Kantonsratspräsident
Hugo Schumacher hat einen einzigen Auftritt in seiner Agenda — an seinem Geburtstag geht er ins Kloster

Der höchste Solothurner 2021 im Coronamodus: Kantonsratspräsident Hugo Schumacher (SVP) hat genau einen Auftritt in der Agenda.

Urs Moser
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Hugo Schumacher, Kantonsratspräsident 2021 vor dem Sportzentrum Zuchwil, wo die nächste Kantonsratssession stattfindet.

Hugo Schumacher, Kantonsratspräsident 2021 vor dem Sportzentrum Zuchwil, wo die nächste Kantonsratssession stattfindet.

Hanspeter Bärtschi

Es hat dann zwar noch über 40 Jahre gedauert, bis er selber zum «höchsten» Solothurner avancierte, aber mit der hohen Politik kam der Kantonsratspräsident 2021 schon als Zwölfjähriger in Kontakt – mit der ganz hohen. Hugo Schumacher half nämlich als Junge oft im elterlichen Betrieb mit, dem ehemaligen Restaurant Bahnhof in Luterbach, wo Bundesrat Willi Ritschard gern einkehrte. Und als Ritschard in seinem Präsidialjahr 1978 die Kollegen auf dem «Schulreisli» in sein Heimatdorf führte, da machte Klein Hugo die Pommes frites für den Gesamtbundesrat.

Geblieben aus dieser Zeit ist auf jeden Fall die Leidenschaft fürs Kochen. Ob sie auch anderweitig prägend war und vielleicht sogar einen Weg vorspurte, bleibe dahingestellt. Eine schöne Anekdote ist es allemal. Eine, wie man sie von einem geselligen Menschen in geselliger Runde gerne hört. Und zu solchen gäbe es für den Kantonsratspräsidenten normalerweise jede Menge Anlass, wenn man etwas Sitzleder hat und an der einen oder anderen Pflichtveranstaltung nach dem obligaten Grusswort noch etwas länger bleibt.

Hugo Schumacher ist definitiv ein geselliger Mensch und hatte sich eigentlich gerade auf die Begegnungen ausserhalb des Ratssaals im Präsidialjahr besonders gefreut. Jetzt hat er abgesehen vom eigentlichen Ratsbetrieb einen einzigen Auftritt in seiner Agenda stehen. Der ist dafür ausgerechnet an seinem Geburtstag, wenn das Kloster Mariastein im Juni 50 Jahre Rückerlangung der korporativen Selbstständigkeit und Rückgabe der Klostergebäude vom Kanton feiert.

«Ganz anders als gedacht» sei das herausgekommen, sagt Schumacher mit leisem Bedauern, denn die diversen repräsentativen Auftritte hatte er sich eigentlich eher als Hauptinhalt des Präsidiums vorgestellt, als er sich überlegte, ob das Amt für ihn neben dem eigenen Geschäft zeitlich überhaupt drinliegt. Nun wird sich das Präsidium bis auf weiteres ganz auf das «Kerngeschäft», die Leitung des Sitzungsbetriebs, konzen­trieren.

«Ein schönes, ehrenvolles Amt. Eine Herausforderung auch, die ich mir zutraue, ich nehme gerne Verantwortung wahr, eine solche Chance muss man packen», sagt Schumacher, der sich als Einziger in der SVP-Fraktion für den Posten gemeldet hatte. Jedenfalls war er der Einzige, der seine Ambition offen anmeldete, ob andere gerne berufen worden wären, wisse er nicht.

«Unser ganzes Leben wird von der Politik bestimmt»

Ein Klacks ist das Präsidium auch für einen routinierten Parlamentarier gerade in diesen Zeiten sicher nicht. Die Auswärts-Sessionen erfordern einen logistischen Mehraufwand, auch der Ratssekretär ist neu und muss sich erst einarbeiten, ständig neue Notverordnungen der Regierung zur Pandemiebewältigung sind im Eilzugstempo durch die parlamentarische Behandlung zu schleusen. Dass dem Kantonsrat dabei faktisch kaum mehr übrig bleibt, als sie einfach abzunicken, ist sicher nicht ganz befriedigend und birgt Spannungspotenzial.

Ja, die aktuelle Situation sei «schwierig für das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung», sagt Schumacher. Aber es sei jetzt nicht die Zeit, das System umkrempeln zu wollen, «jetzt müssen wir schauen, dass wir durch den Sturm kommen, Lehren daraus kann man nachher ziehen».

Einem wie ihm geht so etwas kaum selbstverständlich von den Lippen, denn warum er überhaupt in die Politik eingestiegen ist, begründet Schumacher so: «Alles ist Politik, unser ganzes Leben wird von der Politik bestimmt, und da bestimme ich lieber selber mit als es einfach hinzunehmen.» Begonnen hat dieses Engagement 1997.

An der Gemeindeversammlung in Luterbach war ein Bürger mit einem Anliegen abgeblitzt, das Schumacher berechtigt fand. Es standen gerade Wahlen an, also stellte er eine eigene Liste mit ihm als einzigem Kandidaten auf – und holte drei Sitze. Er sei ein «giftiger» Gemeinderat gewesen, sagt Schumacher von sich selber. Allzu schlecht kann er seine Sache nicht gemacht haben, sonst hätten ihn die Luterbacher 2005 kaum zu ihrem Gemeindepräsidenten gemacht – auch wenn er sich dann in diesem Amt nicht nur Freunde schuf und es nach einer Legislatur bereits wieder los war: Er trat damals nicht mehr zum zweiten Wahlgang an, nachdem ihn Her­ausforderer Michael Ochsenbein im ersten überflügelt hatte.

Auf Gemeindeebene politisierte der Kantonsratspräsident 2021 für die von ihm ins Leben gerufene Freie Liste, der SVP trat er erst 2013 bei, als er für den Kantonsrat kandidierte. Das hat nicht auf Anhieb geklappt, aber er konnte noch im gleichen Jahr für den abgetretenen Bucheggberger Samuel Marti nach­rücken.

Im Kantonsrat meldet sich Schumacher durchaus mit pointierten Meinungsäusserungen, wird dabei im Ton aber nicht aggressiv, obwohl er sich als ehemaliger Kranzschwinger den harten Hosenlupf durchaus gewohnt ist. Die Jahre als Gemeinderat hätten ihn da gelehrt, sich auch mal zu mässigen, sagt er. Das heisst nun aber nicht, dass Schumacher als Kantonsratspräsident harte Diskussionen unterbinden will. Natürlich sei der Anstand zu wahren, aber ebenso sei die Redefreiheit hoch zu gewichten. Er macht sich da keine grossen Sorgen, in Debatten eingreifen zu müssen: «Die Rösser sind so, dass man die Zügel locker lassen kann.»