Homeoffice
Bundespräsident Guy Parmelin: «Ich sage meiner Frau immer, sie soll in meinem Büro ja nicht aufräumen»

Corona hat die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeit zusätzlich verwischt. Homeoffice wurde für viele zum Alltag. Was bleibt davon? Darüber konnten wir vor den 25. Grenchner Wohntagen mit Bundespräsident Guy Parmelin sprechen.

Sébastian Lavoyer
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Kurz vor 10.30 Uhr kommt Bundespräsident Guy Parmelin im Parktheater Grenchen an. Er ist Redner an den 25. Grenchner Wohntagen, die in dieser Form zum letzten Mal stattfinden.

Kurz vor 10.30 Uhr kommt Bundespräsident Guy Parmelin im Parktheater Grenchen an. Er ist Redner an den 25. Grenchner Wohntagen, die in dieser Form zum letzten Mal stattfinden.

José R. Martinez

Es ist kurz vor 10.30 Uhr, als Bundespräsident Guy Parmelin aus der dunklen Limousine steigt, kurz auf das Smartphone schaut und dann in die kleine Runde vor dem Parktheater in Grenchen grüsst. Dunkler Anzug, weisses Hemd, rote Krawatte und ein charmantes Lächeln auf den Lippen. Er ist hier, um an den 25. Grenchner Wohntagen über das Thema «Wohnen und Arbeiten, Hand in Hand» zu referieren. Es geht um Chancen und Risiken einer zunehmenden Verschmelzung von Wohn- und Arbeitswelt. Doch zuvor nimmt er sich Zeit für ein kurzes Interview.

Herr Bundespräsident, haben Sie selbst viel Zeit im Homeoffice verbracht?

Guy Parmelin: Ich habe diese Erfahrung als Bundesrat wohl weniger gemacht als ein gewisser Teil der Bevölkerung. Natürlich waren wir bei den Bundesratssitzungen immer präsent. Natürlich mit Einschränkungen und unter Berücksichtigung sämtlicher Massnahmen.

Videocalls haben Sie nie erlebt?

Doch, natürlich. Gerade die Vorbereitungssitzungen oder die Sitzungen mit den Ämtern, die haben wir fast alle entweder per Skype oder per Zoom gemacht. Aber nicht von Zuhause in Bursins aus, sondern von meinem Büro im Bundeshaus. Das ist eine Veränderung, die gewisse Dinge erschwert, aber durchaus auch Vorteile hat.

Bevor Guy Parmelin an der Fachtagung referierte, nahm er sich Zeit für die Fragen von CH Media.

Bevor Guy Parmelin an der Fachtagung referierte, nahm er sich Zeit für die Fragen von CH Media.

José R. Martinez

Denken Sie, dass ein Teil der mit Homeoffice verbundenen Veränderungen bleiben wird über die Coronazeit hinaus?

Mit Sicherheit. Aber letztlich muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, wie man das handhaben will. Ich kann in dem Sinn nur für mich sprechen. Wir werden die Vorbereitungssitzungen am Montagmorgen weiterhin per Videocall machen. Das geht gut.

Wo sind die Grenzen?

Nehmen wir an, dass Bundesamt für Wohnungswesen (gemeinsam mit der Stadt Grenchen veranstaltet das BWO die Grenchner Wohntage; Anm. d. Red.) ein riesiges Problem hätte, dann möchte ich, dass Martin Tschirren (BWO-Direktor, steht bei uns; Anm. d. Red.) nach Bern kommt (schmunzelt). In einem solchen Fall möchte ich die Leute sehen und direkt mit ihnen diskutieren können. Letztlich wird es auf einen Mix zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice hinauslaufen.

Das Alltägliche kann man gut von daheim machen, fürs Spezielle braucht es den Kontakt.

Man könnte es vielleicht so verallgemeinern. Aber ich sehe bei meinen Mitarbeitenden auch, dass man das Bedürfnis nach beidem hat. Am Anfang war es interessant, von Zuhause arbeiten zu können. Die Unsicherheit wegen des Virus war gross, niemand wusste genau, wie schlimm es ist. Aber jetzt wollen viele unbedingt zurückkommen.

Wirklich?

Oh ja, ich habe eine Mitarbeiterin, die zu mir gesagt hat: ‹Wenn ich vor Corona ein Problem hatte, ging ich ins Nachbarbüro auf einen Kaffee mit einer Kollegin, so haben wir die Lösungen gefunden.› Das geht nicht mit Skype.

Bundespräsident Parmelin referierte im Parktheater zu den Chancen und Risiken der zunehmenden Verschmelzung von Wohn- und Arbeitswelt.

Bundespräsident Parmelin referierte im Parktheater zu den Chancen und Risiken der zunehmenden Verschmelzung von Wohn- und Arbeitswelt.

José R. Martinez

Homeoffice, Reiseeinschränkungen - Corona hat auch dazu geführt, dass viele Leute in ihr Heim, ins Wohnen investiert haben. Um es schöner zu haben. Sie auch?

Absolut nicht. In meinem Büro ist es immer unordentlich. Ich weiss sehr wohl, wo meine Dossiers sind, aber ich sage meiner Frau immer, sie soll ja nichts anfassen, solange ich nicht da bin. Das akzeptiert sie, verlangt aber im Gegenzug, dass ich selbst abstaube.

Sie hatten auch viel zu tun, also kaum Zeit etwas zu machen.

Wahrscheinlich schon. Wir haben übrigens auch an unserem Haus nichts geändert. Wobei wir auch kein Platzproblem haben.

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