First Responder

«Ich will Leben retten und erhalten» – das Wohl anderer liegt ihr am Herzen

Täglich hält sie sich für den Einsatz bei einem Herznotfall bereit.

First Responderin Silvia Stöckli

Täglich hält sie sich für den Einsatz bei einem Herznotfall bereit.

Auf einen Kaffee mit ... First Responderin Silvia Stöckli. Bei Herznotfällen hilft die Lüterswilerin wertvolle Zeit zu überbrücken, bis die Ambulanz eintrifft.

Bei einem Herznotfall kommt es auf jede Minute an. Bis der Rettungsdienst eintrifft, kann kostbare Zeit verstreichen. Deshalb setzt die Solothurner Spitäler AG (soH) auf den Ausbau des First-Responder-Netzwerkes im Kanton Solothurn. Das Ziel: Im ganzen Kanton sind freiwillige Helfer innerhalb von fünf Minuten nach Alarmierung beim Patienten und leiten die lebens­rettenden Massnahmen ein. Bei einem Herznotfall kann das entscheidend sein. Das hat First-Responderin Silvia Stöckli am eigenen Leib erfahren. Bisher war sie auf sechs Einsätzen. «Nicht alle hatten ein Herzproblem. Ich war immer sehr erleichtert, wenn die Patienten bei meiner Ankunft ansprechbar waren.» Das war der Patient bei ihrem ersten Einsatz jedoch nicht.

«Als ich mich registrierte, hoffte ich, die Person bei meinem ersten Einsatz nicht zu kennen», erinnert sich Stöckli. Dann kam der Tag, an dem der erste Alarm losging. «Der Notfall war nicht weit weg von mir. Als ich den Standort des Patienten sah, war klar, dass es sich um einen Bekannten handelte.» Sie habe jedoch keine Sekunde gezögert und den Auftrag bestätigt. «Ich war innerhalb von rund fünf Minuten beim Patienten. Vor Ort habe ich nur noch funktioniert.» Gemeinsam mit einem Familienmitglied habe sie den Patienten betreut, bis die Ambulanz kam. Die 55-Jährige aus Lüterswil weiss genau, was es heisst, lange auf die Ambulanz zu warten. «Wir wohnen zentral abgelegen. Bei einem Notfall wartete meine Familie 50 Minuten.»

Eine App benachrichtigt im Notfall

Ursprünglich hat die Gemeindepräsidentin von Lüterswil-Gächliwil eine Lehre im Detailhandel gemacht. Zusätzlich ist die Mutter von vier Kindern aktiv im Samariterverein Solothurn und dem Kantonalverband Instruktorin. Zudem möchte sie Anderen helfen. «Ich will Leben retten und erhalten.»

Im Notfall wird die First-Responderin über die App Momentum alarmiert. Praktisch sei zudem, dass sie in der App ihr gewünschtes Einsatzgebiet einstellen könne. «Ich erhalte einen Alarm auf dem Handy.» Dort sehe sie, wo der Betroffene sich befinde. «So kann ich entscheiden, ob ich eingreifen will.» Dies bestätige sie dann auf der App, welche sie zum Patienten leite.

Bisher werden die First-Responder im Kanton nicht für ihren Einsatz bezahlt. «Wir machen dies unentgeltlich», so Stöckli. Im Rahmen ihrer Tätigkeiten für den Samariterverein gibt sie selbst Kurse zur Ausbildung von First-Respondern. Bereits der Nothelferkurs vermittle einiges. «Man sagt, dass die Menschen in einem Notfall instinktiv das Richtige machen. In zehn Stunden kann jedoch nicht alles verpackt werden.» Deshalb mache sie ihre Kursteilnehmer stets auf weitere Kurse aufmerksam. Wer First-Responder werden will, benötigt unter anderem den BLS-AED Kurs. «Dieser gibt einen Einblick in die Herzfunktion und die verschiedenen Ursachen für einen Herznotfall.» Stöckli findet vor allem die praktische Anwendung anhand Fallbeispielen hilfreich.

Die Herzdruckmassage bei einem Menschen sei jedoch etwas anderes als das Üben an einer Puppe. «Jeder Einsatz ist anders.» Und: «Es ist umso schlimmer, wenn es sich um eine jüngere Person handelt», meint Stöckli nachdenklich. Durch ihre Tätigkeit im Samariterverein hat sie Zugang zu einem Defibrillator. Diesen hat sie bei sich ihm Auto; dies sei aber zweitrangig. «Ich gehe so schnell wie möglich zum Patienten. Denn wichtig ist die Notversorgung des Kreislaufes anhand der Thoraxkompression.» Zudem zeige die App alle Defibrillatoren in der Nähe an.

Manche Erlebnisse sind schwierig zu verarbeiten

Einsätze sind nicht einfach zu verarbeiten. «Nach dem ersten Einsatz habe ich mir Sorgen darum gemacht, nicht alles Nötige getan zu haben.» Es habe ihr sehr geholfen, dass die Angehörigen sie auf dem Laufenden hielten. «Das Schönste war jedoch, als der Betroffene mich anrief, um sich zu bedanken.» Durch diesen Erfolg gehe sie ihre Aufgabe als First-Responder viel positiver an. Ihre grösste Angst bleibt jedoch. «Das Schlimmste wäre, mit Vorwürfen leben zu müssen. Das ich nicht alles getan hätte, um einen Patienten zu retten».

Bei der Verarbeitung nach einem Einsatz seien die First-­Responder jedoch nicht auf sich gestellt. «Wenn es einem schwerfällt, einen Einsatz zu verarbeiten, gibt es eine Anlaufstelle bei sogenannten Regionen Mastern oder bei der Alarmzentrale.». Die Verarbeitung spiele sich meist im Stillen ab. «Wir First-Responder reden nicht viel über das Erlebte. Ausserdem stehen wir unter Schweigepflicht», meint Stöckli. Im Samariterverein engagiert sie sich stark für den Ausbau des First-Responder Netzwerks. «Ich werde solange First- Responderin bleiben, wie es meine Gesundheit zulässt.»


Weitere Informationen: www.first-responder.ch

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