Er ist 24 Jahre alt, gross und blond. Wenn er einfach nur dasteht, wirft er sich automatisch in eine Pose, die einschüchternd wirken soll. Bei den Ausschreitungen von Skinheads auf dem Rütli, die am 1. August 2005 die ganze Schweiz schockiert hatten, sah man ihn beim Hitlergruss auf Pressebildern.

«Ich bin Nationalsozialist, und ich werde es immer bleiben», sagte S. N. vor dem Obergericht mit Stolz und schon fast angeberisch, und die vielen Tätowierungen zeigen Symbole, die genau diese Aussage unterstreichen. Die Probleme begannen in einer Kindheit, wie man sie keinem Kind wünscht: N. wurde von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, von Heim zu Heim weitergeschoben.

Bei Alkohol gewalttätig

Die Anklageschrift, die es neu zu beurteilen gilt, umfasst 44 Delikte. Das Spektrum geht von der Rassendiskriminierung über Gewalt gegen Beamte, Tätlichkeit und Raufhandel bis zu Vergehen gegen das Waffengesetz. Mehrfach wird S.N. Körperverletzung vorgeworfen. Fusstritte gegen den Kopf und gebrochene Nasen durch Kopfstösse, so genannte Schwedenküsse, schienen eine Spezialität zu sein. «Immer, wenn Herr N. trinkt, wird er gewalttätig», sagte Staatsanwalt Martin Schneider.

«Brutales, feiges Vorgehen»

Als schlimmste Straftat beschrieb der Staatsanwalt den Angriff auf ein zufällig ausgewähltes Opfer auf dem Marktplatz in Grenchen vom 24. September 2006. Der Mann war danach mehrere Tage arbeitsunfähig, und nur durch Zufall seien die Verletzungen nicht schlimmer ausgefallen.

Gegenüber Tele M1 gibt der Angeklagte seine schwere Kindheit als Grund an.

Gegenüber Tele M1 gibt der Angeklagte seine schwierige Kindheit als einer der Gründe an.

Dass S.N. selber auch zugeschlagen hatte, konnte ihm zwar nicht nachgewiesen werden. Aber er hat die Tat aus nächster Nähe mit dem Handy gefilmt und die blutrünstige Meute so noch angeheizt. «Das Vorgehen war feige und brutal», fasste Staatsanwalt Schneider zusammen. Er forderte die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils, eine stationäre, psychiatrische Massnahme und die Auflage, dass S.N. mit dem Antabus-Programm fortfährt, das den Alkoholkonsum verhindert.

Seit 18 Monaten nicht mehr straffällig

«Fürs Denken darf man niemanden henken», begann der Rechtsanwalt der Verteidigung das Plädoyer. «Es darf niemand für seine Gesinnung verurteilt werden.» Das erstinstanzliche Urteil sei aber einzig wegen der Gesinnung des Angeklagten übertrieben hart ausgefallen. «Er hat sich trotz seines aggressiven Verhaltens noch kontrolliert. Wenn er wirklich voll zugeschlagen hätte, dann wären die Verletzungen viel schlimmer ausgefallen.»

«Das Ziel ist es, dass sich mein Mandant an die Regeln der Gesellschaft hält und nicht mehr straffällig wird», fuhr der Rechtsanwalt fort. Er habe nun bereits 16 Monate im Gefängnis verbüsst. Seit der Entlassung vor 18 Monaten sei er nicht mehr straffällig geworden und habe sich zwar nicht von der nationalsozialistischen Ideologie, aber von der rechtsradikalen Schlägerszene distanziert. Aufgrund der Delikte wäre eine maximale Freiheitsstrafe von 26 Monaten angebracht, die auf maximal 13 Monate zu halbieren sei, sagt der Rechtsanwalt der Verteidigung.

Das Urteil des Obergerichts ist in den nächsten Tagen zu erwarten.