Tourismus
Hotels im Mittelland legen bei Übernachtungen überdurchschnittlich zu

Die Region von Solothurn über Langenthal und Burgdorf bis hin nach Bern gewinnt für Touristen zunehmend an Attraktivität. Vermehrt übernehmen die Städte eine Hub-Funktion für Ausflüge in ausgesprochene Tourismusdestinationen.

Franz Schaible
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Die gut erhaltenen Altstadtkerne – wie exemplarisch in der Stadt Solothurn – machen kleinere Regionalzentren attraktiv für Touristen.

Die gut erhaltenen Altstadtkerne – wie exemplarisch in der Stadt Solothurn – machen kleinere Regionalzentren attraktiv für Touristen.

solothurn-city.ch

Das freut Hoteliers und Tourismusverantwortliche in den Städten der Region: Praktisch alle Destinationen verzeichnen bei den Logiernächten eine überdurchschnittliche Zunahme. Zwar liegen die Zahlen über die Hotellerie für das ganze Tourismusjahr 2013 noch nicht vor. Aber die Zahlen – kumuliert bis Ende November – bestätigen den Befund: 2013 ist ein sehr guter Jahrgang für die regionale Hotelbranche. Auswertungen belegen zudem, dass es sich dabei keineswegs um einen kurzfristigen Trend handelt. Innert zehn Jahren (2002 bis 2012) haben mehrere Städte ihre Übernachtungszahlen um 50 Prozent steigern oder gar verdoppeln können, während landesweit ein Plus von 9 Prozent resultierte.

Einen «Allzeitrekord» kann Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, vermelden. «Anhand der Kurtaxenabrechnungen zählen wir für 2013 über 85 000 Übernachtungen in den Stadtsolothurner Hotels.» Das entspricht in etwa einem Plus von 3,5 Prozent. «Die gesteigerten Vermarktungsanstrengungen, über den Geschäftstourismus hinaus, tragen nun Früchte», freut sich Hofer. Es sei gelungen, das Mittelland entlang dem Jura-Südfuss für potenzielle Touristen «sichtbarer» zu machen.

Egerkingen: Idealer Standort

Auch Egerkingen weist mit einem Plus von fast 10 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum bei den Logiernächten aus. «Diese Entwicklung können wir mit einer ebenso starken Zunahme bestätigen», erklärt Ute Dirks, Geschäftsleiterin des Mövenpick Hotel, mit 137 Zimmern und 220 Betten das grösste Haus am Autobahnkreuz A1/A2. Die Gründe sieht sie ausschliesslich in der wirksamen Vermarktung als Ausgangsstandort für Reisegruppen. «Egerkingen ist für viele Reiseveranstalter ein idealer Standort, um die Gäste in die beliebten Ausflugsziele Luzern, Bern oder Engelburg zu bringen.»

Erstmals knackten die Hotels der Stadt Bern die Marke von 700 000 Übernachtungen. Bern Tourismus registrierte rund 709 000 Übernachtungen. Das zeige, dass der Berner Angebotsmix für den Kongress- und für den Freizeittourismus stimme, erläutert Mediensprecherin Isabel Furrer. Für einen solchen Rekord brauche es einerseits Grossanlässe und die nötige Infrastruktur dazu sowie genügend Bettenkapazitäten. 2013 sei dies mit der Mountainbike-EM, dem Eidgenössischen Schwingfest und der Ausstellung «Qin, der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger» gegeben gewesen.

Design-Rundgang solls bringen

Im Oberaargau können die Hotels der Zentrumsstadt Langenthal voraussichtlich die Marke von 20 000 Logiernächten durchbrechen. Die Stadt mit den vielen international tätigen Firmen profitiere sehr stark vom Geschäftstourismus, beobachtet Uschi Tschannen, Beauftragte bei Tourismus Region Oberaargau. Die Integration der Region in die Dachmarke Bern Tourismus habe in Bezug auf Logiernächte zwar noch wenig Einfluss. «Spürbar ist aber der Anstieg der Tagestouristen. Die Region wird mehr und mehr als Teil des Kantons Bern wahrgenommen.»

Kulturelle Veranstaltungen locken Hotelgäste nach Langenthal.

Kulturelle Veranstaltungen locken Hotelgäste nach Langenthal.

Urs Byland

Impulse erwartet Tschannen von einem neuen Angebot, einem zweitägigen Package unter dem Namen «Design-Rundgang in Langenthal». Das Arrangement, welches Hotelübernachtung und Werkbesuch bei Designerfirmen wie Création Baumann, Ruckstuhl, Girsberger, Glas Trösch oder Hector Egger Holzbau beinhaltet, soll im Juni lanciert werden. Zu «den exzellenten Zahlen» hätte sicherlich auch das Schwingfest im nahen Burgdorf Ende August beigetragen.

Erweitertes Angebot für mehr Nachfrage

In Burgdorf selbst hat auf den ersten Blick das Schwingfest zur Steigerung der Belegung in den örtlichen Hotels beigetragen. «Aber nicht nur», hält Lorenz Klopfstein, Leiter Stadtmarketing in Burgdorf, fest. Im Mai sei mit dem Hotel «Orchidee» ein neues Angebot mit 15 Zimmern eröffnet worden, was massgeblich zur Zunahme mitgeholfen habe.

«Das zeigt, dass ein erweitertes Angebot durchaus eine Nachfrage generieren kann.» Zudem würde auch in Burgdorf Tourismusangebote professioneller vermarktet. So würden beispielsweise zusammen mit Emmental Tourismus die Märkte in Süddeutschland und in Italien bearbeitet. Mit Erfolg, sagt Klopfstein. Er sieht zudem Potenzial in der Eröffnung einer Jugendherberge im Schloss Burgdorf. «Wir hoffen, dass die neue ‹Jugi› noch im laufenden Jahr eröffnet wird.»

Hinter der generellen Aufwärtsbewegung der regionalen Stadthotellerie ortet Solothurns Tourismusdirektor Jürgen Hofer zusätzlich einen überregionalen Trend. «Für Übernachtungen wählen die Gäste vermehrt die Städte und weniger den Alpenraum direkt.» Die Touristen wollten zwar die Bergregionen besuchen, aber gleichzeitig alle Angebote im Bereich Kultur, Sport und Shopping geniessen. «Dazu übernehmen die Städte vermehrt eine Hub-Funktion.» Nach den Grosszentren wie Zürich, Bern oder Luzern «geraten vermehrt auch regionale Zentren in den Fokus der Reiseveranstalter.»