Im Alter selbstständig leben
Hoher Aufwand, fehlende Partner: Die Zukunft der Seniorenmesse ist ungewiss

Bald öffnet die Seniorenmesse 55+ in Olten und Solothurn mit 86 Insitutionen wieder die Tore. Die Frage steht aber im Raum: Wie lange wird sie noch bestehen? Den Organisatoren fehlen Partner.

Elisabeth Seifert
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Aus kleinen Anfängen im Jahr 2010 (Bild) ist die Messe zu einem bedeutenden Event geworden. Archiv

Aus kleinen Anfängen im Jahr 2010 (Bild) ist die Messe zu einem bedeutenden Event geworden. Archiv

Urs Lindt

Sie hat seit 2010 einen festen Platz im jährlichen Veranstaltungskalender des Kantons Solothurn: die Seniorenmesse 55 +. Demnächst ist es wieder so weit. Am 26. Oktober im Stadttheater Olten und rund einen Monat später, am 24. November, im Solothurner Landhaus. Das Interesse der anbietenden Dienstleister ist dabei noch nie so gross wie jetzt.

Insgesamt 86 vor allem regionale Organisationen – 34 gemeinnützige und 52 gewinnorientierte Institutionen – werden ihre Dienste rund um das möglichst selbstständige Wohnen und Leben im Alter an den Mann und an die Frau zu bringen versuchen. Doch die weitere Zukunft der Messe, die sich mittlerweile – neben der Seniorenmesse am Zürcher Hauptbahnhof – schweizweit zur grössten Veranstaltung in diesem Bereich gemausert hat, steht auf dem Spiel.

Alleine nicht mehr tragbar

«Sicher werden wir die Messe noch im nächsten Jahr durchführen», sagt David Aegerter. Er ist Organisator der Messe und Geschäftsführer von Home-Instead-Seniorenbetreuung im Kanton Solothurn sowie im Oberaargau. Aufgrund des wachsenden Interesses vonseiten der Anbieter und der Besucher sind die Kosten für die Durchführung der Messe in den letzten Jahren stets gestiegen. Aegerter: «Der Aufwand ist für uns längerfristig nicht mehr tragbar.»

86 Anbieter und Infos rund ums Alter

Im Zentrum der jeweils eintägigen Seniorenmesse in Olten und Solothurn stehen die Angebote von insgesamt über 80 teilnehmenden Institutionen. Das Zielpublikum sind interessierte Senioren ab 55 Jahren, pflegende Angehörige und Freunde. An der Messe von Samstag, 26. Oktober, im Stadttheater Olten werden über 50 Anbieter präsent sein. Über 60 sind es dann am Sonntag, 24. November, im Solothurner Landhaus. An beiden Standorten ist die Messe von 10.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Messe-Teilnehmer decken folgende Bereiche ab: Unterstützung zu Hause; Beratung und Hilfe; medizinische Dienstleistungen; Therapien und Rhea; alternative Heilmethoden; Hilfsmittel und Orthopädie; Sehen und Hören; Sicherheit; Gesundheit, Fitness und Körperpflege; Wohnen, Umbauen und Liegenschaften; Tagesstätten und Pflegeheime; Fahrdienste; Finanzielles und Versicherungen; Bildung, Kultur, Reisen und Freizeit.
Im Rahmen der Messe findet von 14 Uhr bis 15.30 Uhr ein allgemeiner Informationsteil statt. Radiomoderator Daniel Fohrler wird sich mit Direktbetroffenen zum Thema «Selbstständiges und unterstütztes Leben im Alter» unterhalten. Zu den Gesprächen werden Experten aus den Bereichen «Finanzielle Unterstützung», «Alzheimer/Demenz», «Sicherheit» und «Spital» beigezogen. Der Eintritt für Besucherinnen und Besucher kostet fünf Franken. Fürs leibliche Wohl sorgt ein Messebeizli. (esf)

Mit den Einnahmen, die sich aus Standgebühren, Sponsoringbeiträgen und Eintritten zusammensetzen, können – zumindest annähernd – die von Dritten in Rechnung gestellten Kosten bezahlt werden.

