Wassermangel
Höfe und Gemeinden der Region trocknen aus: «Langsam wird es knapp»

Braune Juraweiden, ausgetrocknete Bäche, versiegende Wasserquellen: Im Kanton Solothurn wird die anhaltende Trockenheit allmählich kritisch. Die letzten ertragreichen Niederschläge fielen im vergangenen Mai. Seither blieb es trocken.

Bastian Heiniger
Drucken
Teilen
Das ausgetrocknete Bachbett in der Solothurner Verenaschlucht wird derzeit nur von Blätter gefüllt.

Das ausgetrocknete Bachbett in der Solothurner Verenaschlucht wird derzeit nur von Blätter gefüllt.

Hansjörg Sahli

Setzt der Regen noch länger aus, wird die Wasserversorgung mehr und mehr zum Problem. Einzelne Gemeinden sind bereits auf die Zulieferung anderer Gemeinden angewiesen. Selzach bezieht seit einem Monat zusätzliches Wasser aus Grenchen.

«Wir haben etwa fünf mal weniger Wasser als sonst», sagt Thomas Leimer von der Selzacher Bauverwaltung. Die Gemeinde bezieht normalerweise sein Wasser hauptsächlich von den Karstquellen im Känelmoos. Karstquellen sind die Entwässerungen eines grösseren unterirdischen Gebietes. Sie reagieren oft stark auf Umwelteinflüsse.

Zwar sind die Karstquellen in Selzach noch nicht ausgetrocknet, damit das Wasserreservoir aber morgens gefüllt ist, lässt die Gemeinde über Nacht Wasser aus der Gruppenwasserversorgung Grenchen einspeisen.

Auf andere Massnahmen konnte Selzach bisher verzichten. «Dank der Gruppenwasserversorgung mussten wir noch keine Brunnen abstellen», sagt Leimer. Auch die Nachbargemeinde Bettlach ist derzeit mehr als sonst auf die Gruppenwasserversorgung angewiesen. Wasserprobleme hätten sie deshalb nicht, heisst es auf der Gemeinde.

Notstand in der Exklave

Schwieriger haben es Orte, die ihr Grundwasser nur aus Karstquellen speisen. Besonders betroffen ist die Solothurner Exklave Kleinlützel. Die Gemeinde fordert mit einem Flugblatt die Einwohner auf, den Wasserverbrauch auf ein Minimum einzuschränken.

Das berichtete am Montag die «Basler Zeitung». Aufgrund der anhaltenden Trockenheit führen die Quellen zu wenig Wasser. Um die Wassernot zu überbrücken, legte Kleinlützel vor zwei Wochen eine Notleitung zur Baselbieter Gemeinde Liesberg.

Problematisch wird es nun vor allem auch für Höfe und Restaurants, die nicht an ein öffentliches Wassernetz angebunden sind.

Christoph Räuftling, Betreiber des «Althüsli» auf der Hasenmatt sagt: «Wir haben noch Wasser, aber langsam wird es knapp.» Die Familie besitzt zwar eine Quelle mit einem Reservoir. Doch bereits im Sommer hätten sie die Brunnen abgestellt, um Wasser zu sparen. «Wenn weiterhin kein Regen fällt, macht es mir langsam Angst», sagt Räuftling.

Die Aare ist so niedrig wie fast nie

Nicht nur Quellen führen wenig Wasser, sondern auch Bäche und Flüsse. «Die Aare ist so niedrig wie fast nie», sagt Gabriel Zenklusen vom Amt für Umwelt. Aus dem Bielersee fliessen durchschnittlich 250 Kubikmeter pro Sekunde in die Aare. Derzeit sind es nur 100 Kubikmeter pro Sekunde.

Im Sommer war die niedrige Wasserführung vor allem für Landwirte problematisch. Der Kanton musste aufgrund der Trockenheit etwa die Wasserentnahme der Dünnern einschränken. Die Beschränkungen sind unterdessen wieder aufgehoben, sagt Zenklusen. Jetzt gäbe es praktisch keine Landwirte mehr, die noch Wasser entnähmen. Um diese Jahreszeit sei die Produktion grösstenteils abgeschlossen.

Noch immer von der Trockenheit betroffen sind hingegen die Kraftwerksbetreiber. In Vier Wochen soll an der Oltner Dünnern ein neues Kleinwasserkraftwerk ans Netz gehen. Es wird Strom für 400 Haushalte liefern. Doch wegen des niedrigen Wasserstands könnte sich die Inbetriebnahme verzögern. Andreas Appenzeller, der Projektbetreuer bleibt jedoch optimistisch: «Ich glaube nicht, dass es noch so lange trocken bleibt.»

Auf Regen hofft man auch beim Energiekonzern Alpiq. Dieser betreibt an der Aare die Wasserkraftwerke Flumenthal, Ruppoldingen und Gösgen. «Insgesamt laufen derzeit nur die Hälfte der Maschinen», sagt Mediensprecher Andreas Meier.

Seit Mitte Juli liegt die Stromproduktion 20 bis 30 Prozent tiefer als im langjährigen Durchschnitt. Das Problem: Auch wenn derzeit nicht alle Turbinen laufen, bleiben die Kosten etwa gleich hoch. Der Ertrag sinkt also.

Damit sich das Problem der Trockenheit entschärft, müsste nun Niederschlag fallen – und zwar bevor die Böden gefrieren und sie damit kein Wasser mehr aufnehmen können. Und bevor sich der Schnee in den Höhen festsetzt.

Jungfische leiden wegen Trockenheit

Da hätte der Fischereiverein Solothurn und Umgebung mehr erwartet. Vergangenen Samstag haben sie im Dürrbach, oberhalb der Weissensteinstrasse, ihre Forellen umgefischt. Im Frühling setzten sie zur Aufzucht 5000 Brütlinge im Bach aus. Überlebt hat nur ein Zehntel, 500 Fische.

«Letztes Jahr konnten wir doppelt so viele Forellen umfischen.», sagt Martin Wagmann, der im Verein für die Gewässerbewirtschaftung zuständig ist. Der Bach sei zu trocken. «Die ersten 200 Meter sind praktisch ohne Wasser.» Überlebt haben die Fische vor allem dank den Stellen, wo sich das Wasser zu kleinen Pools staut.

Die Fischer setzen die Forellen in kleineren Bächen aus, weil sie dort normalerweise höhere Überlebenschancen haben als in einem grösseren Gewässer. Im Bach leben sie, bis sie etwa eine Grösse von sieben Zentimeter erreichen. Dann werden sie mit einem Elektrofischgerät kurz betäubt und mit einem Kessel eingefangen.

Ein neues Zuhause fanden die Forellen aus dem Dürrbach schliesslich in der Emme. Oberhalb des Wehrs in Biberist, wo es laut Wagmann genügend Wasser gibt, wurden sie ausgesetzt.

Aktuelle Nachrichten