Auf dem Grundstück des «Engeliguet» in Stüsslingen herrscht eine ungewohnte Stille. Wo sonst rund 2000 Hühner vor sich hin gackern, ist nun eine hektargrosse, unbewohnte Weide zu sehen. Grund dafür ist die Vogelgrippe, die seit einigen Tagen bei den Schweizer Geflügelhaltern für Unruhe sorgt.

Nach dem Auftreten des Virus am Bodensee wurden auch an anderen Schweizer Seen Vogelgrippefälle gemeldet. In Geflügelbetrieben jedoch wurden noch keine Fälle von angesteckten Tieren gemeldet. Dies soll auch so bleiben.

Deshalb hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erste Massnahmen angeordnet: Seit dem 16. November herrschen in der gesamten Schweiz strenge Regeln für Geflügelhalter, damit Hausgeflügel vor dem hochansteckenden Virus H5N8 geschützt werden kann.

Beispielsweise dürfen die Futter- und Tränkestellen der Hausvögel für Wildvögel nicht zugänglich sein. Verboten sind auch Veranstaltungen, an denen Geflügel aufgeführt wird.

Ebenfalls müssen Schwimmbecken, welche speziell vom Hausgeflügel genutzt werden, so abgeschirmt werden, dass Wildvögel keinen Zugang haben können. Alles in allem heisst dies konkret: Stallarrest für die Hühner.

Schwierig für kleine Betriebe

Jörg Eng, Meisterlandwirt des Engeliguet, hat sofort gehandelt. Seine Hühner befinden sich nun nicht mehr draussen auf der Weide, sondern im betriebseigenen Wintergarten. Als Eng die Tür zum Zwischenraum öffnet, ertönt plötzlich das Gegacker der 2000 Hennen, welches draussen noch gefehlt hat.

In diesem Raum wechselt der Landwirt seine Schuhe und verteilt schützende Plastikschuhüberzüge, denn mit den Stiefeln von draussen darf der Wintergarten nicht betreten werden.

Der Landwirt scheint mit der Situation geübt umzugehen. Er kennt sich mit den Gegebenheiten aus, denn bereits vor zehn Jahren wurden die selben Konsequenzen gezogen: «Bei der letzten Vogelgrippe haben wir gleich gehandelt, und alles ist gut gekommen. Daher denke ich, dass die Massnahmen auch dieses Mal den gewünschten Erfolg bringen», sagt der Landwirt, während er Körner auf den Boden des Wintergartens wirft.

Für ihn seien die Massnahmen keine grosse Sache gewesen, denn er sei auf Fälle wie diese gut vorbereitet. Der Wintergarten, in welchem die Hennen nun bleiben müssen, existiert schon seit Jahren.

Somit handelt es sich bei ihm bloss um eine Verlegung der Tiere, Neubauten fallen keine an. Seiner Meinung nach könnte es jedoch für kleinere Geflügelhalter schwieriger werden.

Viele haben keinen abgetrennten Stallbereich, der für Wildvögel unzugänglich ist. Diese Bauern müssen nun spezielle Vorrichtungen erbauen, um ihre Vögel geschützt halten zu können, was mit viel Aufwand verbunden ist.

365 Tage Auslauf

Für die Hühner des Biohofs Engeliguet bedeuten die Massnahmen jedoch eine grosse Umstellung, denn normalerweise haben die Hühner 365 Tage im Jahr freien Auslauf. «Im Winter ist dieser zwar etwas kleiner als im Sommer, aber einen Teil der Weide haben wir immer offen. Nun müssen sie leider im Wintergarten bleiben, bis die Grippe vorbei ist», erklärt Eng. Trotz der grossen Umstellung scheint es den Tieren gut zu gehen. Denn, wie er anfügt, gefalle es vielen Hühnern im Wintergarten besser als draussen.

Nur einige stehen am Gitter und blicken scheinbar wehmütig auf die sich draussen erstreckende Weide. Die restlichen Hühner haben zwischenzeitlich entdeckt, dass Eng seinen Kessel am Boden abgestellt hat, und setzen sich zufrieden ins Futter. Der Auslauf an der frischen Luft wird ihnen unter diesen Umständen kaum mehr fehlen.