Finanzieller Aufwand
Hohe Kosten: Lernfahrer zahlen 3000 Franken für die Autoprüfung

Auf die erste Fahrt mit einem Auto freuen sich viele Junge. Manchen von ihnen dürfte das Lachen aber schnell vergehen. Der Weg zum Führerausweis ist mit vielen Hürden und einem grossen finanziellen Aufwand verbunden.

Simon Wyss
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Die Sicherheit soll vorgehen: Immer mehr Kurse führen aber auch zu hohen Mehrkosten.

Die Sicherheit soll vorgehen: Immer mehr Kurse führen aber auch zu hohen Mehrkosten.

AZ

Es beginnt mit dem Nothelferkurs beim Fahrlehrer oder Samariterverein. Obligatorisch ist er seit 1977. Kostenpunkt: 150 Franken

Dann folgt der Sehtest, der seit 1971 obligatorisch ist. Kostenpunkt: 15 Franken

Dann muss ein Gesuch für den Lernfahrausweis ausgefüllt werden. Mit Sehtest, Ausweis des Nothelferkurses, Identitätskarte oder Pass, dem ausgefüllten Gesuch und zwei Passfotos geht es anschliessend zur Einwohnerkontrolle oder zur MFK, damit die Personalien kontrolliert werden können. Erst dann gibt es die Zulassung zur Theorieprüfung. Im Detailhandel sind Theoriebücher oder Softwares erhältlich, die den Stoff der Autoprüfung behandeln. Kostenpunkt: 80 Franken

Endlich. Die theoretische Prüfung. Kostenpunkt: Nochmals 30 Franken

Nach bestandener Prüfung stellt die Behörde den Lernfahrausweis in den nächsten Tagen per Post zu. Dieser ist zwei Jahre gültig. Kostenpunkt: 60 Franken

Fundierte Ausbildung wichtig

Der «Lappen» war schon beliebter

Die hohen Kosten könnten sich ausgewirkt haben: Eine Statistik des Bundes zeigt, dass die Anzahl der jungen Führerscheinbesitzer seit 20 Jahren rückläufig ist. 1994 besassen rund 70,7 Prozent der 18 bis 24-Jährigen einen Führerschein. 2010 waren es gerade noch 58,7 Prozent. 1994 lösten 10,1 Prozent der gleichen Altersgruppe ein Generalabonnement der SBB. Im Jahr 2010 lag derselbe Anteil bei 19,7 Prozent.

«Wie viele Fahrstunden ein Schüler benötigt, ist unterschiedlich», erklärt Fahrlehrer Tom Hess auf Anfrage. Kostenpunkt pro Fahrstunde: 85 Franken
Vor der praktischen Autoprüfung braucht es noch den Verkehrskundeunterricht. Kostenpunkt: 220 Franken

Sobald der Fahrlehrer das Gefühl hat, sein Kunde könnte die Fahrprüfung bestehen, meldet er ihn an zur Prüfung. 45 Minuten Fahrt mit dem Prüfungsexperten, Rückwärtsfahren, Parkieren, Anfahren am Berg: Kostenpunkt im Kanton Solothurn: 120 Franken

Ist die Prüfung bestanden, erhält der Lernfahrer den drei Jahre gültigen ‹Führerausweis auf Probe›. Kostenpunkt: 50 Franken

Jetzt ist der Autofahrer aber erst Neulenker. In der dreijährigen Periode muss jeder zwei Weiterausbildungskurse besuchen. Kostenpunkt erster Kurs: 340 Franken

Kostenpunkt zweiter Kurs: 370 Franken

Wenn sich der Neulenker in diesen drei Jahren etwas zuschulden kommen lässt, oder die beiden Weiterausbildungskurse nicht besucht, wird der ‹Führerausweis auf Probe› unter Umständen entzogen. In diesem Falle muss der Beschuldigte nicht nur die praktische Prüfung wiederholen, sondern auch den Sehtest, die theoretische Prüfung, ein paar Fahrstunden, sowie sämtliche Kurse. Das kostet.

1400 Franken ohne Fahrstunden

Die Kosten, die ein Fahrschüler bezahlt, sind hoch. Laut verschiedenen Fahrschulen der Region Solothurn liegt der Durchschnitt der benötigten Fahrstunden bei etwa 20 Fahrlektionen liegen. Der Durchschnittspreis einer Fahrstunde liegt bei etwa 85 Franken pro Lektion. Somit dürfte der Durchschnittsfahrschüler alleine für die Lektionen beim Fahrlehrer 1700 Franken bezahlen.

Die restlichen Kosten (Kurse, Gebühren, Sehtest) belaufen sich im Durchschnitt auf etwa 1400 Franken. Addiert man die beiden Beträge, ergibt dies das Resultat von 3100 Franken. Der Benzinverbrauch für die privaten Stunden mit Verwandten ist dagegen nur ein Klacks.

Entwicklung der Kosten

Der Führerschein ist im Laufe seiner über 100-jährigen Geschichte immer teurer geworden. Nicht zuletzt hängt dies mit den 2005 eingeführten Weiterbildungskursen zusammen. Dies kosten mehr als 600 Franken. Zuvor waren nur der Sehtest (seit 1971), der Nothelferkurs (seit 1977) und der Verkehrskundeunterricht (seit 1991) obligatorisch.

Dass weitere Hürden auf dem Weg zum Führerschein hinzukommen, ist nicht ausgeschlossen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat ein neues Projekt namens OPERA 3 in Planung. Das Programm sieht eine Anpassung an die Richtlinien der Europäischen Union vor. Dabei ist laut «Blick» geplant, dass jeder Lernfahrer die Theorieprüfung künftig höchstens drei Mal absolvieren kann.

«Welche Massnahmen genau getroffen werden, ist uns derzeit noch nicht bekannt», teilt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Astra, auf Anfrage mit. «Unser Ziel ist es, dass für die Lernfahrer keine zusätzlichen Kosten entstehen und der Aufwand nicht grösser wird.»

Was bringts?

Stellt sich nur die Frage: Bringen die Kurse etwas? Fest steht, dass die Zahl aller Verkehrsunfälle im Kanton Solothurn seit 2004 um etwa 30 Prozent gesunken ist. Dies beweist die Unfallstatistik der Kantonspolizei. Der Lernende Fahrer zahlt im Jahr 2014 rund ein Drittel mehr für die gesamte Prüfung, als vor der Einführung der Weiterausbildungskurse im Jahr 2004.

Bei diesem Vergleich muss man aber berücksichtigen, dass bei der Anzahl Verkehrsunfälle auch die anderen Verkehrsträger, also auch Bahn und Bus eingerechnet sind. Ausserdem haben sich in der Zeitspanne von 2004 bis heute auch die Sicherheitsstandards der Strassen und der Personenwagen verbessert.

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