Porträt

«Ich bin nicht Felix Wettstein»: Neue Grünen-Präsidentin will auf ihre eigene Art politisieren

Die 28-jährige Lehrerin Laura Gantenbein bei ihrem ersten offiziellen Interview – in dem sie über ihr erstes «grosses» politisches Amt spricht.

Die 28-jährige Lehrerin Laura Gantenbein bei ihrem ersten offiziellen Interview – in dem sie über ihr erstes «grosses» politisches Amt spricht.

Von der Pfadfinderin zur Parteipräsidentin: Laura Gantenbein wird die neue Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn. Sie ist halb so alt wie ihr Vorgänger und politisch um einiges unerfahrener – genau das will sie aber auch zu ihrem Vorteil nutzen.

Grosse Fussstapfen. In diese tritt Laura Gantenbein. Sie übernimmt das Parteipräsidium der Grünen Kanton Solothurn. Ihr Vorgänger: Felix Wettstein, Solothurner Kantonsrat, 60 Jahre alt. Gantenbein ist fast halb so alt. Die 28-Jährige ist Lehrerin, und erst seit rund einem Jahr politisch aktiv als Solothurner Gemeinderätin und Vizepräsidentin der Partei. Vorher war sie bei den Jungen Grünen, aber in keinem Amt.

Zum Interview kommt sie mit dem Fahrrad, die Sonnenbrille noch auf dem Kopf, ein T-Shirt aus «nachhaltiger» Produktion. Sie bestreitet nicht, politisch weniger erfahren zu sein als ihr Vorgänger. «Ich bin nicht Felix Wettstein», sagt sie und hebt beide Hände hoch. Dafür wolle sie das Präsidium mit neuen Sichtweisen anpacken – und mit Unterstützung, während sie sich «einarbeitet».

Diese Unterstützung besteht unter anderem aus Barbara Wyss Flück und Daniel Urech, beide Mitglieder der Grünen-Fraktion im Kantonsrat. 2015 kandidierte auch Gantenbein für die Jungen Grünen. Gewählt wurde sie aber nicht. «Dafür kann ich mich voll und ganz auf das Amt konzentrieren», erklärt die 28-Jährige, die 80 Prozent arbeitet und zusätzlich die Solothurner Jugendverbände präsidiert. «Und mit den Vize-Präsidenten das Tagesgeschäft besprechen.»

Vielen erscheine es wohl etwas schnell, dass sie nun das Präsidium übernimmt. Auch ihr seien die grossen Fussstapfen bewusst. Sie wisse dafür von der Pfadi her, wie man einen Verein organisiert, kenne viele Solothurner. Auch wenn das nicht ganz das Gleiche wie eine politische Partei ist.

Frischer, grüner Wind

Für dieses Amt muss Gantenbein noch einiges lernen: Politische Parolen fassen, das Parteiprogramm gegen aussen vertreten und vielleicht auch mal laut werden – das ist neu für die Frau, die sich als «gute Zuhörerin» bezeichnet. Dafür bringe sie frischen Wind in die Partei: «Ich bin jung, ich bin eine Frau», beginnt sie aufzuzählen. Wichtig sei ihr beispielsweise, Junge wieder mehr an die Urne zu bringen. Etwas gegen die «Politikverdrossenheit» zu unternehmen. Sie sei ja ein Beispiel dafür, dass Junge – und auch junge Frauen – in der heutigen Gesellschaft ein Amt übernehmen können.

Als Frau könne sie den Finger auch auf Punkte wie Lohngleichheit legen. Und als Grüne schliesslich den Fokus auf das Thema Umwelt. Wobei grünes Gedankengut heute nichts «Fremdes» mehr sei. Umweltfragen seien auch in anderen Parteien Thema. Braucht es die Grünen dafür noch? Die Lehrerin sieht auf ihre Notizen, schweigt einen Moment. Was für «grüne Schwerpunkte» will sie setzen? Daraufhin sprich die 28-Jährige von zentriertem Abfall, davon den Leuten nahe zu bringen, weniger Abfall zu produzieren und weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Das liege ihr am Herzen.

Als Partei wolle man sich zudem für das Energiegesetz ins Zeug legen, über das am 10. Juni abgestimmt wird. Auch dabei gehe es in erster Linie aber nicht nur darum, sich als Partei zu profilieren, sondern Gesetzesvorlagen für die Umwelt mehrheitsfähig zu machen – wofür die kleine Partei Unterstützung grösserer Fraktionen wie beispielsweise der SP brauche.

Grüne Sitze halten

Wie ihr Vorgänger Wettstein bezeichnet auch Gantenbein die Grünen als «gut aufgestellt». Die Partei ist zwar die kleinste Fraktion im Kantonsrat. Bei den letzten Wahlen konnte sie ihre sieben Sitze aber verteidigen und einen Platz in der Regierung gewinnen. Diese Sitze wolle man nun im Hinblick auf die kantonalen Wahlen 2019 halten, sagt Gantenbein. Und bei den nächsten anstehenden nationalen Wahlen mit einer «linken Frau» ins Rennen steigen. Nicht mit einer Grünen? Träume seien wichtig, so die neue Präsidentin.

Aber man müsse auch realistisch bleiben. Es gehe in erster Linie darum, Wähler zu motivieren, in keinen «politischen Stillstand» zu verfallen. Das will Gantenbein erreichen – auch wenn die grossen Fussstapfen sie zu Beginn unter Druck gesetzt haben. Nun übernehme sie das Amt aber mit folgender Einstellung: «Ich werde nicht wie mein Vorgänger politisieren.» Dafür auf eigene Art.

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