Nachgefragt
Humbug oder Berufung? Eine Tierkommunikatorin erklärt ihren Beruf

«Humbug». «Totaler Betrug». Das liest man im Internet zum Thema «Tierkommunikation». Auf verschiedenen Foren warnen Tierliebhaber vor Betrügern. Gleichzeitig sind im Internet auch viele ausgebildete Tierkommunikatoren aufgelistet, die offenbar von solchen Sitzungen leben können.

Noëlle Karpf
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Die Tierkommunikatorin hat zuerst eine schamanische Ausbildung absolviert, bevor sie verschiedene Tierkommunikations- und Heilkurse besuchte. In Oberdorf bietet sie Reiki-Behandlungen für Menschen an – eine Art Energietherapie. Und Tierkommunikation. Für eine Kommunikation (von 30 bis 45 Minuten) die schriftlichen Antworten und eine persönliche Besprechung zahlt man 100 Franken.

Die Tierkommunikatorin hat zuerst eine schamanische Ausbildung absolviert, bevor sie verschiedene Tierkommunikations- und Heilkurse besuchte. In Oberdorf bietet sie Reiki-Behandlungen für Menschen an – eine Art Energietherapie. Und Tierkommunikation. Für eine Kommunikation (von 30 bis 45 Minuten) die schriftlichen Antworten und eine persönliche Besprechung zahlt man 100 Franken.

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Frau Binz, wie wird man Tierkommunikator?

Trudi Binz: Das «wird» man nicht. Diese Begabung hat jeder in sich drin. Bis zum Schuleintritt kann jeder mit Tieren sprechen. Oft reden einem die Eltern das aber aus. Oder man kommt in den Alltagstrott hinein und kriegt so einen Schleier für das Spirituelle verpasst.

Hatten Sie als Erwachsene nie Zweifel an Tierkommunikation?

Doch, ab und zu. Beispielsweise, wenn mir Besitzer sagten, dass die Antworten des Tieres keinen Sinn machen. Dann sage ich mir aber: «Du hast alles richtig gemacht. Du hast weitergegeben, was das Tier dir gesagt hat.» Meistens bewahrheitet sich das Ganze im Nachhinein.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Einmal hat mir eine Katze mitgeteilt, etwas verändere sich zu Hause. Die Besitzerin war ratlos. Zwei Wochen später rief sie mich dann an. Sie sei schwanger.

Wieso ist dieses Angebot überhaupt so gefragt?

Manchen Besitzern hilft es beispielsweise, den Tod ihres Tieres zu verarbeiten, indem sie zu mir kommen und dem Tier so offene Fragen stellen. Andere haben Probleme mit ihren Tieren. Zum Beispiel, wenn die Katze nicht mehr stubenrein ist. Meistens regen sich Besitzer monatelang darüber auf, obwohl die Katze sie nur auf etwas aufmerksam machen will.

Und Sie können diese Probleme lösen?

Am Ende entscheidet immer der Besitzer, was er aus den Botschaften des Tieres macht. Das Tier kann ihm aber so sagen, was der Grund für die Probleme ist. Diese Botschaften gebe ich den Besitzern weiter.

Da könnte ein Tierkommunikator aber auch Sachen erfinden.

Solche Leute gibt es leider auch. Das ist sehr schade. Die Arbeit sollte von Herzen kommen. Ich persönlich verlange nie die Adresse eines Besitzers, sondern nur Vornamen von Besitzer und Tier. Andere verlangen viel mehr Infos und recherchieren dann einfach im Internet, um etwas sagen zu können.

Dementsprechend halten viele Tierkommunikation für Unfug.

Die Gesellschaft wird aber immer offener. Früher hätte man in den Medien nie etwas von Tierkommunikation gelesen. Als ich anfing, behandelten mich einige, als wäre ich jetzt ein komplett anderer Mensch. Das stimmt aber nicht. Ich stehe zu dem, was ich mache. Und es passt für mich so.