Bern

Historische Musikinstrumente: «Es ist die Zeit, welche die Musik macht»

Adrian von Steiger (Mitte), Leiter der «Klingenden Sammlung», erklärt Musikstudentinnen Querflöten aus verschiedenen Epochen.

Adrian von Steiger (Mitte), Leiter der «Klingenden Sammlung», erklärt Musikstudentinnen Querflöten aus verschiedenen Epochen.

Im Januar wird in Bern die «Klingende Sammlung» mit 1500 Instrumenten aus 300 Jahren eröffnet.

Ein altes Instrument anschauen, ist schön und spannend. Aber wie tönt es denn? Antworten darauf gibt ab 17. Januar 2017 eine Art Museum an der Kramgasse 66 in Bern: Die «Klingende Sammlung», Zentrum für historische Musikinstrumente. Sie nennt sich auch, weil es sich beim grössten Teil um Blasinstrumente handelt: «C’est le vent qui fait la musique». Mit 1200 Exemplaren bildet die Blasinstrumentensammlung des schweizweit bekannten Berner Instrumentenmachers und -händlers Karl Burri die Basis.

Weitere 300 Instrumente sind durch Schenkungen und Ankäufe hinzugekommen. Die Ausstellung in Bern wird – soweit bekannt – neben einer in Oxford GB die bisher einzige öffentliche Institution dieser Art sein. Sie stösst schon jetzt auch ausserhalb der Schweiz auf Interesse: Im Februar wird die Sammlung einen Teil der Internationalen Konferenz zu historischen Musikinstrumenten, Instrumentenkunde und historisch informierter Aufführungspraxis bilden.

Das Dilemma

Wie das Konzept der «Klingenden Sammlung» funktioniert und wie sie sich von üblichen Ausstellungen unterscheidet, durfte diese Zeitung an einer Führung mit Musikstudentinnen einer Flötenklasse der Hochschule der Künste Bern miterleben. Nach einem allgemeinen Überblick, vermittelt durch den Leiter der Sammlung, Adrian von Steiger, durften die angehenden Musikerinnen einige Exemplare von historischen Querflöten selber anspielen. Schön wäre natürlich, wenn man alle Flöten, Klarinetten, Oboen, Fagotte, Schalmeien, Saxofone, Trompeten, Hörner, Posaunen und alle weiteren vorhandenen Instrumente ausprobieren dürfte.

Doch das geht nicht. «Die Frage, ob historische Musikinstrumente gespielt werden sollen, stellte uns bei der Konservierung des historischen Erbes vor ein scheinbar unlösbares Dilemma», erklärt von Steiger. Er selber hat Trompete studiert und verfügt über reichlich Praxis mit alten Instrumenten. Zudem spielte er jahrelang im Balkan Brass Ensemble Traktorkestar das Helikon, ein Vorgänger der Tuba. «Ein Instrument, ob aus Holz oder Metall, in das Atemluft geblasen wird», fährt von Steiger fort, «erleidet Schäden durch Verschmutzung, Abnutzung und Korrosion. Wird es hingegen still gelegt und im Museum verwahrt, so verliert es seine Stimme und wird zum blossen Objekt.»

Die Lösung

Zusammen mit dem Konservator Martin Mürner sowie Dozenten der Hochschule der Künste Bern fand man eine Lösung. Lediglich ein Teil der Originalinstrumente darf gespielt werden und dies nur unter bestimmten Bedingungen. Dazu gehört das Interpretieren von Kompositionen mit historischen Instrumenten, ein Trend, der namentlich bei Streich- und Tasteninstrumenten schon seit längerem beliebt ist. Aber damit die «Klingende Sammlung» ihrer Bestimmung wirklich gerecht werden kann, stehen Nachbauten zur Verfügung.

Gegen 1,5 Mio. Franken werde die Realisierung des Projekts letztlich kosten, schätzt Adrian von Steiger. Die jährlichen Betriebskosten dürften 150 000 bis 250 000 Franken betragen. Das Geld stammt von Donatoren, Sponsoren und Förderern. Die Ausstellung, aufgeteilt auf zwei Etagen, ist angereichert mit einer Fülle von Informationen, sowohl für das Auge, als auch für das Ohr. Die Betreuung während den Öffnungszeiten (Mi–Sa, 11–17 Uhr) übernehmen Freiwillige. Führungen und Workshops auf Anfrage.

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