Die Explosion der Krankenkassenprämien stoppen und die ausufernden Kosten bremsen: Das will die Gesundheitsinitiative der CVP Schweiz. Kopf des Anliegens ist der Solothurner Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. Er sagt im Interview mit einem Augenzwinkern, weshalb er die Idealbesetzung ist – und weshalb es einfacher wäre, Bundesrat statt Initiativchef zu sein.

Stefan Müller-Altermatt, als ob Sie nicht schon genug am Hals hätten: Nun sind Sie auch noch Initiativchef für die CVP-Gesundheitsinitiative. Weshalb?

Stefan Müller-Altermatt: Ich war die Idealbesetzung (lacht). Als einer der wenigen Menschen unter der Bundeshauskuppel bin ich weder mit der Pharma- noch mit der Krankenkassen-Lobby verbandelt – und ich bin als Gesundheitspolitiker nicht schon mit tausend Sparvorschlägen gescheitert. Ernsthaft: Ich bin in Bern, um die echten Probleme dieses Landes anzupacken. Die Gesundheitskosten sind die Sorge Nummer eins der Bevölkerung und unsere Partei geht sie an. Ergo habe ich mich als Mitglied des Parteipräsidiums zur Verfügung gestellt – einfach, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist.

Ihr Einsatz für die Begrenzung des Kostenwachstums in Ehren, aber: Müssten wir Patienten nicht primär selber dafür sorgen, dass das Kostenwachstum gedämpft wird, statt die Leistungen zu deckeln?

Wir werden nicht Leistungen deckeln! Es stimmt zwar: Wir sollten nicht wegen jedem Schnupfen in die Notaufnahme rennen. Das tun aber auch die Wenigsten. Wofür aber gar niemand etwas kann: Wohl fast alle von uns haben Medikamentenschachteln zu Hause, von denen wir jeweils nur ein paar Tabletten brauchen. Dort zum Beispiel liegen die unnötigen Kosten begraben. Insgesamt 6 Milliarden Franken können im Gesundheitswesen eingespart werden ohne Qualitätseinbusse. Das wollen wir erreichen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Initiative mehrheitsfähig ist? Solche Anliegen haben es an der Urne schwer – vor allem wenn es nach Ab- statt Ausbau schmeckt.

Ich bin mir sehr sicher, dass diese Initiative mehrheitsfähig ist. Denn das Volk regt sich genauso auf über die Leute, die ständig zum Arzt rennen, wie über Ärzte, die zu Übermedikamentierung und Übertherapie neigen. Das hat eben nichts mit Abbau zu tun, sondern mit einer zurückhaltenderen Medizin – die uns letztlich sogar gesünder macht.

Hand aufs Herz: Sie machen den Job als Kampagnenchef auch, weil er ein perfektes Wiederwahl-Vehikel für die Nationalratswahlen ist.

Ich bin ein Überzeugungstäter! Würde ich ein Wiederwahl-Vehikel suchen, würde ich mir sicher nicht einen Job suchen, bei dem ich vor allem böse Mails an Kantonalparteien schreiben und Parteimitglieder auf die Strasse zur Unterschriftensammlung «prügeln» muss.

Anders wäre es, wenn Sie sich am 5. Dezember für die Bundesratswahlen zur Verfügung stellen und gewählt würden . . .

Dann hätte ich einen wesentlich einfacheren Job! Jetzt muss ich 100'000 Unterschriften sammeln und eine Mehrheit des Volkes und der Stände überzeugen. Im Bundesrat müsste ich neben mir bloss drei Gspänli überzeugen und hätte schon eine Mehrheit.