Kanton Solothurn

Hypotheken stehen ganz oben auf der Wunschliste

Die Nachfrage nach Wohneigentum – ob in Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäusern – bleibt auch in unserer Region ungebrochen hoch.

Die Nachfrage nach Wohneigentum – ob in Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäusern – bleibt auch in unserer Region ungebrochen hoch.

Bei den Banken wächst das Kreditgeschäft unterschiedlich – in den ländlichen Regionen gibt es überdurchschnittliche Zuwachsraten.

Günstiger wurde noch günstiger: Nach der Einführung von Negativzinsen und der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze gegenüber dem Euro Mitte Januar 2015 sackten die Zinsen für Hypotheken auf neue Tiefststände. Auch wenn sich die länger laufenden Festhypotheken inzwischen wieder leicht verteuerten, bleibt der Erwerb von Wohneigentum attraktiv wie nie (siehe Kasten). Aber das Geschäft mit Grundpfandkrediten läuft in unserer Region mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

«Im Oberaargau ist der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ungebrochen», sagt Stefan Wälchli, stellvertretender Leiter der Clientis Bank Oberaargau. So ist 2014 der Hypothekenbestand stark um 5,5 Prozent gestiegen. Und in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres seien die Hypothekenforderungen nochmals um 3,5 Prozent gewachsen; «bis Ende Jahr erwarten wir ein Wachstum von 5 Prozent.» Bislang hätten sich allfällige Unsicherheiten über die Konjunkturentwicklung, sprich Arbeitsplatzabbau, nicht ausgewirkt. Dazu sei das Zinsniveau einfach zu attraktiv. «Wohneigentum ist immer noch günstiger als die Miete.»

Das führe aber auch dazu, dass sich vermehrt Interessenten melden, denen das finanzielle Potenzial für eine Hypothek fehle, beobachtet Wälchli. «Die Begehrlichkeiten sind gestiegen, gleichzeitig werden die Kreditbedingungen ausgeblendet.» Es fehle vielfach am nötigen Eigenkapital oder die finanzielle Tragbarkeit sei nicht gegeben. «Wir lehnen rund jedes fünfte Gesuch ab.»

Weit über dem Schweizer Durchschnitt wächst das Geschäft mit Hypotheken bei der Spar- und Leihkasse Bucheggberg in Lüterswil. 2014 resultierte ein Plus von 7,6 Prozent. «Wir wachsen aber nicht über den Preis, sprich Zins, und bei der Solvenzbeurteilung der potenziellen Kunden gehen wir keine Risiken ein», versichert Bankchef Thomas Vogt. Der Hypothekenmarkt werde auch nicht forciert. «Wir kennen keine Bonuspolitik. Das heisst, unsere Kundenberater müssen nicht auf Teufel komm raus Hypotheken verkaufen, um das Salär aufzubessern», sagt Vogt. Ziel sei es, die Hypotheken mit Kundengeldern zu refinanzieren. Und diese seien der Bank reichlich zugeflossen, sodass auch die Kredite ausgeweitet worden seien. Der Kundendeckungsgrad liege bei hohen 88 Prozent. Auch im laufenden Jahr rechnet die Bank im ländlichen Bucheggberg mit einem ähnlichen Wachstum. Ein Grund dafür sieht Vogt in der breiteren Marktabdeckung. Im Gegensatz zu früher schliesse man auch Geschäfte im Raum Jurasüdfuss oder im Wasseramt ab. Diese vor sieben Jahren eingeschlagene Strategie trage nun Früchte. Zwar sei ein Abflauen der Nachfrage nach Wohneigentum aus konjunkturellen Gründen noch nicht spürbar. Die Bank beobachte aber die Entwicklung genau. «Wir prüfen die Nachhaltigkeit des Einkommens von möglichen Hypothekarschuldnern im Gegensatz zu früher sehr, sehr genau.» Wer in gefährdeten Branchen arbeite, habe es schwieriger, einen Kredit zu erhalten.

Die tiefen Zinsen hätten 2014 sicherlich zum guten Wachstum im Hypothekenmarkt beigetragen, erklärt Tony Broghammer, Chef der Raiffeisenbank Wandflue in Grenchen. Haupttreiber seien die immer noch ansprechende Bautätigkeit im Grossraum Grenchen sowie der gezielte Ausbau des Firmenkundengeschäftes im Hypothekarbereich. Andererseits dämpften die strengeren Regeln für Kreditvergaben durch die Finma und Bundesrat die Nachfrage. Viele Interessierte seien heute viel besser informiert und spürten, dass sie die nötigen Eigenmittel gar nicht aufbringen könnten oder die Tragbarkeit nicht gegeben sei. «Diese verzichten von selbst auf Anfragen.» Ebenfalls die schwierige gesamtwirtschaftliche Situation wirke auf die Nachfrage. «Der Wunsch nach Wohneigentum wird auf später verschoben», beobachtet Broghammer. Trotzdem rechnet er mit einem Hypothekenwachstum bis Ende Jahr um über 5 Prozent. Zahlreiche Projekte hätten sich 2014 aus baujuristischen Gründen verzögert und würden erst im laufenden Jahr realisiert.

Im Gegensatz dazu steht die Regiobank Solothurn im Hypothekengeschäft «bewusst auf die Bremse», wie CEO Markus Boss erklärt. 2014 ist der Hypothekenbestand «nur» um 1,5 Prozent gewachsen. Nach mehreren Jahren mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten resultiere unter dem Strich ein «gesundes Wachstum», welches in einem guten Verhältnis zu den Eigenmitteln und den Kundengeldern stehe. Aggressives Volumenwachstum könne zwar kurzfristig zu einem besseren Ergebnis führen, sei aber längerfristig mit höheren Bonitäts- und Zinsänderungsrisiken verbunden. Die zurückhaltendere Politik verfolge man 2015 weiter, deshalb werde das Hypothekenwachstum erneut moderat ausfallen. Mit ein Grund für das abgeschwächte Wachstum sei, so Boss weiter, zudem ein neues Phänomen. «Die Kredite werden angesichts der praktischen Nullverzinsung von Passivgeldern in deutlich höherem Ausmass amortisiert.» Das führe logischerweise zum Rückgang des Hypothekenbestandes.

Ebenso die Baloise Bank SoBa in Solothurn drückt nicht auf das Gaspedal. 2014 ist deren Hypothekenbestand moderat um 2,1 Prozent gewachsen. Damit liege man in der bankinternen Zielbandbreite und entspreche der nachhaltigen Kreditpolitik, sagt Bank-Chef Jürg Ritz. «Damit schützen wir nicht nur die Bank, sondern bewahren auch die Kreditnehmer von falschen finanziellen Entscheidungen.» Aufgrund der attraktiven Zinssätze bleibe die Nachfrage stabil, aber es müssten nicht vermehrt «schlechte» Gesuche abgelehnt werden. Trotz Einhaltung der Kreditvergaberichtlinien finde man in den meisten Fällen «eine geeignete Lösung».

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