Seit 32 Jahren bietet die NGO Nouvelle Planète Freiwilligeneinsätze für junge Schweizerinnen und Schweizer an. Dieser sogenannte «Voluntourismus» wird immer beliebter, denn die Freiwilligeneinsätze bedeuten nicht nur Hilfe für Mensch und Umwelt in den jeweiligen Entwicklungsländern, sondern auch ein Abenteuer für die Teilnehmer.

Vier dieser Freiwilligen kommen aus dem Kanton Solothurn. Olivier Egli (23) aus Lohn-Ammannsegg und Lena Henz (20) aus Bärschwil flogen gestern Mittwoch nach Madagaskar, um dort beim Bau eines Wasserversorgungssystems im Dorf Manirisoa mitzuhelfen. Sie reisen zusammen mit neun weiteren Teilnehmern. Anuk Schenker (20) und Jacqueline Schreier (21) flogen bereits am 9. Juli mit sechs weiteren Freiwilligen nach Uganda. Dort wirken sie beim Aufbau einer Primarschule im Dorf Buwaali mit.

Die Freiwilligeneinsätze dauern jeweils drei Wochen. In diesen drei Wochen verzichten die Teilnehmer auf fliessendes Wasser und grösstenteils auch auf Strom. Nebst dieser Erfahrung erhalten die Teilnehmer einen Einblick in den Alltag der Einwohner. An Erlebnissen fehlt es garantiert nicht.

Kein Sprung ins kalte Wasser

Anders als andere Anbieter von Freiwilligeneinsätzen, legt Nouvelle Planète Wert auf viel Vorbereitung vor der Abreise. Die Teilnehmer durchlaufen eine sechsmonatige obligatorische Vorbereitungsphase. Diese soll sie für das Kommende sensibilisieren, ausserdem werden in dieser Zeit Spenden für das Hilfsprojekt gesammelt. Die Teilnehmer selber bezahlen für ihre eigenen Einsätze einen Pauschalbetrag. Dieser wird verwendet, um die Kosten für Flug, Unterkunft und Reiseversicherung zu decken. Die Organisation zieht aus diesen Pauschalbeträgen keinen Gewinn.

Gestern reiste Olivier Egli nach Madagaskar. Vor seiner Abreise erzählte der 23-jährige gelernte Konstrukteur, der aktuell berufsbegleitend an der Fachhochschule Maschinenbau-Ingenieur studiert, über seine Motivation. Das Thema Entwicklungshilfe habe ihn stets interessiert. Er könnte sich sogar vorstellen, sein Studium dereinst einmal in diese Richtung zu lenken. Um herauszufinden, ob die Realität der Entwicklungshilfe wirklich etwas für ihn ist, hat er sich zum Freiwilligeneinsatz in Madagaskar entschieden. Doch dies ist nicht der einzige Grund. «Ich würde gerne hinter die Kulissen sehen», erklärt Egli. Er wolle die Situation der Bevölkerung in einem Entwicklungsland am eigenen Leib erleben.

Helfen und selber profitieren

Egli sieht die Reise als eine Möglichkeit eine Erfahrung zu machen, die man so in der Schweiz nicht machen kann, und einen neuen Blickwinkel zu erhalten auf Dinge, die für uns alltäglich sind. «Jetzt sind Dusche, WC und Bett selbstverständlich, aber wenn wir zurückkommen, werden wir das wohl anders sehen. Wir übernachten in einer Schule ohne fliessendes Wasser und ohne Strom», schildert Egli die Verhältnisse. «Die Mahlzeiten werden sich hauptsächlich aus Reis und Kartoffeln zusammensetzen.»

Das primäre Ziel sei es, zusammen mit Gleichaltrigen vor Ort etwas aufzubauen und mit ihnen in Kontakt zu kommen. Egli ist sehr gespannt, wie die Einwohner auf die Gruppe reagieren und was für ein Bild sie von den Schweizern haben.

Er macht die Reise einerseits, um zu helfen, andererseits auch für sich selbst. «Ich denke, man wird durch diesen Einsatz gefestigt und der neue Blickwinkel hilft einem auch nach der Rückkehr in die Schweiz.» Dass er für den Freiwilligeneinsatz einen Betrag bezahlen musste, stört in gar nicht. Er sieht das Geld als Preis für die Erfahrung, die die Reise bringt. Zudem freut er sich, dass er etwas verändern kann: «Die Verantwortlichen von Nouvelle Planète sind topmotiviert und steckten mit ihrer Begeisterung die ganze Gruppe an. Ich freue mich auf das, was in Madagaskar auf mich zukommt.»