

Tourneen führten John W. Duarte durch Europa, Amerika und Australien. Die Convention of the Guitar Foundation of America zeichnete ihn 1999 mit einem Preis für sein Lebenswerk aus, welches mehr als 150 Werke für Gitarre oder Laute umfasst. Sein musikalischer Nachlass wird von der California University betreut. Von 1974 bis 1993 wirkte Duarte als Direktor des Cannington International Guitar Summer School and Festival, danach zwei Jahre als Direktor des Bath International Guitar Festival.

Ab 1996 unterrichtete er beim Oatridge International Guitar Summer School and Festival. Ausserdem gab der Engländer Kurse in fast vierzig Ländern ausserhalb Grossbritanniens. Für den Begleittext zur Neuauflage der Aufnahmen Andrés Segovias aus den Jahren 1927 bis 1939 erhielt er einen Grammy Award. Als Sylvia Aebi bei einem Besuch in sein Musikzimmer trat und den Grammy entdeckte, war sie überrascht. Hatte John W. Duarte doch niemandem von der Ehrung erzählt. «Als ich bemerkte, gar nichts vom Grammy gewusst zu haben, brummelte mein Vater nur: ‹Ich habe ihn auch nicht selber abgeholt, sondern jemanden hingeschickt.›» Diese Reaktion sei für den bescheidenen Mann typisch gewesen.

Der Bruder hat in London übernommen

Aebi selber erinnert sich gut an prominente Besucher wie John Williams, Alice Arzt, Sharon Isbin, Wes Montgomery und eben Segovia. «Ein älterer Herr mit einem Silberknauf an seinem Spazierstock. Immer wenn er zu uns kam, musste ich ihm meine Fortschritte auf der Gitarre demonstrieren. Dann korrigierte Segovia mit dem Stock meine Fingerhaltung. Als kleines Mädchen hatte ich richtig Angst vor ihm.» Lieber erzählt sie vom Dirigenten John Williams, der zu den engsten Freunden ihres Vaters zählte und dessen Frau ein Herz für Affen hatte.

In späteren Jahren besuchte John W. Duarte seine Tochter in Solothurn. Nach seinem Tode übernahm Aebis in London lebender Bruder Christopher Duarte das Amt des Familiensprechers. «Chris wird an den Konzerten anwesend sein», freut sich Sylvia Aebi. Werden Gitarrist Daniel Hoffmann und Flötistin Silvia Scartazzini doch Duarte-Evergreens wie «English Suite», «Five Moods» und «Un petit Jazz» spielen und so den weltberühmten Vater ehren.

Meistgesehen

Artboard 1