Schäden

Hochwasser, Sturm und 504 Brände: «Ruhiges» Jahr für die Gebäudeversicherung

6. Januar 2012 – mehrere Wirtschaftsgebäude des Mittleren Brüggli oberhalb von Selzach stehen in Vollbrand.

6. Januar 2012 – mehrere Wirtschaftsgebäude des Mittleren Brüggli oberhalb von Selzach stehen in Vollbrand.

Das vergangene Jahr geht bei der Solothurner Gebäudeversicherung als günstiges Schadenjahr in die Bücher ein. Brand- und Witterungsschäden waren tiefer als in den Jahren zuvor.

6. Januar 2012 – kurz nach 19 Uhr wird Feueralarm ausgelöst. Mehrere Wirtschaftsgebäude des Mittleren Brüggli oberhalb von Selzach stehen in Vollbrand. Das Feuer ist kilometerweit zu sehen. Wie sich herausstellt, ist ein technischer Defekt bei der Stallbeleuchtung Ursache für den Brand. Schaden: 880000 Franken. Dieser Brand ist somit der grösste Einzelschaden im letzten Jahr. Ein Jahr, das SGV-Direktor Alain Rossier als «ruhig» bezeichnet.

Insgesamt verzeichnet die Versicherung im letzten Jahr 504 Brandschäden. Dies schlägt mit 7,85 Mio. Franken zu Buche. Man muss bis 1985 zurückblicken, um eine tiefere Schadensumme zu finden. Budgetiert waren 13 Mio. Franken, was dem Mehrjahresdurchschnitt entspricht. Zum Vergleich: Das Brand-Rekordjahr 2011 schlägt mit Schäden in Höhe von 24 Mio. Franken zu Buche.

Auch beim zweiten grösseren Brand im letzten Jahr ist ein technischer Defekt Ursache. Ein Kabeldefekt im Melkraum legt in Herbetswil in der Nacht auf Samstag, 18. August, ein Landwirtschaftsgebäude in Schutt und Asche. 75 Kühe und Kälber fallen dem Inferno zum Opfer, Gebäude, Maschinen und Gerätschaften werden völlig zerstört. Schaden: 790000 Franken.

Leider ein Todesfall

Leider ist im letzten Jahr auch eine Brandtote zu verzeichnen. Bei einem Dachstockbrand in der Oberen Greibengasse kommt am 13. November für eine 73-jährige Frau jede Hilfe zu spät. Sie kann von den Rettungskräften nicht mehr reanimiert werden. Die Hitze einer Halogenlampe hatte diverse Gegenstände in Brand gesetzt. Der Sachschaden beläuft sich auf 545000 Franken. Glimpflich ist am 17. Februar ein Brand in Neuendorf ausgegangen. Ein Elektronik-Defekt in einem Auto führt zu einem Feuer im Unterstand, das dann auf ein Einfamilienhaus übergreift. Sachschaden: 570000 Franken.

Nach wie vor hoch sind technische Defekte als Brandursache. Darauf fokussiert die SGV auch ihre Präventionskampagne.» Jährlich investiert die SGV rund 9 Mio. Franken in die Prävention und in die Feuerwehr. Entsprechend dem ruhigen
Jahr sind die Feuerwehren weniger zum Einsatz gekommen: Rund 20 Prozent weniger Einsätze für die Feuerbekämpfung als im Extremjahr 2011. Einsatzstunden mussten sogar 35 Prozent weniger geleistet werden.

755 Meldungen nach Sturm

In Grenzen halten sich im letzten Jahr auch die Elementarschäden. Mit 2,98 Mio. Franken und damit gut fünf Mio. unter Budget «schlagen sie ähnlich tief wie 2008 und allgemein tiefer als der Durchschnitt der letzten Jahre zu Buche», so Rossier. Grössere Elementarereignisse gab es zwei: Am 5. Januar fegte ein Sturm über den Kanton, der vor allem im Schwarzbubenland Schäden anrichtete. 755 Schadenmeldungen gingen ein. Schadensumme: 1,1 Mio. Franken. Am 27./28. Juli gehen aus dem Schwarzbubenland 32 Hochwasser-Schadenmeldungen in Höhe von 380000 Franken ein.

Prävention mit Gefahrenkarte

Über Jahre betrachtet, nehmen die Kosten für Brandschäden im Verhältnis zum Versicherungskapital ab. «Dank der konsequenten Umsetzung der Brandschutzvorschriften», sagt Rossier. Im Gegensatz dazu steigen die Kosten für Elementarschäden. Die Gründe sind mannigfaltig: «Die Verwendung hoch entwickelter und somit anfälliger Technologien und Baustoffe, die Wertkonzentration in Agglomerationen, die Besiedlung und Industrialisierung in exponierten Regionen, die Bevölkerungszunahme und vermutlich auch die Klimaerwärmung», so Rossier.

Aber: Im Rahmen der Bearbeitung von Elementarschäden stellt die SGV laut Rossier immer wieder fest, dass oft neu erstellte oder umgebaute Gebäude durch Naturereignisse Schaden nehmen. Gründe seien das Nichtbeachten der Gefahrenzonen-Karte, das Vernachlässigen der einschlägigen SIA-Normen und der Einsatz ungeeigneter Materialen. «Als erste Massnahmen wurde nun mit den kommunalen Baubehörden ein Ablauf festgelegt, sodass noch vor der Baubewilligung die Überprüfung mit der Naturgefahrenkarte erfolgt», erklärt Rossier. Je nach Beurteilung dieser, müsse der Bauherr ein Nachweis für den Objektschutz liefern. Der Prozess sehe vor, dass spätestens bei der Bauversicherung die Überprüfung nochmals stattfindet. «Im Rahmen unserer Präventions-Strategie werden wir in den nächsten Monaten noch andere Massnahmen zur Schadenprävention umsetzen», so Rossier.

Das «Worst-Case-Szenario»

Die SGV will die Deckung von möglichen, sehr grossen Elementarschäden regeln und entsprechend Reserven aufbauen. Dafür hat sie das «Worst-Case-Szenario» rechnen lassen. Zur Erinnerung: Der Sturm Lothar bescherte der Versicherung am 26. Dezember 1999 Schäden von 45 Mio. Franken, die Überschwemmungen 2007 Schäden von 40 Mio. Franken. Aber auch lokale Hagelschläge können in wenigen Minuten riesige Schäden verursachen, so 2006 für 5,3 Mio. Franken im Gäu, 2007 für 9,5 Mio. Franken in der Region Lebern.

Geht man von einem 200-jährigen Ereignis respektive von einer Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent aus, dann ist im Kanton Solothurn mit einem Schadenpotenzial von 275 Mio. in einem Jahr zu rechnen. «Das schreckt auf», so Rossier. Dank der Schadenpotenzial-Analyse wisse die SGV aber jetzt auch, dass sie einen solchen 200-jährlichen Schaden finanzieren könne.

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