Hochwasserlage
Abfluss der Aare verringert sich nach Entspannung am Bielersee – «Aareschwimmen» trotzdem abgesagt

Die Pegel vom Bieler- und Neuenburgersee haben sich weitgehend normalisiert. Damit sinkt langsam auch die Wassermenge der Aare. Das diesjährige «Aareschwimmen» wurde trotzdem abgesagt.

Marius Fellinger
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Am Wehr in Port wird nicht nur die Pegel des Bieler-, des Neuenburger- und des Murtensees, sondern auch die Abflussmengen im Unterlauf der Aare reguliert.

Am Wehr in Port wird nicht nur die Pegel des Bieler-, des Neuenburger- und des Murtensees, sondern auch die Abflussmengen im Unterlauf der Aare reguliert.

Marcel Bieri / KEYSTONE

Lage am Bieler- und Neuenburgersee

«Die Situation am Bieler- und Neuenburgersee hat sich weitgehend normalisiert», sagt der Leiter Seeregulierung des Kantons Bern, Bernhard Wehren. Im Moment liegt der Stand des Bielersees auf 429,30 Metern über Meer – das ist 10 cm niedriger als im Durchschnittsjahr. Der Pegel ist derzeit auch 20 cm tiefer als der des Neuenburgersees: «Wir versuchen so, möglichst viel Wasser vom Neuenburgersee in den Bielersee abzulassen, um das System weiter zu entlasten.» Anfangs nächster Woche werden die Seen voraussichtlich wieder ihr Normalniveau erreicht haben.

Auswirkungen auf die Aare

Wie wirkt sich diese Entspannung an den zwei Seen auf die Aare aus? Entscheidend dafür ist das Wehr in Port, wo der Abfluss des Bielersees reguliert wird. «Wie viel Wasser die Aare führt, ist vor allem vom Wasserstand der Seen abhängig», sagt Wehren. Dementsprechend wird die Schleuse bedient: «Am Montag war das Wehr in Port noch nahezu komplett offen. Seither wird es sukzessive geschlossen und bis zum Ende der Woche wird es deutlich weniger geöffnet sein».

Das zeigen die Daten

Ein Blick auf die Daten der Messstation Brügg zeigt, dass die Abflussmenge der Aare tendenziell sinkt: Am Montag flossen noch 650 Kubikmeter pro Sekunde die Aare hinunter, was Gefahrenstufe 3 bedeutete. Bis am Mittwochnachmittag verringerte sich dieser Wert auf 492 Kubikmeter pro Sekunde. Laut Skala gilt unterhalb von 550 Kubikmeter die niedrigste Gefahrenstufe.

Die Aare führt schon seit mehreren Wochen überdurchschnittlich viel Wasser

Die Aare führt schon seit mehreren Wochen überdurchschnittlich viel Wasser

BAFU

Momentane Abflussmenge im Vergleich

Die Abflussdaten sind jedoch trügerisch. Experte Wehren ordnet die momentane Situation ein: «Aktuell sind wir noch bei einer Wassermenge von rund 500 Kubikmeter pro Sekunde, das ist doppelt so viel wie normalerweise im August». Die Wassermenge reduziere sich jetzt aber laufend. «Bis am Wochenende sind wir wohl bei einem Wert zwischen 300-350 Kubikmeter pro Sekunde und damit immer noch leicht über dem Durchschnitt.»

So sieht die Situation für Schwimmer aus

Was dies für jene bedeutet, die am Wochenende in der Aare baden wollen, will Wehren nicht beurteilen: Da hätten andere Stellen wie die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) bessere Kenntnis von den lokalen Gegebenheiten. «Zu beachten ist aber, dass dafür nicht nur die Wassermenge und Fliessgeschwindigkeit entscheidend ist, sondern auch die Wassertemperatur. Und die ist mit weniger als 20 Grad momentan noch sehr niedrig», so Wehren. Man dürfe deshalb die Situation trotz der rückläufigen Wassermenge nicht unterschätzen.

Kein Risiko wollen die Veranstalter des Solothurner «Aareschwimmens» eingehen: Letztes Jahr wurde der traditionsträchtige Anlass, das Aareschwimmen, wegen der unsicheren epistemologischen Lage abgesagt. Dieses Jahr fällt er wegen Hochwasser aus. «Ich bin der Meinung, dass ihr Schwimmerinnen, Schwimmer und wir vom OK es verdient hätten, nach den mühsamen letzten 1,5 Jahren wieder mal einen schönen Sportanlass mit einem anschliessenden Bier zu geniessen», schreibt Stefan Ryser, OK-Präsident des Aareschwimmen. Doch die Sicherheit gehe vor. Nun werden die ersten Vorbereitungen für den Anlass in einem Jahr getroffen. Das schon bezahlte Startgeld wird behalten und für den nächstjährigen Anlass benutzt. Auf Anfrage erstattet der Verein das Geld zurück.

Ryser wird nach sechs Jahren sein Amt als Präsident abgeben, da sich das OK aufgrund der neuen Mitglieder neu organisieren wird. Aber: «Mich wird man in den nächsten Jahren sicher noch am Aareschwimmen antreffen», sagt er. Bis nächstes Jahr suchen sie einen Hauptsponsor. Ihr Ziel ist es, den Anlass kostenlos durchführen zu können. Dafür benötigen sie jährlich 10000 Franken.

Der Entscheid der Organisatoren deckt sich mit der Empfehlung der Kantonspolizei, die am Montag dazu riet, weiterhin auf das Baden in der Aare zu verzichten. «Das trübe Wasser, Strudel oder Strömungen in der Nähe von Brückenpfeilern machen die Aare gefährlich», sagte Sprecher Dario Panzeri. Aber: «Es besteht kein Badeverbot für die Aare».

Daran hat sich seither nichts geändert. Die Kapo bestätigte am Mittwoch auf Nachfrage ihre Empfehlung.


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