Man riecht es schon von weitem. In solch grossen Mengen hat der Geruch schon fast eine penetrante Note. Auf dem Anhänger häuft sich die Fracht. Sie wird in den Hacker geworfen, was den Geruch noch intensiver macht. Der Hanf ist geerntet. Doch nun muss es schnell gehen, denn die Ausdünstungen und Dämpfe produzieren Wärme, welche den Hanf verderben würde. Am Morgen geerntet, wird der gehackte CBD-Hanf am Nachmittag zu Öl verarbeitet – für die Körperpflege.

Schon zum zweiten Mal pflanzt BDP-Kantonsrat und Bauer Markus Dietschi auf seinem Feld in Selzach CBD-Hanf an. Anbau und Verkauf sind seit August 2016 legal. Dieser Hanf enthält weniger als ein Prozent des berauschenden Wirkstoffes THC, jedoch viel Cannabidiol (CBD), welches entspannend und entzündungshemmend wirkt. Für die Ernte gestern Morgen erhielt er Unterstützung von der Firma BioCan AG. Diese ist mit 25 Prozent Marktanteil der grösste Produzent von CBD-Produkten. «Wegen uns gibt es den Wirtschaftszweig», sagt Michel Morgenegg, Outdoor Manager der BioCan AG. Sie stellen die Setzlinge zur Verfügung, ernten, verarbeiten und vertreiben den CBD-Hanf.

Die Produktion muss im nächsten Jahr jedoch zurückgeschraubt werden. «Logistisch gesehen, ist das Geschäft sehr anspruchsvoll, da der Hanf am gleichen Tag verarbeitet werden muss», sagt Morgenegg. Deshalb muss Markus Dietschi für nächstes Jahr vielleicht einen anderen Abnehmer finden. Ungern würde er auf den Anbau verzichten müssen. Deshalb möchte er für die Pflanze «kämpfen», wie er selber sagt, damit das grosse Potenzial des Hanfes von allen genutzt werden könne.

Mit Legalisierung legitimieren

«Ich bin ein grosser Fan von dieser Pflanze», sagt Dietschi. «Sie ist genügsam, vielseitig einsetzbar und ein Bodenverbesserer.» Deshalb sei Hanf für Bauern sehr attraktiv. Mit seinen tiefen Wurzeln bringt er Sauerstoff in die Erde und befreit sie von Pilzen. Der Anbau ist von Anfang an biologisch. Künstliche Dünger oder Spritzmittel sind nicht nötig. «Ich hoffe, dass die Pflanze in der Landwirtschaft mehr Aufmerksamkeit erhält», sagt Dietschi.

Um dies voranzubringen, lancieren die Jungfreisinnigen Solothurn zusammen mit Markus Dietschi einen Volksauftrag. Anbau, Handel, Besitz und Konsum von Cannabis soll erlaubt werden. Zudem hat Dietschi sein Anliegen mit einem Vorstoss im Kantonsparlament thematisiert. «Mit Ausnahme einer Partei hatten alle Sympathien für die Legalisierung», sagt Dietschi. Vom Kantonsrat angenommen, könnte die daraus resultierende Standesinitiative in Bern ein Zeichen setzen.

Auf die Droge angesprochen erwidert Dietschi: «Gekifft wird so oder so. Ob legal oder nicht. Der Nutzen der Pflanze interessiert mich, nicht das Rauchen.» Ebendieser Nutzen sei den Bauern bewusst. Doch durch das von der Illegalität verursachte schlechte Image der Pflanze würden die Bauern auch keinen legalen Hanf anbauen. «Eine Legalisierung würde den Anbau legitimieren, sodass die Bauern ohne schlechtes Gewissen die Vorteile der Pflanze nutzen könnten», sagt Dietschi. Zudem würde die Industrie ohne eine Legalisierung nicht investieren, da der Markt zu unsicher ist. «Eine Legalisierung ist zeitgemäss», sagt Dietschi.