Zu einem Verlustgeschäft wird die Messe dann aber durch den personellen Aufwand, sprich: die hohe Zahl von Arbeitsstunden, die für Planung und Durchführung einer Messe dieser Grössenordnung nötig sind. Für den Home-Instead-Geschäftsführer steht deshalb fest: «Wir brauchen dringend Partner, die den Anlass mit uns zusammen organisieren.» Zudem wünscht er sich die verstärkte finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand. Aktuell beteiligt sich einzig der Kanton Solothurn an der Messe, mit einem eigenen Stand sowie einem kleinen vierstelligen Sponsoring-Betrag.

Schwierige Partnersuche

Neben der Suche nach (öffentlichen) Sponsoring-Geldern sei es, so Aegerter, vor allem äusserst schwierig, mögliche Partner zu gewinnen. Gleichsam auf der Hand liegen würden die drei prominenten Organisationen im Altersbereich, Pro Senectute Kanton Solothurn, die Gemeinschaft der Solothurnischen Alters- und Pflegeheime (GSA) sowie der Spitex-Verband Kanton Solothurn. Alle drei Institutionen aber bleiben der Messe fern.

Mehrfache Bemühungen der Messeveranstalter, diese für eine Teilnahme oder eine Partnerschaft zu gewinnen, sind – bis jetzt jedenfalls – im Sand verlaufen. Von den grossen Non-Profit-Organisationen als Teilnehmer mit an Bord ist einzig das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Solothurn.

Für Pro Senectute steht fest, dass es sich bei der Seniorenmesse «primär um einen Werbeauftritt von Home Instead handelt», wie sie auf Anfrage schriftlich festhält. Und: Man arbeite «primär» mit den gemeinnützigen öffentlichen Kernpartnern zusammen». Gemeinsam mit diesen – und unterstützt durch einen öffentlichen Leistungsauftrag – könne man sich etwa im Rahmen der Gruppe «Alt werden im Kanton Solothurn» auch die Planung und Durchführung einer Seniorenmesse vorstellen.

Ganz ähnlich nennt als Bedingung für das Engagement der Gemeinschaft der Solothurnischen Alters- und Pflegeheime (GSA) auch Präsident Urs Hufschmied «eine ganzheitliche Trägerschaft» – und versteht darunter namentlich die Gruppe «Alt werden im Kanton Solothurn». Die Seniorenmesse 55+ bezeichnet er – wenig schmeichelhaft – als «Akquisitionsveranstaltung eines Anbieters».

Für Sigrun Kuhn, die Präsidentin der Spitex Kanton Solothurn, gehört die Teilnahme an einer Messe nicht zum bisherigen – und finanziell abgegoltenen – Auftrag der Spitex. «Wir würden aber eine solche mit organisieren, wenn wir einen Auftrag vom Staat dafür hätten und der Staat uns dafür bezahlt.»

Gespräche mit dem Roten Kreuz

«Wir haben festgestellt, dass wir nicht eingespannt werden für die Interessen einer gewinnorientierten Firma.» Damit begründet René Spahr, Geschäftsleiter vom Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Solothurn, die Teilnahme des Verbands an der Messe. Gesprächsbereit ist das SRK auch bezüglich einer Messe-Partnerschaft mit Home Instead. Erste Kontakte haben bereits stattgefunden. Spahr: «Man muss neidlos anerkennen, dass Home Instead mit der Seniorenmesse eine Marktlücke entdeckt hat.»

«Auch wenn Home Instead hinter der Messe steht, ist diese kein Verkaufsanlass dieser Organisation.» Zu diesem Schluss kommt Claudia Hänzi, Chefin im Amt für Soziale Sicherheit (ASO). Die Messe sei vielmehr eine Infoveranstaltung für Menschen im Alter, an der sich viele gemeinnützige und nicht gemeinnützige Organisationen präsentieren. Diese Durchmischung ist für die Amtschefin wichtig. Und: «Die Hemmschwelle für die Teilnahme weiterer gemeinnütziger Organisationen dürfte sinken, wenn solche Organisationen die Messe mittragen.»

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