«Ich hoffe nicht, dass es auch noch einen sechsten neuen Chef geben wird», sagt Barbara Röthlisberger mit Blick auf die Reihe «ihrer» fünf Regierungsräte. Hans Erzer, Walter Bürgi, Cornelia Füeg, Walter Straumann und Roland Fürst: Bei einem Kaffee lässt die bald 57-Jährige die Solothurner Baudirektoren der letzten 40 Jahre Revue passieren.

Seit August 1979 arbeitet Röthlisberger im kantonalen Baudepartement. Als die junge Sekretärin dort im Rechtsdienst ihre Arbeit aufnahm, war Hans Erzer Bau- und Landwirtschaftsdirektor. Auf ihn folgte bis 1987 Walter Bürgi und darauf Cornelia Füeg (alle FDP).

Unter der ersten Frau in der Kantonsregierung wurde das Departement zum Bau- und Justizdepartement umgebildet; die Landwirtschaft ans Volkswirtschaftsdepartement abgetreten. Bei diesem Konstrukt blieb es auch unter den nachfolgenden CVP-Regierungsräten Walter Straumann (ab 1997) und Roland Fürst (ab 2013).

«Häb des sorg zur Barbara»

Am Verwaltungssitz «Rötihof» wechselten nicht nur die Chefs, sondern auch die Funktionen von Barbara Röthlisberger: 1987 wurde sie zur Kanzleisekretärin befördert, 1988 zur Adjunktin II, 1990 zur Adjunktin I und seit 1997 zieht sie als Leiterin Administration die Fäden im Departement.

Auf die unterschiedlichen Charaktere und Temperamente der fünf Magistraten habe sie sich problemlos einstellen können, erinnert sich Röthlisberger. Wie hat sie die jeweiligen Chefwechsel erlebt? «Immer gut.

Ich wurde von den Neuen jeweils unterstützt und profitierte von Wertschätzung und Vertrauen.» Man dürfe den Chef nicht mit den falschen Akten zur falschen Zeit an den falschen Ort hinschicken: «Das käme sonst nicht gut.» Klar, dass Röthlisberger dies nie passiert ist – auf so viel geballte Erfahrung und Know-how lässt sich bauen.

Kein Wunder, dass Regierungsrätin Füeg seinerzeit ihrem Nachfolger Walter Straumann ans Herz legte: «Häb de sorg zur Barbara» – und dass dieser sich daran gehalten hat.

«Vermitteln, wo es geht»

Die Leiterin Administration geht jedenfalls immer noch «jeden Tag mit Freude zur Arbeit». Der Job sei spannend und abwechslungsreich. Zu ihren Aufgaben gehört nicht zuletzt die Erledigung des Formellen im Beschwerdewesen.

Dort, wie auch bei den telefonischen Kontakten, also an der «Front», versuche sie jeweils, «zu vermitteln, wo es geht». Letztlich sei man natürlich dem Recht verpflichtet: «Aber es kommt drauf an, wie man das Recht durchsetzt. Alle wollen ernst genommen werden – wir ja auch».

Wenns drauf ankommt, könne sie sich allerdings schon wehren. «Ich bin eine energische Person und nicht so schnell einzuschüchtern», gibt Röthlisberger zu. Angst habe sie jedenfalls «nur vor Hunden und Gewittern».

Damit, dass sie von einzelnen Kollegen den Übernamen «Bürodrache» erhalten hat, kann sie leben. Das habe halt immer noch mit gewissen Klischees zu tun, ist sie überzeugt. «Wenn Männer energisch etwas sagen, dann haben sie eine Linie.

Wenn Frauen das gleiche tun, dann sind sie ein Bürodrache», schmunzelt die erklärte «Nicht-Emanze». Sie stört sich denn auch generell daran, dass «die fachlichen Anforderungen gegenüber Frauen höher» seien als bei männlichen Mitarbeitern und dass es in Sachen Gleichstellung öfter auch bezüglich der Löhne hapere.

Neben Hochs auch Tiefschläge

Eigentlich hätte Röthlisberger seinerzeit nach der Lehre in einer Anwaltskanzlei gerne ein juristisches Studium angetreten. Doch mit 24 Jahren wurde sie Mutter -- «das beste, was mir passieren konnte» – und sie blieb im Baudepartement hängen.

Die Grossmütter und ihre Schwester ermöglichten es der Alleinerziehenden, weiterhin ihren 100-Prozent-Job wahrzunehmen. 1993/94 belegte sie einen berufsbegleitenden Fachkurs in Bau- und Verwaltungsrecht für Angestellte der öffentlichen Hand.

Daneben war sie ab 1989 aber auch politisch aktiv: «Es fing mit Protokollführungen an, dann wurde ich Kassierin der FDP Bettlach und schliesslich war ich während zweier Amtsperioden Ortsparteipräsidentin.»

Dazu kam die Mitarbeit in der Rechnungsprüfungskommission und seit dem Jahr 2000 präsidiert sie eine soziale Baugenossenschaft. «All diese Aktivitäten haben sich gegenseitig befruchtet», zieht Röthlisberger Bilanz.

Gab es Tiefschläge in all den Jahren? «Das gabs. Aber ich habe gelernt, sie zu meistern», lautet die Antwort nach reiflichem Überlegen. Getroffen habe sie, «wenn jemand etwas über meinen Kopf hinweg entschieden hat».

Und Kraft und Nerven koste, «wenn man ausfressen muss, was einem andere eingebrockt haben». Ihre Chefs seien aber immer hinter ihr gestanden, hält Barbara Röthlisberger fest. Jetzt sei es aber Zeit, wieder einstempeln zu gehen.

Denn auch für diese verlängerte Kaffeepause hat die Kanzleichefin selbstverständlich korrekt ausgestempelt.