Es ist eine bunte, multikulturell zusammengesetzte Gemeinschaft, die da auf der Treppe im Primarschulhaus Kirchacker in Gerlafingen Aufstellung nimmt. Am Familientisch redet so mancher Kindergärteler oder Primeler serbisch, albanisch, mazedonisch, tamilisch oder auch in einem afrikanischen Dialekt.

Am Montagnachmittag begrüssten sie ihre Gäste anlässlich der kantonsweiten Tage der offenen Volksschule mit einem Lied in lupenreinem Schwyzerdütsch. «Im Kirchacker stosch nid näb de Schueh, judihui, ig ghöre drzue», lautet der Refrain der eigens für das Kirchacker-Schulhaus komponierten Melodie. Ein Lied, das so etwas wie das Motto der Schule bildet.

Deutsch auf dem Pausenplatz

Ein Motto, mit dem sich die Knaben und Mädchen zu identifizieren scheinen. Zum Beispiel auch die sieben Kindergärteler im Deutschzusatzunterricht von Iris Leuenberger. Rihanna, Tracy, Semir und Dion geben keine Ruhe, bis sie das Kirchackerlied nochmals singen dürfen. Dann aber sind sie wieder konzentriert damit beschäftigt, die deutschen Begriffe für die Bilder auf den Karten zu finden, die ausgebreitet vor ihnen liegen. «Es ist braun und macht miau», gibt Lehrerin Leuenberger eine kleine Hilfestellung – «Katze» kommt prompt die richtige Antwort, gewusst habens gleich mehrere Kinder.

Iris Leuenberger spricht Schriftdeutsch und auch Dialekt, wie es gerade kommt. Die Kinder machen es ihr nach – und scheinen mit den für sich fremden Sprachen bereits gut vertraut zu sein.

«Unser Ziel ist, die fremdsprachigen Kinder möglichst schnell dem deutschen Sprachbad auszusetzen», sagte Pascal Hunziker. Er ist Co-Schulleiter der Primarschule Gerlafingen, die insgesamt rund 440 Kinder zählt, verteilt auf 23 Klassen. Acht Primarschulklassen und eine Kindergartenklasse sind es im «Kirchacker».

Zu diesem «deutschen Sprachbad» gehöre etwa, dass auch während der Unterrichtpausen nur Deutsch gesprochen werden darf. Einer Regel, der in Gerlafingen – im Unterschied zur Primarschule in Egerkingen – ganz selbstverständlich nachgelebt wird, selbst ohne Androhung von Sanktionen. Gerade auch aufgrund der vielen Kinder aus fremdsprachigen Familien werde die Sprachförderung an den Gerlafinger Schulen grossgeschrieben, betonte Schulleiter Pascal Hunziker im Gespräch mit dieser Zeitung.

Und zwar längst nicht nur im Rahmen des offiziellen Deutschzusatzunterrichts. «Auch im normalen Schulunterricht spielt der Umgang mit der deutschen Sprache eine zentrale Rolle.»

Kampf gegen Vorurteile

Die Bemühungen scheinen sich bezahlt zu machen. «Gefordert sind die Lehrpersonen vor allem im Kindergarten», weiss Hunziker. «Dann aber lernen die Kinder sehr schnell, sich in der für sie fremden Sprache zurechtzufinden». Für die Schülerinnen und Schüler sei es ohnedies kein Problem, dass ihre «Gspänli» aus ganz unterschiedlichen Nationen stammen. «Heterogenität ist für sie ganz normal.»

Auch disziplinarische Probleme seien an den Schulen in Gerlafingen nicht häufiger als in anderen Gemeinden, beobachtet der Schulleiter – und begegnet damit so manchen hartnäckigen Vorurteilen. Was die schulischen Leistungen seiner Schützlinge anbelangt, meinte Hunziker: «Bei uns sind alle Leistungsstärken vertreten, von den Schülern mit individuellen Lernzielen bis hin zu Kindern mit einer Hochbegabung.»

Bildungsdirektor Remo Ankli zeigte sich anlässlich seines Besuchs in Gerlafingen beeindruckt von der Leistung der Lehrerschaft: «Ich ziehe den Hut davor, wie die Lehrpersonen mit der grossen Heterogenität umgehen.» Besonders beeindruckte ihn die Einrichtung eines Intensiv-Deutschkurses für Kinder, die erst im Primarschulalter in der Schweiz eingeschult werden.

In Gerlafingen habe die Förderung von Kindern aus anderen Kulturen eine lange Tradition, betonte Gemeindepräsident Peter Jordi. So hätten die Schulverantwortlichen bereits in den 80er-Jahren damit begonnen, Deutschunterricht für fremdsprachige Kinder einzuführen. Jordi: «Das war damals revolutionär.«

Bis 18. März finden die Tage der offenen Volksschule statt. Eltern und andere Interessierte können den rund 1500 Klassen im Kanton einen Besuch abstatten.