Buchungen

Hoteliers nutzen ihren «Feind» und vermieten Zimmer auf Airbnb

Im Kanton Solothurn kommt auf zehn Hotelbetten ein Airbnb-Bett. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn kommt auf zehn Hotelbetten ein Airbnb-Bett. (Symbolbild)

Die Online-Plattform Airbnb wächst und bedroht das klassische Hotelgeschäft. Die Reaktion einiger Hoteliers: Sie nutzen ihre Konkurrenz für ihre Zwecke. So auch das Hotel Olten.

Der Erfolg von Airbnb hält an. Immer mehr Reisende mieten sich über die Online-Plattform eine private Unterkunft, anstatt in einem Hotelbett zu nächtigen. Ende Oktober bot Airbnb im Kanton Basel-Stadt ein Drittel so viele Betten an wie die Hotels. Im Kanton Solothurn ist die Lage für die Hoteliers noch entspannter, wie dieselbe Studie des Walliser Tourismus-Observatoriums zeigt: Hier kommt auf zehn Hotelbetten ein Airbnb-Bett. Wobei: Die Anzahl angebotener Unterkünfte hat sich im Kanton innerhalb eines Jahres verdoppelt (siehe Box). Schlottern den Solothurner Hoteliers die Knie?

«Nein, überhaupt nicht», sagt Darko Bosnjak, Medienverantwortlicher Hotel Olten. «Wir Hoteliers dürfen uns ein bisschen glücklich schätzen, dass das Wachstum von Airbnb moderat ist.» Bosnjak zieht den Vergleich zu Uber. «Die Taxi-Branche hatte weniger Glück.» Den Hoteliers bleibe genügend Zeit, innovativ zu sein und den Markt mitzugestalten.

Hoteliers nutzen Airbnb selber

Mitgestalten heisst mitmischen – den eigentlichen Konkurrenten Airbnb für die eigenen Zwecke nutzen. So bietet beispielsweise das Guesthouse Villa Linde in Zuchwil ihre 20 Zimmer nebst der eigenen Website und auf der Hotelbuchungsplattform booking.com, auch auf Airbnb an. «Wir wollten testen, ob wir über diesen Kanal zusätzliche Gäste gewinnen können», sagt Geschäftsführer der Villa Linde, Robert Pietsch.

Doch bisher hielten sich die Anzahl Buchungen, die über Airbnb erfolgen «in bescheidenen Rahmen». Das Hotel Olten ist bereits seit 2012 auf Airbnb aktiv, nützt diesen Vetriebskanal «neben vielen weiteren», so Darko Bosnjak. Nebst Hotelzimmer inseriert das Hotel Olten auf Airbnb auch Appartements, möblierte Zimmer und Studios.

«Airbnb deckt ein Kundenbedürfnis, welches es zuvor gar nicht gab», sagt Bosnjak. Airbnb-Gäste würden weniger Service, dafür einen tieferen Preis wünschen. Und: «Sie bleiben länger als klassische Hotelgäste.» Bosnjak stellt fest, dass dank Airbnb das potenzielle Zielpublikum für Hoteliers grösser geworden ist. «Darum gilt es für die ganze Branche, aktiv zu werden und nicht die juristischen Mittel zu nutzen, um einen innovativen Mitbewerber vom Markt zu drängen.»

«Kanal wie jeder andere»

Hoteliers, die auf Airbnb inserieren – der Präsident der Zürcher Hoteliers steht dieser Praktik kritisch gegenüber. Sobald Hotels das Portal ebenfalls nutzen würde, verhelfe dies der Online-Plattform nur, seinen Bekanntheitsgrad weiter zu steigern, sagte Martin von Moos zu Tele Züri.

Beatrice Imboden, Präsidentin des Verbands Hotellerie Bern + Mittelland, dem auch viele Solothurner Hotels angehören, sieht dies lockerer. «Airbnb ist ein Vertriebskanal wie jeder andere auch. Es ist völlig legitim, diesen zu nutzen.» Für sie müssen die Hoteliers vor allem eines erreichen: «Dass Stammkunden zukünftig direkt über das Hotel buchen und nicht über den Umweg einer Online-Plattform, was uns Kommissionen kostet.» Dazu müsse man sicherstellen, dass die Preise auf den Online-Plattformen nicht tiefer seien, als bei einer Direktbuchung.

Trotz Airbnb und dem Trend zur privaten Unterkunft– Darko Bosnjak vom Hotel Olten ist überzeugt: «Die Hotelbetten haben noch nicht ausgedient und werden es auch nicht so schnell».

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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