Obergericht

«Ich ficke deine Familie»: Familienstreit endet blutig – und für 46-Jährigen im Gefängnis

Der Mann hatte das Messer laut Zeugen schon im Restaurant offen in seinen Hosenbund gesteckt. (Symbolbild)

Der Mann hatte das Messer laut Zeugen schon im Restaurant offen in seinen Hosenbund gesteckt. (Symbolbild)

Ein jahrelanger Familienstreit war 2013 in einem Oltner Vorort in eine Messerstecherei ausgeartet. Das Solothurner Obergericht bestätigte das Urteil des Amtsgerichts und verurteilte einen heute 46-jährigen Schweizer mit türkischen Wurzeln wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Ein jahrelanger Familienstreit war 2013 in einem Oltner Vorort in eine Messerstecherei ausgeartet. Das Solothurner Obergericht bestätigte nun das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen und verurteilte einen heute 46-jährigen Schweizer mit türkischen Wurzeln wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Eigentlich hätten der Beschuldigte und das Opfer, die sich am Mittwoch im Solothurner Obergericht gegenüberstanden, sehr viel gemeinsam. Sie sind Cousins und der eine war auch noch mit der Schwester des anderen verheiratet. Zudem tragen sie den exakt identischen Namen, sodass sie in der Anklageschrift durch ihren Jahrgang bezeichnet und auseinandergehalten werden mussten.

Und dann verbindet die beiden Männer mit türkischen Wurzeln noch ein abgrundtiefer, gegenseitiger Hass. So provozierte, beschimpfte und bedrohte das spätere Opfer den späteren Täter immer wieder mit SMS und Sätzen wie «ich ficke deine Mutter und deine Frau». Zweimal hatte der Beschuldigte seinen Cousin und Schwager deswegen schon verprügelt und war dafür rechtskräftig verurteilt worden. Der Provokateur schuldete der Familie des Täters offenbar Geld und er soll seine mittlerweile geschiedene Frau und Cousine schlecht behandelt haben.
Voraus gab es Provokationen

Am 23. August 2013 eskalierte der Familienstreit. Der Beschuldigte sass in einem Gartenrestaurant, als das Opfer auf dem Parkplatz erschien und wieder mit Beschimpfungen wie «ich ficke deine Familie» provozierte. Der Beschuldigte stand wutentbrannt auf und ging hinunter auf den Parkplatz, wo sich eine Schlägerei entwickelte. Bis dahin war der Tatbestand unbestritten.

Der Beschuldigte behauptete vor Obergericht, er habe in Notwehr das Messer gezogen und sich mit «Scheibenwischerbewegungen» verteidigt. Entsprechend forderte seine Verteidigerin einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung.
Staatsanwältin Kerstin von Arx lobte in ihrem Plädoyer das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen, das sehr detailliert und korrekt begründet sei. Das Obergericht war auch dieser Meinung und fand keine Fehler im erstinstanzlichen Schuldspruch.

«Aufgrund der objektiven Tatspuren ist die Aussage, dass der Beschuldigte mit dem Messer Wischbewegungen ausgeführt habe, nicht haltbar», begründete Obergerichtsreferent Hanspeter Marti das Urteil. «Er hat seitlich zugestochen und die Klinge ist sieben Zentimeter in den Brustkorb eingedrungen, bis sie von einem Knochen gebremst wurde. Der zweite Stich in die Lendengegend war ebenfalls kraftvoll, denn die Klinge durchdrang den Ledergurt des Opfers.»

Keine Gnade für Familienvater

Zudem hätten zwei glaubhafte Zeugen übereinstimmend ausgesagt, dass er das grosse Klappmesser bereits im Gartenrestaurant geöffnet und hinten in seinen Hosenbund gesteckt hatte, bevor er sich zu seinem Cousin begab.

So bestätigte das Obergericht die Verurteilung wegen vorsätzlicher versuchter Tötung. «Das Bundesgericht hat in ähnlichen Fällen schon mehrfach entschieden, dass bei einem derart kräftigen Messerstich in den Brustkorb das Risiko einer tödlichen Verletzung gross ist und dass das einem Messerstecher absolut bewusst ist», erläuterte Marti die Qualifikation der Tat.

Die vorangehenden Provokationen des Opfers führten zu einer Strafmilderung. Selbst die erhöhte Strafempfindlichkeit des Familienvaters, der einer festen Arbeit nachgeht, änderte angesichts der schwere der Tat nichts an der Tatsache, dass er nun, fünf Jahre nach der Bluttat, seine Freiheitsstrafe antreten muss.

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